Mit den seltenen Fotos wollen das Museumsteam und die Bürgermeisterin – (v.l.) Franz Maier, Roland Richter, Gisela Kieweg, Stani Barta und Karl-Heinz Stoll, punkten

Bilder aus „Stern“-Reportage zu sehen

Landesausstellung: Bayersoien bringt sich mit besonderem Beitrag ein

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Eine Zeitreise in die Vergangenheit: Darauf dürfen sich die Besucher während der Landesausstellung in Bad Bayersoien freuen. Das „Museum im Bierlinghaus“ zeigt 2018 seltene Fotos von der einstigen Forstarbeit in Unternogg.

Bad Bayersoien – Die Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ von Mai bis November 2018 im Kloster Ettal soll die Massen anziehen. Bis zu 200 000 Besucher werden erhofft. Davon wollen sich die Bad Bayersoier ein großes Stück des Kuchens abschneiden – und stellen im Rahmenprogramm eigens eine Begleitveranstaltung im „Museum im Bierlinghaus“ auf die Beine: Seltene und beeindruckende Aufnahmen aus dem bäuerlichen Leben sollen die Besucher zu sehen bekommen. „Ins Holz fahren mit Schlitten und Roß“ ist die Schau überschrieben.

Beeindruckende Schwarz-Weiß-Motive der harten Arbeit von Mensch und Tier warten auf die Besucher.

Gezeigt werden Motive des bekannten Hamburger Fotografen Hanns-Jörg Anders. Dieser hatte im Winter 1977/78 drei Bauern aus Altenau auf ihre Hütte am Lauskopf im Ammergebirge begleitet. Der Journalist lichtete für eine Stern-Reportage die Männer bei ihrer harten Arbeit ab. Es wurde ein Stück Zeitgeschichte, denn seit jenem Winter gibt es die traditionellen Holztransporte nicht mehr. Zu sehen ist die Schau, wenn machbar täglich, vom 10. Mai bis 4. November. Dazu stellt das Soier Museum Original-Geräte der Forstarbeit aus.

Im Gemeinderat präsentierten die Macher um Museumsleiter Franz Maier voller Stolz ihr Konzept. Eigentlich hatten die Ehrenamtlichen nur an eine kleine Landwirtschafts-Ausstellung gedacht, doch dann kam die Landesschau in Ettal und alles wurde eine Spur größer. „Das hat sich natürlich angeboten“, erklärte Mitarbeiter Karl-Heinz Stoll – der übrigens die damals entstandenen Anders-Fotos gut kannte, hatte er doch selbst auf einem der dortigen Höfe gewohnt. Bürgermeisterin Gisela Kieweg war eigens nach Hamburg zum Fotografen gereist. Sie brachte sein Okay und die Filmnegative mit ins Ammertal. Denn die wertvollen Streifen durften nicht verschickt werden, wie die Rathauschefin berichtete. 44 Filme lagern nun in Bayersoien.

„Das sind 1500 bis 1600 Fotos“, sagte Roland Richter. Der im Dorf lebende Reise- und Naturfotograf kümmert sich um Auswahl und Bildbearbeitung. Er ist begeistert von dem Paket. „Wir haben nicht gedacht, dass wir solche Fotos bekommen.“ Der Fachmann schwärmt regelrecht: „Die sind aus fotografischer Sicht sensationell.“ Dank der Negativstreifen sei sogar eine großformatige Ausstellung möglich, bekamen Gemeinderäte und Besucher in der Sitzung zu hören.

Wenn das liebe Geld nicht wäre...

Präsentiert werden die sehr stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Bilder in der Tenne und in zwei Museumräumen. „Wir beladen einen Schlitten so wie er damals gefahren worden ist“, ergänzt Leiter Maier. Und auch der Garten hinter dem Bierlinghaus, das die Gemeinde erst im vergangenen Jahr von der Bierling-Stiftung erworben hatte, wird einbezogen. Das Areal hat das Team bereits hergerichtet, entlang der Wege will es circa 40 Holztafeln mit großen Anders-Fotos aufstellen. Laut Maier kann die Open-Air-Aktion dann ganzjährig über die Landesausstellung hinaus besichtigt werden. Der Museumschef findet die Idee perfekt: „Wir bleiben mitten im Dorf.“

Doch bei all’ den schönen Plänen wäre da noch das liebe Geld. Nach derzeitigem Stand wird mit rund 25 000 Euro an Kosten geschätzt, wie Bürgermeisterin Kieweg auf Nachfrage vorrechnet. Zwar hofft sie auf Zuschüsse, doch es braucht auch Sponsoren. Die Idee: Interessenten können sich für eine Foto-Holztafel einkaufen und werden darauf verewigt. Gesucht werden Unternehmen genauso wie Privatpersonen. Kieweg: „Alles darf sponsern.“

Vielleicht kommt so viel Geld zusammen, dass die Ausstellungsmacher ein weiteres Projekt umsetzen können: ein Buch mit Forstmotiven und Zeitzeugeninterviews. Fotograf Richter rührte schon mal die Werbetrommel: „Das ist ein Fotobildband, der heimat- und sachkundlichen Charakter hat.“

Seine Zuhörer jedenfalls überzeugte das Museumsteam an diesem Abend. Es gab viel Beifall – was in einer Gemeinderatssitzung eher selten vorkommt.

Sponsoren

für die Fototafeln können sich bei der Gemeinde melden (Tel. 0 88 45/703 06 10). Infos zu „Mythos Bayern“ im Internet auf www.landesausstellung-ettal.de.

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