ein Deuerwerk über einem See
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Der Höhepunkt: das Feuerwerk über dem Soia See.

Dirigent der Musiker hat damit gerechnet

Wegen Corona keine Proben möglich: „Bad Bayersoien in Flammen“ 2021 fällt aus

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Traurig, aber wahr: Die beliebte Veranstaltung „Bad Bayersoien in Flammen“ im Sommer ist abgesagt. Ein Termin für 2022 steht aber bereits.

Bad Bayersoien – Die Geschichte ist eigentlich nicht witzig, aber Josef Felix muss doch kurz glucksen, als er sie erzählt. Die Musiker der Blaskapelle in Bad Bayersoien haben sich dann doch einmal in Vollbesetzung getroffen im Jahr 2020. Sie verteilten sich großzügig im ganzen Dorfstadl, woanders ging das gar nicht. Zwei Meter Abstand, mindestens. Gerade mit den Bläsern und den Aerosolen ist das eine gefährliche Sache, man kennt die Bilder von den Philharmonikern aus Berlin, die an einer Studie teilgenommen haben: Beim Pusten fliegen dermaßen viele Luftteilchen aus den Trichtern, sie sehen aus wie einen Bienenschwarm. Sie haben das Beste aus der Lage gemacht, sagt ihr Dirigent. Die erste Probe Ende Oktober war gleichzeitig die letzte. „Wusch, und vorbei war’s“, sagt Felix. Seit vier Monaten haben die Musikanten nicht mehr geprobt. Was in anderen Orten schon schlimm genug wäre, hat in Bayersoien noch einmal weitreichendere Konsequenzen: Das Licht- und Laune-Spektakel „Bad Bayersoien in Flammen“, für den August 2021 angesetzt, fällt aus.

Die Begründung trug Bürgermeisterin Gisela Kieweg im Gemeinderat vor: Die Musik kann nicht üben, sie braucht mindestens ein halbes Jahr Vorlauf.

Mindestabstände nicht einzuhalten

Josef Felix, der Dirigent, sieht die Lage recht pragmatisch. Mit den Großveranstaltungen war das doch abzusehen. Vor zwei Jahren kamen 2000 Zuschauer an den Soier See – und wer auf den farbenfrohen Aufnahmen genauer hinsieht, bemerkt auch, dass das mit den Mindestabständen praktisch nicht einzuhalten ist. „Man muss sich der Situation anpassen“, betont Felix.

Das Virus setzt den Künstlern hart zu, zwingt ein ganzes Metier in Dauer-Quarantäne. „Es ist bitter, aber man kann nichts machen.“ Vorigen Sommer haben sie wenigstens noch in Kleingruppen proben können, die Register unter sich. Aber der Lockdown hat vor allem das öffentliche Leben weggesperrt. Direkter Kontakt, früher der Quell des Lebens, verwandelte sich in die größte Gefahr. „Wir sind ehrlich: Wir wissen nicht, wie es sich entwickelt“, sagt die Bürgermeisterin. Die Dorfkapelle biete Musik auf „Konzert-Niveau“, lobte sie – ohne Übung geht da nichts. „Sie hätten mit den Proben starten müssen, es war höchste Eisenbahn.“

Kopieren verboten

Um diese Zeit im Jahr hätte die Kapelle die Musikstücke ausgewählt, probiert, was diesmal machbar wäre. Sie haben ja einen Grundsatz in Bayersoien für diese Gala aus Lichtkunst und Konzert, die sich der Innovationen verpflichtet: Kopieren verboten. Was beim vorigen Auftritt gespielt wurde, darf nicht noch einmal drankommen. „Man will doch jedes Jahr etwas Neues haben“, sagte Kieweg. Entsprechend haben sie schon den kleineren Gruppen, den Begleitparts, Bescheid gegeben, dass das in diesem Jahr nichts wird. Wer traut sich schon, eine teure Lasershow verbindlich zu buchen, wenn der Gemeinderat derzeit jeden Euro unter dem Mikroskop anschaut? Die Pläne, welche Höhepunkte bei der nächsten Ausgabe gen Himmel krachen, verfeinern sie nun wann anders, womöglich nächsten Winter.

Verschoben haben die Soier das Spektakel ja schon öfters, weil das Wetter selbst im Sommer kein verlässlicher Partner ist. Aber „so was ist mir im Leben noch nie passiert“, sagt Felix. Er fürchtet sich vor den Langzeitfolgen der Repressalien, die dem ganzen Vereinsleben schaden. Bestimmt dürften ein paar im Dorf nach der Pandemie sagen: „Jetzt fang’ ich auch nicht mehr an, es ist schon gemütlich daheim.“ Der Dirigent hofft bloß, dass sich die Zahl bei seiner Kapelle in Grenzen hält. Josef Felix sagt: „Wir stehen alle immer wieder auf.“ Die Hoffnung ist am Horizont schon zu erkennen. Der nächste Termin für „Bad Bayersoien in Flammen“ steht fest. Es ist der 5. August. Im Jahr 2022.

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