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Plan B: Nach dem gescheiterten „Breiten“-Vorhaben kauft die Gemeinde das Anwesen an der Dorfstraße, um dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Bürgermeisterin will Umbau 2018 über die Bühne bringen

Kommunaler Wohnungsbau in Bad Bayersoien: Zweiter Anlauf geglückt

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Die Alternative ist gefunden: Die Gemeinde Bad Bayersoien möchte ein Haus an der Dorfstraße kaufen, um dort kommunalen Wohnungsbau zu realisieren. Den ersten Standort lehnte das Gros der Gemeinderäte damals ab.

Bad Bayersoien – Die Gemeinde Bad Bayersoien steigt doch in den kommunalen Wohnungsbau ein: Sie erwirbt ein Wohn- und Geschäftshaus an der Dorfstraße. Der Kaufpreis: 550 000 Euro plus Notarkosten. Darin sollen nach ersten Planungen fünf bis sechs Wohneinheiten für Bedürftige entstehen. Nachdem der Versuch, ein gemeindliches Sozialprojekt im neuen Baugebiet „Breiten“ umzusetzen unlängst im Gemeinderat krachend gescheitert war, ging das jetzige Vorhaben ohne Probleme durch. Jetzt will Bürgermeisterin Gisela Kieweg schnell die Ausschreibung starten und 2018 den Umbau über die Bühne bringen.

Bei dem Anwesen an der Dorfstraße 31 handelt es sich um ein markantes Gebäude: 15 Jahre lang hatte dort die Saulgruber Familie Zormeier ihren Dorfladen betrieben, im Januar 2016 schloss sie die Türen. Seitdem stand die Gewerbefläche im Erdgeschoss leer. Der Rest des Hauses blieb bis vor kurzem bewohnt. Kieweg hatte das Objekt auf dem Radar. Das musste sie auch, nachdem ihr „Breiten“-Plan gescheitert war. Für die Gemeinde sei es „absolut eine Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, machte sie in der jetzigen Sitzung deutlich.

Die Immobilie besitzt laut Exposée der Sparkasse eine Gesamtwohnfläche von zirka 293 Quadratmetern, dazu kommen etwa 245 Quadratmeter Gewerbefläche. Das Grundstück misst knapp über 920 Quadratmeter. Den Zustand des Massivbaus beschreibt die Bank als gepflegt. Für Kieweg ist die Investition nicht nur sinnvoll, sondern auch finanzierbar. Denn: Bayersoien rutscht in ein Förderprogramm für den kommunalen Wohnungsbau, erklärte sie. Die Regierung von Oberbayern habe bereits das Okay für eine 30-prozentige Förderung gegeben. „Die würden das absolut unterstützen.“ Auch könne die Gemeinde vorzeitig mit der Baumaßnahme beginnen.

Insgesamt kommen nach erster Rechnung der Bürgermeisterin auf die Kommune Gesamtkosten von rund 1,15 Millionen Euro zu – neben dem Kaufpreis noch die Investitionen in den nötigen Umbau des Gebäudes. Bei einer Förderung von 345 000 Euro und einem zinsgünstigen Darlehen von 690 000 Euro müsse die Gemeinde 115 000 Euro an Eigenmitteln aufwenden. An Einnahmen kalkuliert Kieweg mit rund 41 000 Euro jährlich, bei einem Mietpreis von 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Dem Vernehmen nach hatte die Bürgermeisterin zuvor hinter verschlossener Tür vehement um das Vorhaben ringen müssen. In der öffentlichen Sitzung gab es dagegen keine Gegenstimmen zu hören. „Der soziale Wohnungsbau ist absolut notwendig“, sagte Rupert Haseidl. Karl-Heinz Schuster, der schon das „Breiten“-Aus kritisiert hatte, sprach sich ebenfalls für das Sozialprojekt aus: Gerade im Seniorenbereich bestehe oft Armutsgefahr, die Kommune sei verpflichtet, etwas zu tun. Eines machte Schuster jedoch klar: Eine Vermittlerprovision wird beim Kauf nicht gezahlt – was im Beschluss auch so festgehalten wurde. Georg Haseidl sah zudem junge Familien als Zielgruppe: „So haben wir eine Chance, dass sie im Dorf bleiben.“ Das Projekt befürwortete ebenfalls Tobias Maier, er schränkte jedoch die Belegung ein: „Wir sollten schon auf die Soier schauen.“

Ein Aspekt, der die Gemeinde vor keine Probleme stellt. Auf die Wohnungsvergabe habe Kieweg zufolge die Kommune die Hand drauf, später soll sich eine Hausverwaltung um alles kümmern. Am Ende stimmten die Räte fast einmütig dem Kauf zu, lediglich Reiner Frühschütz-Grüning votierte dagegen.

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