Braucht bald eine neue Heizung: der Dorfstadl in Bad Bayersoien.
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Braucht bald eine neue Heizung: der Dorfstadl in Bad Bayersoien.

Fokus richtet sich auf Dorfstadl und Bauhof

„Abenteuerliche“ Heizanlagen in gemeindlichen Gebäuden: Jetzt geht Bayersoien den ersten Schritt

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Gut sieht anders aus. Die Heizanlagen in so manchem kommunalen Gebäude Bad Bayersoiens sind in die Jahre gekommen. Nun wird geplant, die Wärmeversorgung zu verbessern.

Bad Bayersoien – Über die Heizanlage im Bayersoier Dorfstadl ließen sich einige unschöne Dinge sagen. Andreas Scharli etwa vergleicht sie mit „dem letzten Hemd“. Viel freundlicher behandelt er die Anlage im benachbarten Bauhof auch nicht, nennt sie „abenteuerlich“. Da sämtliche Bürgervertreter mit ihren Blicken nur Zustimmung suggerierten, war auch den Zuhörern klar: In Sachen Wärmeversorgung muss sich in den kommunalen Häusern was tun. Vielleicht nicht sofort, weil dafür andere Dinge erst geklärt gehören. Aber doch bald. Die Öfen, erklärte Bürgermeisterin Gisela Kieweg (FBB), sind in die Jahre gekommen. Zeit, sich Gedanken zu machen, wie die Gebäude denn künftig beheizt werden sollen.

Für erste Ideen hat sich die Rathauschefin Scharli ins Dorf geholt. Er war früher Heizungsbauer und berät nun seit elf Jahren die Energiewende Oberland, eine Bürgerstiftung, die vier Landkreise, 92 Kommunen und geschätzt 440 000 Bürgern auf ihrem Weg zu erneuerbaren Energien begleitet. Bis 2035 hat sich die Gemeinschaft vorgenommen, das südliche Oberland von fossilen Brennstoffen abzukappen. Wobei sie schon auch wissen, wie schwierig diese Unterfangen ist, wenn man wirklich alle drei Bereiche – Mobilität, Strom, Wärme – künftig mit nachwachsenden oder nachhaltigen Rohstoffen bespielen möchte. In Valley bei Holzkirchen, erzählte Scharli, hat er kürzlich beim Aufbau eines Nahwärmenetzes geholfen, an dem ein Schloss, ein Kindergarten und 13 Haushalte angeschlossen waren. Mit diesem indirekten Hinweis, was alles möglich ist, begann sein Vortrag.

Zwei Szenarien skizziert

Der Fachmann hatte sich die drei gemeindlichen Bauwerke, Dorfstadl, Bauhof und Feuerwehrhaus, angeschaut und zwei Szenarien skizziert: Im ersten Fall würden die Bayersoier lediglich die bestehenden Anlagen einzeln erneuern, die derzeit mit Flüssiggas und Erdöl laufen. Zusammen verbrauchen sie etwa 84 Megawattstunden jährlich. Die zweite Lösung wäre eine zentrale Energiequelle, die die drei öffentlichen Häuser und womöglich auch Nachbarn anzapfen. Scharli brachte eine Hackschnitzel-Heizung ins Spiel und warf dazu ein Diagramm mit den Preisen der Rohstoffe auf die Leinwand. Während die Kurven für Gas, Öl und Pellets munter auf und ab hüpfen, verläuft die Linie, die den Hackschnitzel-Preis abbildet, auf konstant niedrigem Niveau geradeaus. So lange der Umbau vom Fichten- zum Mischwald noch andauert, „wird das so bleiben“, glaub Scharli. Zusätzlich dürfte in den nächsten Jahren die CO2-Steuer für fossile Energieträger beträchtlich steigen.

Die Lebensdauer einer Hackschnitzelanlage schätzt er auf 30 bis 40 Jahre. Preislich unterscheiden sich beide Varianten kaum. 70 000 Euro rechnet Scharli für die Einzel-Umrüstung, 110 000 Euro für die Gesamtlösung, wobei er etwa 35 000 Euro Fördergeld in Aussicht stellt. Angemerkt gehört, dass er für diese ersten Summen einen hohen Anteil an Eigenleistung mit eingerechnet und einen externen Planer ausgespart hat. „Ein Heizungsbauer mit Hirn kriegt das hin.“

Es ist noch ein weiter Weg, aber mit irgendwas muss man anfangen.

Bürgermeisterin Gisela Kieweg

Sämtliche Gemeinderäte, die sich meldeten, hielten die zentrale Anlage für die bessere Alternative, wiesen aber auf eine Reihe an ungeklärten Fragen hin. Maximilian Drexler (GUD) erinnerte an den Veranstaltungssaal, den beide Listen realisieren wollen und den man, mit Blick auf die Heizung, als erstes angehen sollte. Andreas Baar (FBB) erkundigte sich, ob es einen Neubau brauche oder man die Anlage im Bestand unterbringt, was möglich ist – wenn auch mit größerem Aufwand. Rupert Haseidl (GUD) möchte „auf jeden Fall die Privaten miteinbeziehen“. Für diesen Fall, merkte der Experte an, wäre der Verwaltungsaufwand beim Bau „eine ganz schöne Nummer“, die aber zu stemmen ist – siehe Valley. Tobias Maier (GUD) brachte zuletzt das Feuerwehrhaus ins Spiel, das neu gestaltet wird. Dort könne man womöglich die Hackschnitzel lagern. Trotz der konkreten Anfragen stellte Kieweg klar: Scharlis Vortrag sollte nur ein erster Anstoß sein. „Es ist noch ein weiter Weg, aber mit irgendwas muss man anfangen.“

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