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Alles gesammelt hat der ehemalige Kripo-Beamte  Andreas Herzog über den Mordfall - hier mit dem ersten Bericht, der am Tag nach dem Verbrechen im Tagblatt erschienen ist. Jetzt hat er ein Buch geschrieben.

Ehemaliger Sachbearbeiter der Kripo dokumentiert Fakten und mehr

„Akte Landsman“: Mordfall wird nach 19 Jahren in einem Buch neu aufgerollt

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Der Fall wäre prädestiniert für ein Drehbuch für einen Thriller im Fernsehen. Jetzt gibt es bald ein Buch darüber - von jemanden, der alles hautnah erlebt hat. 

Bad Bayersoien/Saulgrub – Ein grauer trister Herbsttag. Halb sieben Uhr früh, es hat leicht geschneit, ist noch nicht richtig hell. Die Bäuerin Elisabeth B., die gerade ihre Tochter zur Schule gebracht hat, ist auf der Rückfahrt zu ihrem Hof, biegt in die alte Bundesstraße zwischen Saulgrub und Bad Bayersoien ein. Plötzlich gerät im Licht der Pkw-Scheinwerfer ein Gegenstand in das Blickfeld der gebürtigen Jachenauerin – mitten auf der Straße. Ein Müllsack, denkt sie. Fährt weiter – und macht eine grausige Entdeckung: Auf dem kalten nassen Asphalt liegt eine tote Frau, nackt, entsetzlich verstümmelt, überall ist Blut ...

„Das Rätsel der unbekannten Toten“

Es ist der Anfang eines aufwühlenden, spektakulären Mordfalls, der ob seiner Brutalität und den Verstrickungen weit über die Landkreisgrenzen hinaus Wellen geschlagen hat. Die Taten liegen inzwischen fast 19 Jahre zurück. An jenem 6. November 2001 passierte es. Jetzt wird der Fall neu aufgerollt: Der damalige Sachbearbeiter des Falls, Kriminalhauptkommissar Andreas Herzog aus Ettal, hat ein Buch über das Gewaltverbrechen geschrieben, das voraussichtlich im Herbst erscheint. Der heute 64-Jährige, der seit vier Jahren in Pension ist: „Mich hat dieser Fall nie losgelassen, weil er so außergewöhnlich und spektakulär ist. Ich hab das immer im Kopf gehabt, noch während meiner Zeit als Kripo-Beamter in Garmisch-Partenkirchen.“ Anfang des Jahres hat er mit dem Schreiben und der Recherche begonnen, anhand seiner Unterlagen, die einen Ordner füllen. Derzeit sind die 240 Seiten bei der Lektorin. Das Taschenbuch wird voraussichtlich unter dem Titel „Soko Soien: Das Rätsel der unbekannten Toten“ erscheinen.

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„Alles wahre Fakten und authentisch“

Noch aus einem anderen Grund hat sich Andreas Herzog entschlossen, diesen Fall zu dokumentieren: „Ich habe hier alles kennengelernt, was es in der kriminalpolizeilichen Arbeit gibt. Das war ein großer Erfahrungsschatz für mich..“ Als „authentisch“ und „in allen Fakten und Schilderungen wahr“ beschreibt der Ettaler seine Abhandlung: „Der Mordfall wird chronologisch erzählt. Neben den harten, oft schwer zu verdauenden Fakten werden auch skurrile und lustige Erlebnisse beschrieben.“

Lederjacke des Opfers war der Schlüssel

Zweifelsohne gehört der Mordfall Lansman – so hieß das Mordopfer – zu den spektakulärsten in Bayern in der jüngeren Vergangenheit. Bis zur Unkenntlichkeit entstellt, sexuell missbraucht und mehrfach mit dem Auto überrollt – so fand die Polizei an diesem 6. November 2001 eine nackte Frauenleiche auf dem Feldweg nahe Soien, der sich auf Saulgruber Flur befindet. Das Opfer war derart übel zugerichtet, dass die Ermittler der „Soko Soien“ die Tote mehr als zwei Jahre lang nicht identifizieren konnten. Erst nach und nach stellte sich der Hergang heraus. Mit dem Auto waren in der besagten Nacht der Architekt Francesco Alfonzetti (44) und die damals 45 Jahre alte Schmuckhändlerin Elisabeth Lansman aus Amsterdam von Innsbruck Richtung Norden unterwegs. Alfonzetti hatte ein Verhältnis mit Lansman, und mit deren Tochter Eleonora Salomi war er verlobt. Mit ihm Auto hatte die Frau rund 70 000 D-Mark in bar aus einer Erbschaft. Irgendwann in dieser Nacht hielt der schwere BMW auf der schmalen Straße an. Beide tranken Sekt miteinander, ehe es offenbar zum Streit und anschließend zu schweren Misshandlungen Alfonzettis an seiner Partnerin kam, die schließlich zum Tod führten.

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Der Architekt ließ sein Opfer zurück, flüchtete und warf bei Scharnitz eine Plastiktüte mit der blutverschmierten Kleidung der Toten aus dem Fenster, die noch am gleichen Tag gefunden wurde. Über eine Lederjacke, die Elisabeth Lansman trug und von der nur 14 Stück verkauft wurden, sowie DNA-Spuren konnte die Soko die Identität der Holländerin klären. Als die hiesigen Kripo-Beamten, darunter auch Andreas Herzog, Anfang 2004 die Tochter des Mordopfers, Eleonora Salomi, in Italien vernehmen wollten, kam unterwegs ein Anruf der Karabinieri, dass sich die junge Frau gerade nahe Bari erschossen habe. Tatsächlich hatte aber wohl ihr Freund Francesco sie mit einem Kopfschuss getötet.

Zweimal lebenslänglich

Beide Morde bestritt der Hauptverdächtige bis zuletzt vehement, jedoch wurde er von einem Gericht in Brindisi 2007 und 2011 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Beweise waren erdrückend. Heute sitzt er in Lecce ein. Ob und wann er wieder auf freien Fuß kommt, vermag Andreas Herzog nicht zu sagen. Die Akte Lansman ist geschlossen: „Es war mein größter Fall.“

Das Buch von Andreas Herzog erscheint im Hansanord-Verlag voraussichtlich im Herbst, kann aber bereits jetzt über Amazon vorbestellt werden.

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