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Der Held vom Soier See: Oberbayer rettet vier Frauen das Leben - Große Ehrung von Söder in München

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Der große Moment: Im Antiquarium der Münchner Residenz verleiht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (r.) dem Soier Otto Riedl die Christophorus-Medaille für besonders schwierige Umstände bei der Rettungstat.
Der große Moment: Im Antiquarium der Münchner Residenz verleiht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (r.) dem Soier Otto Riedl die Christophorus-Medaille für besonders schwierige Umstände bei der Rettungstat. © Jens Hartmann

Selbstlos hat er gehandelt, sich für andere in Gefahr gebracht. Otto Riedl befreite vier Frauen aus dem Soier See, die eingebrochen waren. Nun bekam er von Söder die Christophorus-Medaille.

Bad Bayersoien – Eine Eisschicht auf dem Soier See. Klarer Himmel, Sonnenschein. Otto Riedl zeigt ein Foto auf seinem Smartphone. Es entstand am 16. Januar 2020. Einen Tag später rettete er vier Frauen in dieser Idylle. Sie waren beim Schlittschuhlaufen eingebrochen. Für seinen Einsatz wurde der Bad Bayersoier nun in der Münchner Residenz von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet.

Frauen brechen beim Schlittschuhlaufen ein - Einheimischer rettet sie

Vor wenigen Tagen steht er am Ufer des Sees und denkt an den Unfall zurück – gemeinsam mit Resi Grüning, eine der Frauen. Sie kennt den See, wuchs an ihm auf. Grüning blickt auf das benebelte Wasser. Erinnert sie sich an den Tag, so erinnert sie sich keineswegs an schlechte Bedingungen. „Das Eis war gut“, sagt die 78-Jährige. Ein paar Burschen hatten sie das auch kurz zuvor vom Ufer aus noch gefragt.

Soier See: Frauen schreien laut um Hilfe - Otto Ried rutschte mit Leiter zu ihnen

Otto Riedl war an diesem Tag, dem 17. Januar 2020, ebenfalls in Schlittschuhen unterwegs gewesen. „Ganz hinten auf dem See“, während sich ihr Grüppchen dem Bootshaus am Überlauf genähert hat, erzählt die Einheimische. Dort unterspült Wasser Gefrorenes immerzu. „Auwei, da schaut das Eis nimmer gut aus“, habe sie beim Heranfahren noch bemerkt.

Zu spät. Die Frauen brachen nacheinander ein. Grüning wollte helfen, doch ereilte sie dasselbe Schicksal. Im eisigen Wasser versuchte das Quartett, nach umliegendem Eis zu greifen, sich darauf zu stützen. Doch brach dieses immer wieder weg, berichtet die 78-Jährige. Die vier Frauen schrien laut um Hilfe – im Wissen, dass Riedl auf der anderen Seite herumkurvt.

Unweit der Unfallstelle am Soier See erinnern sich Otto Riedl und Resi Grüning an den 17. Januar 2020 zurück.
Unweit der Unfallstelle am Soier See erinnern sich Otto Riedl und Resi Grüning an den 17. Januar 2020 zurück. © Reindl

Der 76-Jährige aber trug einen Helm. Der dämmte die Rufe. Riedl wurde trotzdem aufmerksam. Er fuhr gen Ufer. „Ich habe gewusst, dass da eine Leiter ist“, sagt er. „Die lag unten am Häusl.“ Doch sie war schwer, aus Eiche, die Sprossen aus Aluminium, damit sie schwimmt. Der Bad Bayersoier bat ein paar Burschen, ihm die Leiter aufs Eis zu reichen. Mit dieser rutschte er zu den Frauen. „Er hat sich richtig in das Eis reingestemmt“, erinnert sich Grüning an die Szene. „Ich war völlig unter Strom“, sagt der Ersthelfer.

Otto Riedl aus Bad Bayersoien: Der älteste unter 50 bayerischen Helden

Alle gelangten nass und etwas unterkühlt vor dem Eintreffen von Feuerwehr, Ambulanz und Hubschrauber ans Ufer. Grüning hat nicht gefroren, sagt sie heute. Wegen ihrer warmen Kleidung. In erster Linie wollte sie ihre Schlittschuhe gegen feste Sohlen tauschen. In Socken ging sie am Ufer entlang zu der Stelle auf dem Eis, an der sie ihr Tretwerk abgestellt hatte. Dann eilte sie nach Hause unter die warme Dusche. Im Grunde weiß man, dass man der Überlaufstelle fernbleiben sollte, räumt die 78-Jährige ein. Das beherzigt sie künftig, wenn sie aufs Eis geht.

Riedl spaziert zu seinem Wagen, den er unweit des Soier Sees geparkt hat. Er holt eine Urkunde heraus, klappt eine blaue Schatulle auf. Silber glänzt darin die Christophorus-Medaille und eine Anstecknadel. „Dass man diese Ehrung erhält, ist nicht selbstverständlich“, sagt der 76-Jährige – der Älteste unter den insgesamt 50 bayerischen Helden in der Not.

Er lächelt. Den Impuls zu dieser Auszeichnung gaben die vier Frauen. „Wir müssen das machen“, dachten sie sich, erzählt Grüning. Sie schlugen Otto Riedl vor. Schließlich sei er ein Lebensretter. Eine Bezeichnung, die dem 76-Jährigen vielleicht schmeichelt, doch ist er niemand, sagt die Soierin, „der das an die große Glocke hängt“. Dafür sorgten schließlich die Geretteten – aus Dankbarkeit, die von Herzen kommt.

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