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Ein Geisterhaus: Bereits seit Monaten steht das gemeindliche Kurhaus in Bad Bayersoien leer.

Hotel-Chef beklagt fehlende Transparenz im Rathaus von Bad Bayersoien

Bürgerbegehren zum Kurhaus

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Seit über fünf Jahren wird in Bad Bayersoien über die Zukunft des Kurhauses debattiert. Jetzt lässt Hotel-Chef Wolfgang Friedel eine Bombe platzen. 

Bad Bayersoien – Knapp 19 Jahre sind inzwischen ins Land gezogen, seitdem in der Gemeinde Bad Bayersoien das erste und bisher einzige Bürgerbegehren vonstatten ging. Am 14. Juni 1998 stimmte die Bürgerschaft über die künftige Nutzung des Dorfstadels – ob Gastwirtschaft oder Unterbringung eines Schreinerbetriebs – ab. Die damaligen Initiatoren waren die Gemeinderäte Eberhard Steiner, Georg Bußjäger und Jörg Sosna, die das Votum mit 364:100-Stimmen (pro Schreinerei) für sich entschieden. Dennoch ist bis heute nie ein Holzverarbeitungsbetrieb in den Dorfstadel eingezogen.

Nun steht in dem idyllischen Kurort am See ein weiteres Bürgerbegehren unmittelbar bevor: Antragsteller ist Wolfgang Friedel, Betreiber und Inhaber des Parkhotels. Er will mit dieser Abstimmung der Bürger erreichen, dass das inzwischen leerstehende Kurhaus öffentlich ausgeschrieben und bei Zuschlag nicht unter dem aktuellen Verkehrswert veräußert wird. Der 63-jährige Hotelier: „Es gibt offenbar bei der Gemeinde Pläne, wie von der Bürgermeisterin in der Bürgerversammlung vorgestellt, im Kurhaus ein Kur- und Seminartagungszentrum unterzubringen. Prinzipiell habe ich nichts dagegen, wenn ein vernünftiges Konzept dahinter steckt.“ In den nächsten Tagen wird eine beauftragte Anwaltskanzlei von Friedel die notwendigen Unterschriften, die zur Einreichung nötig sind – gut 90 – im Rathaus abgeben.

Akademie mit Bio-Restaurant?

Bürgermeisterin Gisela Kieweg wusste nach eigenen Worten bislang nur aus der Gerüchteküche, „dass hier was im Busch ist“. Etwas konkreter wurde Hotelier Wolfgang Friedel in einer E-Mail am 27. März, in der er sein Bürgerbegehren ankündigte. Überrascht zeigte sich Kieweg gestern bei einem Tagblatt-Anruf, „dass es nun schon soweit ist“.

Die Thematik Kurhaus wird in Bad Bayersoien seit über fünf Jahren intensiv diskutiert. Viele Pläne, Konzepte, Ideen und Vorstellungen wurden bereits diskutiert – und wieder verworfen. Aktuell sucht die Gemeinde noch immer einen Investor für das leerstehende Haus. Gisela Kieweg: „Die Einrichtung lässt sich einfach nicht mehr der Zeit entsprechend betreiben. Vor allem energetisch liegt vieles im Argen, weil zum Beispiel die Leitungen völlig überdimensioniert sind.“ Grundsätzlich will die Gemeinde laut Kieweg mit dem Kurhaus „etwas Vernünftiges schaffen, wovon auch der Ort etwas hat“. Mit einigen Kaufinteressenten würden Gespräche geführt, doch konkret sei noch nichts – weder vom Gemeinderat beschlossen noch von einem Käufer unterschrieben. In intensiveren Gesprächen sei man nach den Worten der Rathaus-Chefin mit dem Homöopathen-Ehepaar Lage-Roy aus Hagen bei Murnau das hier gerne Kur- und Seminarräume, eine Art Akademie mit Bio-Restaurant, betreiben möchte. Aber auch hier sei noch nichts spruchreif.

Wolfgang Friedel ist das alles ein wenig suspekt: „Es läuft hier viel hinter verschlossenen Türen. Im Ort weiß man nichts über ein Konzept, einen Preis oder einen Zeitplan. Es geht schlicht und einfach um fehlende Information. Das wird auch im Dorf kritisiert.“ Dazu muss man wissen, dass der Hotelier Interesse hat, das Kurhaus zu kaufen. Doch bislang ist man sich hier offensichtlich mit der Gemeinde nicht einig geworden. Beide Seiten – Friedel wie Kieweg – versichern, Gesprächstermine angeboten zu haben, auf die jeweils von der Gegenseite aus nicht reagiert worden sei. Inzwischen laufe, so Friedel, der Austausch über die Anwälte.

Das Bürgerbegehren im Wortlaut:

„Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Bad Bayersoien das mit dem Kurhaus bebaute Grundstück Fl.Nr. 1281/1, Gem. Bad Bayersoien, oder Teilflächen hiervon nur im Rahmen eines öffentlichen Bieterverfahrens, in welchem die Bieter Nutzungskonzepte für die zukünftige Nutzung des Grundstücks und Kaufpreisangebote vorzulegen haben, veräußert?“

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