der Kindergarten Bad Bayersoien
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52 Buben und Mädchen besuchen derzeit den Kindergarten in Bad Bayersoien.

Kritik von Gemeinderäten

„Dürfen uns nicht hinter den Kosten verstecken“: Kindergarten öffnet länger - Krippe bleibt frommer Wunsch

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Es war ein heikles Thema: Intensiv diskutierte der Gemeinderat von Bad Bayersoien die Wünsche von zahlreichen Eltern. Nicht alle wurden erfüllt.

Bad Bayersoien – Ein bisschen war das wie bei Anne Will im Ersten nach einem Wahlabend. Im Anschluss an die Bad Bayersoier Gemeinderatssitzung rekapitulierten und analysierten die Zuschauerinnen draußen reihum, was denn drinnen im Dorfstadl gerade passiert war. Man blickte in Gesichter von jungen Frauen, und mal blickte einem Erleichterung, mal Verwunderung zurück.

Das Gremium hatte gerade mit einer soliden Mehrheit (8:4) das Betreuungsangebot für Kinder erweitert, die Öffnungszeiten des Kindergartens St. Georg auf 15 Uhr verlängert. Sie gelten ab September und kosten der Gemeinde einige Euro, von etwa 50 000 Euro mehr pro Jahr war die Rede. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Für die Frauen, die sich mit ihren Männern zu einer Interessengemeinschaft von 26 Bürgern zusammengeschlossen hatten, war der Abend ein Teilerfolg. Über die Krippe, die die Eltern ebenso gefordert hatten, stimmte der Gemeinderat aber nicht ab. Sie bleibt vorerst ein frommer Wunsch.

An dieser Stelle sei Bürgermeisterin Gisela Kieweg (FBB) erwähnt. Sie fehlte in der Sitzung. „Wegen Krankheit verhindert“, informierte ihr Stellvertreter Karl-Heinz Schuster (FBB) gleich am Anfang. Die Bürgermeisterin konnte einem leid tun, ausgerechnet bei diesem wichtigen wie heiklen Thema hatte es sie gesundheitlich erwischt. Andererseits ersparte sie sich die Kritik der Gegenseite, die vor allem drei Punkte störte.

Da wäre einmal die Bedarfsabfrage der Gemeinde, quasi eine Umfrage unter Eltern. 35 Bögen erreichten das Rathaus. Kurios war bloß, dass sich die Ergebnisse von den Wünschen der Interessengemeinschaft unterschieden – vor allem in puncto Öffnungszeiten. Elf Elternpaare der Bürger-Gruppe (von 13) wünschten sich ein Betreuungsangebot bis 15 Uhr oder darüber hinaus. In der gemeindlichen Umfrage gaben nur acht (von 35) einen ähnlichen Bedarf an.

Eltern schreiben Brief an Bürgermeisterin

Zweitens bemängelten mehrere Räte fehlende Zahlen für eine Kalkulation, wie das eigentlich im Finanzausschuss besprochen worden war. Statt mehreren Modellen servierte man ihnen nur eines: 50 000 Euro Mehrkosten im Jahr, die sich offenbar lediglich auf eine verlängerte Öffnungszeit bis 15 Uhr bezog, nicht aber Faktoren wie Personalschlüssel (wie viele Kinder betreut eine Erzieherin) oder erhöhte Gebühren berücksichtigte. Diese Mittel zur Skalierung führte Kieweg in ihrer Präsentation zwar auf, nicht aber ihre Auswirkungen auf die Kosten.

Zuletzt bekrittelten einige Räte den Zeitplan. Änderungen visierte Kieweg in ihrer Präsentation erst für das Kindergartenjahr 2022/23 an. Nicht wie zuletzt stets diskutiert für das anstehende Jahr. Das verstanden selbst die Vertreter ihrer eigenen Liste nicht. „Es ist kein Problem, die Planung für September zu machen“, befand etwa Andreas Baar (FBB). Bei der Interessengemeinschaft verdeutlichte sich der Eindruck, die Bürgermeisterin wolle das Thema aussitzen.

Glaubt man den Eltern, ist die Lage sehr ernst. Bereits am 26. Januar hatten sich 26 Mütter und Väter in einem Brief an die Rathauschefin gewandt, da die Bedarfsabfrage nicht alle relevanten Familien erreicht hatte. In dem Schreiben skizzierten sie eine unbefriedigende Situation: Kinder, die in Krippen in der Umgebung ausweichen müssen, weil es vor Ort keine gibt. Zu kurze Öffnungszeiten, die zu Problemen für berufstätige Eltern führen. Diese Unsicherheit – für sie zermürbend, verbunden mit dem Wunsch, dass die jüngsten Bewohner doch in ihrem Heimatort betreut werden. Sie fordern eine Krippe, längere Öffnung und eine warme Mahlzeit nach Mittag.

Räte zerpflücken Kosten-Argument

Immerhin die letzten beiden Punkte verwirklicht Bad Bayersoien nun. Als Anwälte der Kinder traten vor allem Marina Thurner, Rupert Haseidl (beide GUD) sowie Michael Ruhland (FBB) auf, der auch noch als betroffener Vater den Brief mit unterschrieben hatte. Das Kosten-Argument zerpflückten sie mit moralischen Werkzeugen. „Die Kinder sind unsere Zukunft“, sagte Andreas Saal (GUD). „Kurioserweise können es sich andere Kommunen leisten. Wir dürfen uns nicht hinter den Kosten verstecken – die Kinder sollten es uns schon wert sein“, ergänzte Haseidl. Etwa 17 000 Euro – die Extra-Kosten von September bis Dezember – stellte der Gemeinderat direkt in den Haushalt ein. Das Gremium habe nun ein Jahr Zeit, um konsequent eine Finanzierung zu erarbeiten, merkte Maximilian Drexler (GUD) mit Blick auf den Haushalt 2022 an.

Für die Gegenposition sprach Andreas Baar, der nicht nur auf die äußerst angespannte monetäre Lage, sondern auch auf das bestehende Angebot (bis 13.30 Uhr) verwies. Die gemeindliche Abfrage habe gezeigt, dass der Ist-Zustand ausreicht. Seinem Standpunkt folgten die FBB-Kollegen Kathrin Schäfer, Peter Weingand und Karl-Heinz Schuster. Für die Mehrheit reichte das nicht.

Ganz am Ende des Abends tauchte sogar die Krippe noch einmal auf. Marina Thurner ließ sie wieder auf die Projektliste für den Zeitraum zwischen 2022 und 2024 schreiben. Komischerweise war sie von einem Jahr auf das andere aus der Aufzählung verschwunden.

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