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Sportverein unternahm Skiausflug nach Ischgl - nun beherrscht Hetze den Ort

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Von: Ludwig Hutter

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Noch bevor Ischgl zum Risikogebiet wurde, reiste der Bayersoier Sportverein für einen Skiausflug in den Ort. Nun wird gegen die Teilnehmer im Ort via WhatsApp gehetzt.

Bad Bayersoien – Das kleine Dorf am See. Idyllisch, bayerisch, echt. In der Region bekannt als Eishockey-Hochburg mit langer Geschichte. Auch der Sportverein im Ort, der ESV, ein rühriger Klub mit intensiver Nachwuchspflege. In Soien hilft man sich, da hält man zusammen. Immer schon. Doch der Dorffriede ist gehörig aus den Fugen geraten.

Grund ist ein eintägiger Skiausflug mit 30 Vereinsmitgliedern nach Ischgl, der bereits am 7. März stattfand. Jener Ort, der in diesen Tagen in vielen Medien in Verdacht gebracht wird, für Corona-Infektionen in ganz Europa verantwortlich zu sein. Nach der Rückkehr der Skifahrer verging eine Woche, dann nahm die Situation eine dramatische Wendung: Über ein Mitglied einer anderen auswärtigen Reisegruppe, die sich ebenfalls im Bus befand, erhielten die Soier die Information, dass eine Mitfahrerin, die nicht aus Bad Bayersoien stammt, sich offenbar mit dem Virus infiziert hatte. Noch am gleichen Abend verständigte der ESV das Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen, das schließlich für sämtliche Teilnehmer eine 14-tägige häusliche Quarantäne anordnete. Auch wurde am nächsten Tag bei allen ein Test veranlasst.

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Coronavirus in GAP - „Das Ganze geht uns allmählich an die Substanz“

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich im Dorf diese Nachricht. In diversen Whats-App-Gruppen sowie in sozialen Medien gab es zum Teil massive Anschuldigungen, Anfeindungen und Beschimpfungen, warum die Gruppe in diesen gefährlichen Zeiten noch einen Skiausflug nach Ischgl unternommen habe. „Es gibt sogar Kommentare, dass wir die Seuche nach Soien eingeschleppt hätten“, sagt eine Fahrtteilnehmerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, gegenüber dem Tagblatt. Auch von Hetze ist die Rede: „Das Ganze geht bei uns allmählich an die Substanz. Ich möchte feststellen, dass bislang niemand aus unserer Gruppe gesundheitliche Beschwerden hat oder Symptome zeigt. Es hatte auch keiner Kontakte zu der Frau.“

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Die schweren Vorwürfe, leichtsinnig und verantwortungslos gehandelt zu haben, weist der Vorsitzende des ESV, Rupert Haseidl, entschieden zurück: „Wir haben uns im Vorfeld sehr wohl genau erkundigt. Ischgl war zum Zeitpunkt des Ausflugs kein Risikogebiet, das wurde es erst am 13. März. Die österreichischen Behörden haben uns versichert, dass es keinen einzigen positiv getesteten Fall gebe. Sonst wären wir doch nicht gefahren und hätten den Ausflug abgeblasen.“ Haseidl gibt zu, dass man mit dem Kenntnisstand von heute selbstverständlich anders handeln würde: „Es ist nun so, wie es ist. Wir können es nicht mehr rückgängig machen. Diese Situation ist für alle, die in Ischgl mit dabei waren, nicht einfach.“ Der ESV-Boss beteuert, nicht fahrlässig gehandelt zu haben. „Nachdem wir von Ischgl grünes Licht bekamen, haben wir entschieden, zu fahren.“ Es habe zwar einige Absagen gegeben, krankheitsbedingt, aber keine wegen Corona.

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Die anonymen Anschuldigungen im Netz bewertet Haseidl als „grenzwertig“: „Manche sollten sich überlegen, wenn sie etwas veröffentlichen, ob dies sinnvoll ist. Es tut uns doch auch allen Leid, wie sich die Sache so entwickelt hat. Das hat keiner ahnen können. Dass jetzt Einzelne symbolisch mit dem Finger auf uns deuten, macht mich sehr nachdenklich.“

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Ob sich von den Ischgl-Fahrern jemand angesteckt habe, kann der Vorsitzende zum momentanen Zeitpunkt nicht sagen, weil die Test-Ergebnisse noch nicht vorlägen. Widersprechen möchte man beim ESV auch Gerüchten, man habe nach dem Skitag in der Bar „Kitzloch“ noch gefeiert, wo ein Barkeeper positiv auf das Virus getestet worden ist. Man sei in einer anderen Bar gewesen, von der bislang kein Corona-Fall bekannt geworden sei. 

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