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Auf dem Tunnelportal wird der Verkehr aus dem Ammertal über einen Kreisel in alle Richtungen verteilt.

Trasse scheidet die Geister

B23-Verlegung bewegt die Oberauer

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Oberau - Zwei Initiativen, die eine seit Jahren aktiv, die andere jüngst ins Leben gerufen, liefern sich in Oberau eine Argumentationsschlacht. Die Geister scheiden sich an der Trasse, die für die Verlegung der B 23 kursiert.

Rund 3200 Menschen leben in Oberau. Und leiden unter der Verkehrslawine, die durch ihr Dorf rollt. Ein Dorf, das durch zwei gerade an Wochenenden und in Schulferien stark frequentierte Bundesstraßen geteilt wird. Die eine, die B 2, führt von Berlin über Leipzig, Hof, Nürnberg und München nach Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald. Die andere, die B 23, verläuft von der deutsch-österreichischen Grenze bei Griesen durchs Ammertal bis Peiting. Über sie erreicht man die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau sowie Augsburg. Angesichts dieser gewaltigen Belastung wundert es nicht, dass die Verlegung der B 23 im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 im vordringlichen Bedarf eingestuft ist.

Durch die direkte Anbindung dieser überregionalen Verbindung an die Westumfahrung der B 2, die sich seit Herbst 2015 im Bau befindet, werde der Ort um bis zu 70 Prozent vom Durchgangsverkehr entlastet, heißt es im Bundesverkehrswegeplan. Dadurch verbessert sich auch die Lärm- und Abgassituation im Dorf entscheidend. Genau dafür kämpft die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO) seit Jahren. „Und für uns gibt es keine Alternative“, betont VEO-Sprecher Josef Bobinger. „Wir brauchen auch diese Umfahrung.“

Am Mühlberg entlang soll die neue B 23-Trasse (rote Linie) von der unteren Haarnadelkurve am Ettaler Berg zum nördlichen Tunneleingang führen.

9,1 Millionen Euro sind aktuell für das ein Kilometer lange Teilstück der B 23 veranschlagt. „Die grundsätzlichen Überlegungen gehen dahin, von der unteren Haarnadelkurve am Ettaler Berg Richtung Tunnel-Nordportal einzuschleifen“, erklärt Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim. Die bestehende B 23 wird dann ab dem Ortsschild zur Sackgasse, „nur so bekommen wir den Verkehr aus dem Ort“. Frühere Überlegungen, die Fahrzeuge auf Höhe des Gewerbegebiets in die Röhren einzuschleifen, mussten verworfen werden – „vor allem wegen des potenziellen Unfallrisikos“.

Noch ist die künftige Trasse aber nicht festgelegt. Das unterstreicht Kordon mit Nachdruck. Und so steht’s auch im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans: „Der in den Lageplänen dargestellte Verlauf des Projekts stellt eine der Lösungsmöglichkeiten dar“, ist im Online-Informationssystem des Bundesverkehrsministeriums zu lesen. „Dieser Verlauf liegt der gesamtwirtschaftlichen, umweltfachlichen, städtebaulichen und raumordnerischen Bewertung beziehungsweise Beurteilung zugrunde. In den nachfolgenden Planungsstufen kann er sich verändern.“

Dem vermeintlichen Frieden trauen derweil die Vertreter der Initiative „NO B23“ nicht. Deshalb gehen sie schon jetzt auf die Barrikaden um diese – den Behörden zufolge mögliche – Trassenführung zu verhindern. Was Stefan Theelen und seine Mitstreiter vor allem empört, ist „die unnötige, massive Zerstörung unberührter Natur am Mühlberg“. Sie fürchten zudem, dass gar keine Alternativen mehr geprüft werden. Genau dafür engagieren sie sich aber. „Wir waren in den vergangenen Wochen sehr aktiv“, bestätigt Theelen. Neben Flyern, auf die es stets Antworten von der VEO und von Seiten der Gemeinde gab, hat er auch eine Online-Petition gestartet. „Nein zur Verlegung der B 23 in Oberau quer durch die unberührte Natur des Mühlbergs“ heißt es da. Ein Anliegen, für das die Trassengegner schon 280 Unterstützer gefunden haben – davon 147 aus Oberau. Entgegen Theelens Annahme, wäre damit allerdings noch nicht das Quorum für ein Bürgerbegehren erfüllt. In Gemeinden unter 10 000 Einwohnern müssten sich zehn Prozent der Wahlberechtigten in eine Liste eintragen. In Oberau entspräche das gut 240 Bürgern.

Was Theelen schon jetzt freut, ist die Diskussion die durch ihre Aktivitäten entbrannt ist. „Wir wollten das Thema in die Köpfe bringen, das ist uns gelungen.“ Die Argumente von Seiten der Behörden, erst einmal abzuwarten, ob dieses Projekt überhaupt im Bundesverkehrswegeplan bleibt, kann er nicht nachvollziehen. Die Aufstellung erfolgt schließlich unter deutlicher Ausweitung der Öffentlichkeitsbeteiligung – was Theelen gutheißt. Die Frist, um seine Meinung kundzutun, endet jedoch am Montag, 2. Mai. „Die Zeit, sich einzubringen, wird also knapp“, sagt der „NO B23“-Sprecher. Dieses Datum hat auch Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, im Blick. Er spricht von einer „Horrorplanung, der absolut scheußlichsten Trasse aus ökologischer Sicht, aber auch aus der der Menschen, die da leben“. Um die zu verhindern, unterstützt er Theelen und Co.: „Unser Ziel ist es, eine vernünftige Lösung für Oberau und die Natur zu finden."

Informationen

 zur Verlegung der B 23 gibt’s am Mittwoch, 27. April, bei einer Veranstaltung der Gemeinde Oberau. Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim stellen ab 19 Uhr im Trachtenheim (Am Mühlberg 7) ihre Überlegungen und die erforderlichen Schritte zur Umsetzung vor.

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