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Das Moor wird in Bad Bayersoien als Naturattraktion besonders beworben: Das sensible Ökosystem lässt sich über den im Oktober 2014 eröffneten Lehrpfad erkunden. Dieser verläuft am östlichen Rand des Soier Sees.

Letzte Genehmigung vor über 20 Jahren

Nicht mehr selbstverständlich! Bad Bayersoien will weiter für Moorbäder graben

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Das Soier Moor ist selten und nützlich. Die Gemeinde Bad Bayersoien will ein neues Abbaugebiet für die Bäderbetriebe ausweisen. Es wäre etwas Besonderes.

Bad Bayersoien – Im Jahr 1996 wurde in Bayersoien gefeiert. Der kleine Ammertalort wurde hochoffiziell zum „Bad“ befördert. Den Titel holte sich der Heilkurort dank seines alpinen Bergkiefern-Hochmoors. Einem Bad in der warmen Masse werden Wunderwirkungen nachgesagt. Doch für die Anwendungen muss der Torf abgegraben werden – was angesichts des sensiblen Ökosystems restriktiv genehmigt wird. Die Gemeinde Bayersoien möchte möglichst noch heuer ein neues Abbaugebiet in Angriff nehmen. Der Gemeinderat brachte das Vorhaben jetzt auf den Weg: Einstimmig und ohne große Diskussion wurde der für die Ausweisung notwendige Bauplan für das Areal am Bärenbach abgesegnet. Diesen hatte die Naturschutzbehörde des Landkreises als Nachweis für das Vorhaben gefordert.

Das Vorhaben wäre nicht alltäglich. Die letzte Genehmigung für eine neue Abbaufläche im Landkreis wurde laut Landratsamtssprecher Stephan Schwarz „zuletzt vor über 20 Jahren“ erteilt – just für das jetzige Bayersoier Areal am Haselbach. Doch dort gibt es mittlerweile ein Kapazitätsproblem: „Das Gebiet geht absolut zu Ende“, wie Bürgermeisterin Gisela Kieweg in der jüngsten Sitzung erklärte. Über zwei Jahre zog sich die Suche hin. Im Juni 2016 hatte die Bad Wörishofener Forschungsaußenstelle der Münchner LMU-Universität ein Gutachten vorgelegt, ob überhaupt für den Badbetrieb geeignetes Moor zu finden ist. Es sei möglich, erfuhren die Soier von den Fachleuten. Nach diversen Ortsterminen mit der Unteren Naturschutzbehörde war ein Standort gefunden: das knapp 4500 Quadratmeter große gemeindeeigene Flurstück am Bärenbach. Die Verhandlungen mit den Naturschützern „waren zach“, erinnert sich die Rathauschefin, spricht aber von „einer sehr guten Zusammenarbeit“. Jetzt scheint das Vorhaben in trockenen Tüchern. „Der neue Abbau ist aus Sicht des Landratsamtes unproblematisch“, teilt Behördensprecher Scharf mit. Begründet wird es damit, dass in einer Torflagerstätte gegraben werden werden soll, „die keine Biotopflächen-Eigenschaft hat“.

Bedarf an Moor für Kuren ist gesunken

Von Vorteil war es sicherlich, dass die Gemeinde laut Bürgermeisterin die Praxis der Renaturierung weiter verfolgen will: Nach der einmaligen Bädernutzung kommt der Torf wieder zurück in eigens angelegte Becken am Haselbachweg. Dort wird er laut Kieweg über zehn Jahre gelagert und darf wieder verwendet werden. Außerdem: „Der Abbau soll am Anfang erst mal zurückhaltend sein“, sagte Kieweg. „Wir brauchen heutzutage nicht mehr viel Moor.“ Denn der Bedarf ist mit dem allgemeinen Rückgang der Kur-Zahlen weniger geworden. Von einstmals sieben sind in Soien nur noch drei Moorkur-Betriebe übrig geblieben. Trotz allem setzt die Ammertalgemeinde weiter auf sein Moor als Werbeträger, wie die Rathauschefin klar machte. „Das ist unser Markenzeichen.“

Bis der Bagger am Bärenbach anrollt, dauert es. Kieweg möchte zwar heuer starten, zumindest mit vorbereitenden Arbeiten wie an den Wassergräben. Allerdings haben die Behörden ein gewichtiges Wort mitzureden. „Das neue Abbauvorhaben muss ein Genehmigungsverfahren durchlaufen“, so Landratsamtssprecher Scharf – neben der Unteren Naturschutzbehörde ist unter anderem noch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim beteiligt. Die Zukunft des bisherigen Areals am Haselbach ist dagegen schon geklärt: Der Landkreis hat die Abbaufläche samt Renaturierungsbecken in einem Grundstückstausch von der Gemeinde übernommen.

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