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Verbranntes Heu, verkohlte Balken, ein paar Mauern: Nicht mehr viel, was vom Lötschmüllerhof übrig geblieben ist.

Ein für die Ortsgeschichte wichtiges Gebäude ist zerstört 

Verheerender Brand am Lötschmüllerhof: Das Ende der „Seeburg“

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Herber Verlust eines historischen Hauses: Der abgebrannte Lötschmüllerhof in Bad Bayersoien war einst ein Erholungsheim für die Ettaler Mönche. Es war das ältestes Gebäude im Kurort.

Bad Bayersoien – Der verheerende Brand am Lötschmüllerhof in Bad Bayersoien hat nicht nur das bäuerliche Anwesen und die Heimat der Familie Maier zerstört, sondern auch ein für die Ortsgeschichte wichtiges und bedeutsames Gebäude. Der Hof beherbergte nämlich einst die sogenannte „Seeburg“, die zuerst ein Erholungsheim für die Mönche aus dem Kloster Ettal und später eine Ritterakademie war. 1840 schließlich erwarb der Urgroßvater von Josef Maier das Anwesen.

Bürgermeisterin Gisela Kieweg geht davon aus, dass der Hof zum Lötschmüller das älteste Gebäude der Gemeinde darstellte: „Das Bierlinghaus in der Ortsmitte dürfte nicht so alt sein. Außerdem war es ein sehr prägendes Gebäude für das Ortsbild, wenn man von Süden her in das Dorf hereingefahren ist. Das wird nun fehlen.“ Beim Blick in die Geschichte von Bad Bayersoien erfährt man, dass der Ettaler Abt Romanus Schretter, ein gebürtiger Ohlstädter und begeisterter Waidmann, während seiner Amtszeit für sich, seine Jäger und andere Gäste im Jahr 1691 in Soien ein festes Haus errichten ließ, die sogenannte „Seeburg“. Sie diente als Erholungsstätte für Mitbrüder. Auch feierte der Abt dort gerne, meist mit ausgedehnten Jagden verbunden, viele Feste, wozu er immer wieder Gäste einlud. Dieses Gebaren missfiel dem Prior des Klosters, der deswegen mehrere Beschwerdebriefe an den Bischof von Freising schrieb. Er forderte gar die Ablösung des Abtes „wegen schlechter Wirtschaftsführung und ungeistlichen Lebenswandels“. Anno 1697 wählten die Ettaler Mönche Placidus Seitz aus Landsberg zum neuen Abt, und dieser wandelte die Seeburg 1709 in eine Ritterakademie um, eine Offiziersschule für den Adel im Reich, die sich alsbald einen guten Ruf erwarb. Da die Schüler aus dem gesamten europäischen Raum sieben Wochen Ferien hatten, viele aber aufgrund der großen Entfernung nicht nach Hause konnten, wurde für sie und teilweise auch für ihre Eltern die Seeburg als Heim für Ferienaufenthalt eingerichtet.

Eine Besonderheit des Lötschmüllerhofs besteht darin, dass sich unter dem Haus eine Verbindung zwischen den beiden Seen befand. Dieser Tunnel wurde 1993 in vielen Arbeitsstunden von Josef Maier wieder freigelegt und für Führungen geöffnet. Damit landete der „Seppl“ sogar im Guiness-Buch der Rekorde. Durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen und zum Teil zerstört wurde auch das Landwirtschaftliche Museum des 76-Jährigen mit unzähligen landwirtschaftlichen Gerätschaften aus früherer Zeit.

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