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Lesung mit ernstem und spöttischem Tonfall: Kolumnist Axel Hacke.

Kolumnist lässt sein Alter Ego berichten

Axel Hacke gibt "Kolumnistisches Manifest" zum Besten

Garmisch-Partenkirchen - Kluger Meister der lustigen Beobachtungen: Im Cabaret Royal begeistert Kolumnist Axel Hacke mit Verhörern und Geschichten aus dem Alltag.

Wer kennt das nicht. Man singt im Auto zu einem Lied im Radio mit, bis einem irgendwann auffällt, dass der Text, den man voller Inbrunst schmettert, völlig falsch ist. Es handelt sich hierbei um einen klassischen Verhörer. Das bekannte Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius ist ein Beispiel für dieses Phänomen. Statt „Und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar“ könnte man auch „Und aus den Wiesen steigt der weiße Neger Wumbaba“ verstehen. Axel Hacke, Autor und einer der großen deutschen Kolumnisten, hat Irrtümer wie diese in einem Buch zusammengefasst. 2009 erschien die dritte Fortsetzung des „Kleinen Handbuch des Verhörens“ Es ist nur eines von insgesamt 24 Buch-Veröffentlichungen, die der Schriftsteller zu seinen Werken zählt. In der Veranstaltungsreihe Cabaret Royal der Spielbank in Garmisch-Partenkirchen hat er sein „Kolumnistische Manifest“ – eine Sammlung seiner besten Kolumnen – zum Besten gegeben. Zur Freude von Spielbankdirektor und Gastgeber Peter Eursch sowie des Publikums.

Die lustigen Geschichten von Hacke, in denen er seinen Alter Ego vom Leben mit seinem Sohn Luis und seiner Frau Paola berichten lässt, sind bekannt. Hacke las in seinem gewohnt ernsten, dennoch leicht spöttischem Tonfall vor, wie er etwa Luis in den Kindergarten fährt. Eine Zeit, in der er und sein Sohn“ eine halbe Stunde miteinander verbringen und sich unterhalten können“ – was für einiges an Zündstoff sorgt. Behauptet der kleine Sprössling doch felsenfest, dass der Künstler Joseph Beuys eigentlich Jesus Beuys heißt und dass dieser in Tölz gewickelt ist, damit ihm nicht so kalt sei. Versuche des Vaters seinem Sohn zu erklären, dass es sich um Joseph Beuys und bei Tölz um Filz handelt, bleiben erfolglos. Trotzig und laut schreiend beharrt Luis auf seinem Standpunkt. Immerhin hat ihm dies Marite, die Kunstpädagogin im Kindergarten, erzählt. Luis wird immer ungehaltener. „Jetzt ist er kurz davor mit der Pulle nach mir zu schmeißen“, erzählte Hacke in trockenem Ton.

Da ihm nach zehn Jahren Kolumne „Das Beste aus meinem Leben“ irgendwann „der Stoff ausging“ sagte Hacke, gab es für ihn zwei Möglichkeiten. „Erstens: Ich hätte aufhören müssen zu schreiben. Oder zweitens: Ich benenne die Kolumne um.“ Dies hat der Autor getan. Seit 2005 heißt diese deshalb „Das Beste aus aller Welt“. Dort behandelt er nun Themen außerhalb des Mikrokosmos von Ich, Luis und Paola.

Als Albrecht von Wech, der mit Gesang durch den Abend führte, Hacke am Schluss zu einer Zugabe aufforderte, tat dieser es bereitwillig mit einer Skifahrergeschichte – „passend für Garmisch-Partenkirchen“. Es wäre auch zu schade gewesen, sich das Bild von harten Kerlen in professioneller Skiausrüstung entgehen zu lassen, die sich dort aufgrund eines rutschig-gefliesten Bodens in der Toilette einer Skifahrerhütte hilflos in den Armen liegen.

Hacke, der kluge Meister der lustigen Beobachtungen aus dem Alltag, versteht es zu begeistern. Dies hat er bei Cabaret Royale wieder einmal bewiesen.


Magdalena Kratzer

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