Marina Thurner
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Will einen Denkanstoß geben: Marina Thurner.

Außenfeld-Bewohner sollen selbst entscheiden

Hausnummern konfus angeordnet: Doch Gemeinde lehnt Reform ab

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Marina Thurner stößt der Hausnummern-Salat in Bad Bayersoiens Ortsteilen sauer auf. Sie regte an, diese neu und logisch anzuordnen. Schon allein, um den Rettungsfahrzeugen die Suche nach einer Adresse zu erleichtern.

Bad Bayersoien – Marina Thurner hat sich die Mühe gemacht, fertigte mehrere Grafiken an. Ein wildes Zickzack an Linien ist entstanden – als ob ein Kleinkind mit einem Stift wild auf einem Papier herumgekritzelt hätte. Doch genau dieses Striche-Chaos deutet auf plakative Weise auf das Problem hin, auf das die Gemeinderätin (GUD) aufmerksam machen möchte: die konfuse Formation der Hausnummern im Außenfeld von Bad Bayersoien.

Nach der Reihe hat Thurner die Zahlen miteinander verbunden. Statt klaren Strukturen offenbarte sich das Wirrwarr in den Ortsteilen Lettigenbichl, Sommerhof, Echelsbach und Gschwendt. „Die Anordnung ist nicht nachvollziehbar“, sagt sie. Die Ortspolitikerin glaubt, dass sich bestimmt schon viele Bewohner geärgert haben, wenn Pakete deshalb woanders abgestellt worden sind und zu spät beim richtigen Adressaten landeten. Oder wenn der Pizzabote im Durcheinander das richtige Gebäude nicht findet. Als viel heikler aber erachtet sie, wenn Rettungsfahrzeuge lange suchen müssen, weil nicht immer jemand an der Straße stehen kann, um sie zum Einsatzort zu lotsen. Deshalb reichte Thurner bei der Gemeinde einen Antrag ein, diese Situation zu verbessern und das Ganze logisch aufzubauen. Sie fällt durch – mit 1:9 Stimmen. Endgültig vom Tisch ist das Thema aber womöglich noch nicht.

 Bei mir steht oft jemand, der jemanden sucht.

Marina Thurner

Gisela Kieweg (FBB) weiß um den Zahlen-Salat. Er ist historisch bedingt. „Früher wurden die Nummern nach dem Bau der Häuser vergeben“, verdeutlicht Soiens Bürgermeisterin in der Sitzung. Sogar die Ergänzung ein Drittel existiert. Im Vorfeld der Sitzung hatte die Rathauschefin deshalb den Selbstversuch gestartet und sich hinters Steuer ihres Autos geklemmt. „Ich hab’ die irrsten Nummern eingeben.“ Sie folgte der Route ihres Navigationsgerätes – einmal des im Pkw, einmal des im Handy integrierten. „Das hat zu meiner eigenen Überraschung gut geklappt“, bilanziert Kieweg und geht davon aus, dass auch die Rettungswagen mit vernünftigen Navis ausgestattet sind. Ein Argument, das für Thurner aber nicht zählt. Aus eigener Erfahrung. „Bei mir steht oft jemand, der jemanden sucht.“

Hoher Aufwand für Rathausverwaltung

Der GUD-Vertreterin geht es nicht darum, den Antrag durchzupeitschen. Sie will vielmehr einen Denkanstoß geben. Ihr ist bewusst, dass eine Reform die Gemeinde-Verwaltung stark beanspruchen würde. Kieweg formuliert es anders: Es würde sie „belasten“. Aber nicht nur für das Rathausteam, sondern auch für die Betroffenen selbst – das sind 17 Bürger in Lettigenbichl, 12 in Sommerhof, 72 in Echelsbach und 89 in Geschwendt – entstünde ein ordentlicher Aufwand. Ausweis, Pkw-Zulassungspapiere, Lohnabrechnungen, Versicherungen, Abonnements, Krankenkassenkarte, Briefköpfe und Stempel von Firmen – all diese Dinge sind zu ändern, auf eine neue Anschrift anzupassen. Eine zeitraubende und zum Teil mit Kosten verbundene Angelegenheit. Ein weiterer Punkt: „Mit den Hausnummern alleine wäre es nicht getan, man müsste auch an die Straßennamen rangehen.“ Für Kieweg stellt sich deshalb die Frage: „Ist es uns das wert?“

Befragung der Betroffenen

Thurners Anliegen können die Räte nachvollziehen. Stufen es auch als sinnvoll ein, gerade mit Blick auf Sanitäter und Notärzte. Doch sollten die Außenfeld-Bewohner selber entscheiden, ob sie eine Neuanordnung wünschen, meint Rupert Haseidl (GUD). Er bringt deshalb einen Arbeitskreis, bestehend aus den Betroffenen, ins Spiel, die einen Vorschlag erarbeiten sollen. „Wenn sie das wollen, wissen sie, worauf sie sich einlassen.“ Kathrin Schäfer (FBB) denkt an einen Posteinwurf, um Feedback zu sammeln. Eine Befragung hält auch Tobias Maier (GUD) für eine gute Option. „Wenn sie es selbst nicht wollen, warum sollen wir uns den Schuh anziehen?“

Mit dieser Vorgehensweise kann sich Kieweg anfreunden. „Ich bin nicht abgeneigt“, sagt die Bürgermeisterin. Doch weist sie darauf hin, dass eine Abstimmung darüber in der Sitzung nicht möglich sei. Der Inhalt des Antrags gibt das nicht her. „Wir bräuchten einen neuen.“ Einen, der konkret auf eine Befragung zielt. Ob dieser kommt, bleibt abzuwarten.

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