Das Potsch-Anwesen in Bad Bayersoien.
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Top in Schuss: Neun Wohnungen sind im Potsch-Anwesen entstanden – eine Einheit steht noch leer.

Alle anderen Einheiten sind bereits vergeben

Potsch-Haus in Bad Bayersoien: Eine Wohnung will niemand haben - jetzt reagiert die Gemeinde

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Sie ist modern, hell und groß. Doch die Gemeinde bringt eine von neun Wohnungen im Potsch-Anwesen nicht los. Jetzt wird der Quadratmeter-Preis gesenkt.

Bad Bayersoien – Auf verschiedenen Plattformen ist es inseriert. Viele Interessierte besichtigten das 120-Quadratmeter-Reich, niemand wollte es mieten. Trotz des besten Blicks im Gebäude, trotz der freigelegten Holzbalken aus dem 16. Jahrhundert, trotz der erhöhten Badewanne. Allen gefällt die moderne 3,5-Zimmer-Wohnung im ehemaligen Potsch-Haus. Alle lehnen ab. Meistens, weil ein Balkon fehlt. Bad Bayersoiens Bürgermeisterin Gisela Kieweg ist ratlos. Sie hat ein Immobilienbüro, um dem Leerstand ein Ende zu setzen. „Ich weiß nicht, was man noch mehr tun sollte.“

Für eine Summe von 2,5 Millionen Euro hat die Gemeinde im Rahmen des Kommunalen Wohnungsbaus das Anwesen runderneuert. Insgesamt neun Bleiben sind darin entstanden, acht mittlerweile bezogen. Für die Rathauschefin gibt es nur eine Möglichkeit, das Problem zu lösen. Sie schlägt im Gemeinderat vor, die Miete zu reduzieren. „Ohne Balkon will niemand den Preis zahlen.“

1000 Euro Kaltmiete unterschreiten

Neun Euro pro Quadratmeter waren bislang veranschlagt. Macht eine Kaltmiete von 1080 Euro. Kieweg hat sich im Vorfeld der Sitzung eine Meinung von dem Immobilienbüro eingeholt. Über die Antwort informiert sie das Gremium: „Die Wohnung muss unter 1000 Euro Kaltmiete sein.“ Eine magische Marke. Unterschreitet der Preis diese, geht die Wohnung leichter weg, meint Kieweg. „Das ist eine Kopfsache.“

Statt neun Euro sollen es künftig 8,20 Euro pro Quadratmeter sein, damit landet ein potenzieller Mieter hochgerechnet bei 984Euro. Abgesehen von den zuzüglichen circa 240 Euro an Nebenkosten. Die Gemeinderäte stimmen einvernehmlich zu. Auch die Zweifler.

„Geistiger Knackpunkt“

Rupert Haseidl gehört zu den Befürwortern. „Wenn wir zu teuer sind, müssen wir runtergehen“, sagt der Ortspolitiker. Prinzipiell fällt ihm der Preis angesichts der Zielgruppe immer noch zu hoch aus, aber er gehe in die richtige Richtung. Warum die Wohnung auf Biegen und Brechen vom Markt soll und nicht für den Notfall zurückgehalten wird, hinterfragt dagegen Tobias Maier kritisch.

Die Bürgermeisterin versucht, die Konsequenzen zu verdeutlichen. Die Einheit muss nicht sofort weg, betont sie. Bleibt sie aber leer, fehlen rund 12 000 Euro an Einnahmen im Gemeinde-Geldbeutel. Ob sich die Kommune bereit erklärt, darauf zu verzichten – „das ist eine Entscheidung“. Für ihren Vize Karl-Heinz Schuster gibt es keine andere Lösung, als die Wohnung möglichst schnell zu vergeben. Auch Maximilian Drexler wäre dafür, den Weg mit einer professionellen Vermarktung und mit geringerem Mietpreis einzuschlagen „Ich denke, wir müssen diesen Schritt gehen“, betont er. Und damit dem „geistigen Knackpunkt“ der 1000er-Marke ein Ende zu setzen.

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