MAN, Mercedes oder Scania – von welchem Hersteller das neue Fahrzeug ist, war der Feuerwehr nach Aussage des Zweiten Kommandanten „komplett wurscht“. Im Gemeinderat wurde unterschwellig etwas anderes behauptet. grafik: am
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MAN, Mercedes oder Scania – von welchem Hersteller das neue Fahrzeug ist, war der Feuerwehr nach Aussage des Zweiten Kommandanten „komplett wurscht“. Im Gemeinderat wurde unterschwellig etwas anderes behauptet. grafik: am

Unterschwellige Unterstellung: Modellwunsch bewusst lanciert

„Ein bisschen unglücklich“: Nur ein Angebot für neues Fahrzeug geht ein - Geschickter Schachzug der Feuerwehr?

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Die Feuerwehr Bad Bayersoien benötigt einen neuen Gerätewagen. Der Gemeinderat hat das neue Fahrzeug grundsätzlich bereit bewilligt. Doch jetzt gibt es Ungereimtheiten.

Bad Bayersoien – Benjamin Schuster hatte sich die Uniform angezogen, Ehrenzeichen, Mütze, Krawatte, die volle Montur. Als Stellvertretender Kommandant, so erklärt er’s, trägt er den Status des Amtsträgers. Die Gemeinde ernennt ihn. Im Gegenzug, so ist’s vorgesehen, soll er unterstützen, wenn sein Rat gefragt ist. Diese Aufgabe hätte Schuster gerne wahrgenommen. Doch der Gemeinderat ließ den Gesandten der Feuerwehr Bad Bayersoien nicht reden. Schuster fand: „Eine bodenlose Frechheit.“

Worum es ging? Zuvorderst um viel Geld, um eine kalkulierte Summe von derzeit 330 000 Euro. So viel kostet der neue Gerätewagen Logistik 2, bekannt unter dem Akronym GW-L2. Vor neun Monaten hat das Ortsparlament für die Anschaffung gestimmt. Nun liegen die Offerten für sämtliche Bausteine vor. Die Räte sollten ihr Okay für den Kauf des ersten Teils, des Fahrgestells, geben. Sie haben das nicht getan, sie vertagten stattdessen den Punkt mit einer Mehrheit von 6:2 Stimmen. Bereits am Dienstag (23. März) steht das nächste Treffen an. Diesmal dürfen und sollen die Verantwortlichen der Feuerwehr sprechen. Sie sollen erklären, was die meisten Räte quälte: Wie kann es sein, dass für ein großräumig ausgeschriebenes Fahrzeug nur ein einziges Angebot – vom Hersteller MAN über 110 789 Euro – eintrifft?

 Man hätte sicher auch anders bewerten können.

Peter Weingand

„Ein bisschen unglücklich“, fand das Andreas Baar (FBB). Michael Ruhland (GUD) verlangte nach Vergleichszahlen, bekam aber keine geliefert. Rupert Haseidl (GUD) wusste gleich gar nicht mehr, wie er denn nun abstimmen sollte. Einerseits wolle er die Wehr unterstützen, andererseits sah er bei der Gemeinde die Verpflichtung, möglichst günstig einzukaufen. Gerade in einer Lage wie dieser, in der zwei Wochen vorher noch die Klagelieder über den kritischen Corona-Haushalt den Dorfstadl eingenommen hatten. „Ich kann nicht guten Gewissens zustimmen“, betonte Haseidl. Franz Speiser (FBB) ging’s genauso. „Ich hab’ da ein Problem“, räumte er ein. Marina Thurner (GUD) fragte schließlich bei Peter Weingand nach, was der vom Angebot halte, wo Weingand als Spezialist doch seit Ewigkeiten bei Auto Resch in Peiting arbeitet.

Weingand wählte nur wenige Worte. Er erkannte den Wunsch der Feuerwehr nach einem MAN-Wagen. „So hat man das Punktesystem aufgebaut. Man hätte sicher auch anders bewerten können“, meinte er. Was implizit nichts anderes hieß, als dass sich die Soier Feuerretter im Vorfeld auf ein Modell geeinigt und ihren Wunsch geschickt lanciert hatten. Damit war der Punkt erreicht, an dem Vize-Kommandant Schuster einschreiten wollte, aber nicht durfte. Im Tagblatt-Gespräch stellt Schuster klar: So lief’s definitiv nicht ab. Das beauftragte Büro Bischel in Weilheim habe „komplett neutral und herstellerunabhängig ausgeschrieben“. Auf das Punktesystem der Experten „hat von uns keiner eine Hand drauf gehabt“, betont Schuster. Ihm und den Kollegen „war es komplett wurscht, ob ich Hersteller A, B oder C nehme“.

Gesamtpreis steigt um 50.000 Euro

Die neuen Lastwagen unterscheiden sich heutzutage kaum mehr. Drei Firmen, erklärt Schuster, teilen sich den Großteil des Marktes. Eine fiel deswegen schon weg, weil die Leermasse des Gestells zu schwer ist. Der zweite Anbieter – dem Vernehmen nach Mercedes – zog sein Angebot nach Rücksprache mit dem Büro zurück, weil er diverse Positionen (wie elektrische Außenspiegel) extra berechnen hätte müssen.

Das ganze Führungsteam zeige sich überrascht, dass der GW-L2 „so teuer wird. Auch wir mussten schlucken“, beteuert der Vize-Chef, wobei er die 110 000 Euro für das Gestell als „reell und marktüblich“ einschätzt. Im Vergleich zu früheren Kalkulationen (280 000 Euro) stieg der Gesamtpreis mittlerweile um 50 000 Euro. „Uns ist bewusst, dass das für die Kommune nicht leicht ist.“ Im gleichen Zug verwies Schuster auch auf das zögerliche Vorgehen in den vergangenen Jahre. „Wenn man über Jahre nichts investiert, kommen die Probleme.“

Die Gretchenfrage, ob ein kleines Örtchen wie Bad Bayersoien wirklich so einen großen Lastwagen benötigt, der äußerst selten bedient wird, hatten die Feuerwehrler voriges Jahr ausführlich im Geräteausschuss diskutiert. 420 Stunden, diese Zahl liefert Schuster, wendeten sie dafür auf. Am Ende ihrer Bewertungsrunde stand fest, so teuer und schmerzhaft die Investition, so nötig ist sie. Ein anderer Wagen hilft nicht weiter. Für Schuster steht fest: Mit dem Votum ging wieder wertvolle Zeit verloren, vor allem, weil die Vergabe der übrigen Positionen (Aufbau, Beladung und Rollcontainer) ebenfalls aufgeschoben wurde. Auch die Zuhörer diskutierten nach der Sitzung vor Türe munter weiter.

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