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Noch Wiese, später Wohngebiet: Landwirte fürchten, dass der Soyermühlweg in Zukunft von Anwohnern und Besuchern zugeparkt wird. 

Ortsentwicklung in Bad Bayersoien

Baugebiet „Breiten“: Bedenken kurz vor Schluss

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Bald stehen neue Flächen für Häuslebauer in Soien bereit. Im Gemeinderat gab es nochmals Diskussionen.

Bad Bayersoien – Die Gemeinde Bad Bayersoien kann ihr neues Baugebiet „Breiten“ angehen. Der Gemeinderat segnete den Bebauungsplan für das Areal am Soyermühlweg ab. Mit dem einstimmigen Satzungsbeschluss wird er rechtskräftig. Allerdings zeigte sich: Das Werk erntet nicht überall Begeisterung – weder bei Kommunalpolitikern noch bei Bürgern. Im Februar hatte der Rat das Genehmigungsverfahren auf den Weg gebracht. 15 Grundstücke gibt es – 12 davon verkauft die Gemeinde, 3 sind in Privatbesitz. Die Gesamtfläche beträgt 11 638 Quadratmeter, der Gemeinde gehören 9422 Quadratmeter. Das Wort „Einheimischenmodell“ wollte Bürgermeisterin Gisela Kieweg nie in den Mund nehmen, zu groß ist ihre Angst vor Rechtsstreitigkeiten bei der Vergabe. Lieber spricht sie von einem Baugebiet speziell für junge Familien. Die Vergabe der gemeindlichen Grundstücke, mehr als 30 Bewerber gab es, stieß trotzdem auf Kritik – weil auch auswärtige Interessenten zum Zuge kamen. Zudem erscheint der vom Gemeinderat festgelegte Quadratmeterpreis von 205 Euro manchem zu hoch.

Noch größer sind die Bedenken einiger Bauern. Sie fürchten Einschränkungen, weil „Breiten“ als reines Wohngebiet deklariert ist. Ein Dorfgebiet ist nicht möglich, weil sich in dem Areal keine landwirtschaftliche Nutzung befindet, hatte Ursula Burkart vom Architekturbüro „WipflerPlan“ stets argumentiert. Aus Rücksicht auf die Landwirte hatte sich der Rat auf eine teilweise Verbreiterung des Soyermühlwegs auf 6,15 Metern verständigt.

Der Satzungsbeschluss sollte nach monatelanger Debatte keine große Sache sein. Doch es entbrannte eine grundsätzliche Diskussion, die Kieweg „eigentlich schon überraschte“, wie sie später einräumte. Der Besitzer eines direkt am Baugebiet gelegenen Feldstadels sieht sich durch die neue Nachbarschaft in seiner forstwirtschaftlichen Arbeit gefährdet. Sein Vorschlag: Das nächste Baugrundstück mit dem Areal für das Regenrückhaltebecken tauschen und so mehr Abstand zu seinem Stadel bekommen. Der Idee gewann Kieweg nichts ab. Weil eine neue Planauslegung nötig wäre, würde sich der Baubeginn bis ins kommende Jahr verschieben, mahnte sie und warnte vor höheren Kosten: „Die Wirtschaftlichkeit ist in Frage gestellt.“ Schon jetzt liegt der Ansatz für die Erschließung bei 1,1 Millionen Euro. Architektin Burkhart zufolge würde die Gemeinde beim Tausch rund 200 Quadratmeter Bauland verlieren. Das Anliegen fiel deutlich durch.

Ebenfalls keinen Erfolg hatte Zweiter Bürgermeister Georg Haseidl: Dieser wollte kurz vor Torschluss nicht nur eine Verringerung der Geschossflächenzahl, aus Sorge vor zu großen Gebäuden, sondern auch bauliche Sichtfenster auf den südlichen Grundstücken, um den Blick der Hinterlieger auf das Voralpenland zu gewährleisten. Letzteres sorgte bei Andreas Jörg für Kopfschütteln: Es gebe kein Recht auf Bergblick, so sein Fazit. „Ein bisschen Freiheit sollte man dem Bauherren schon lassen.“

In der Oktober-Sitzung will Kieweg die Erschließungsarbeiten vergeben, „Die Preise sind etwas angezogen“, warnt Planer Michele Mongella bereits. Im Herbst sollen die Bagger anrollen. Mitte August 2019 könnten die ersten Häuslebauer loslegen.

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