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Auspacken ist angesagt: Museumsleiter Franz Maier und Bürgermeisterin Gisela Kieweg wickeln Adelheid Reichsiegels „Das Paradies“ aus – das Bild gehört zu den Lieblingswerken der Rathauschefin. 

Kunst und Kultur

„Malende Bäuerin“ kehrt heim nach Soien

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Ein ganz besonderer Kauf, der ohne eine Zufalls-Entdeckung nicht möglich gewesen wäre. Aber Bad Bayersoien schlug gleich zu. Im Internet.

Bad Bayersoien – Sie wurde als „malende Bäuerin“ über die Grenzen des Ammertals hinaus bekannt: Adelheid Reichsiegel (1931-2018), die in Bad Bayersoien lebte und wirkte. Nun sind 22 ihrer Werke in den Kurort heimgekehrt. Möglich machte es ein Großeinkauf der Gemeinde. Die Kunstwerke lagern jetzt im „Museum im Bierlinghaus“, sie sollen Ende des Jahres präsentiert werden.

Das Gesamtpaket war „durch Zufall auf Ebay“ entdeckt worden, wie Bürgermeisterin Gisela Kieweg berichtet. Und zwar vom Fotografen Roland Richter, der im Dorf lebt. Kieweg nahm Kontakt mit dem Anbieter auf und handelte den Kaufpreis von 6500 Euro aus. Immerhin 4000 Euro steuerte die Geschwister-Bierling-Stiftung bei, 750 Euro gab der heimische Kunst- und Kulturverein. Der Gemeinderat hatte die Anschaffung im Mai abgesegnet. „Das hätten wir uns sonst nicht leisten können“, sagt Kieweg. Geld, dass aber gut angelegt sei: „Die Bilder gehören nach Bayersoien.“

Denn Adelheid Reichsiegel verbrachte einen Großteil ihres Lebens in der Ammertalgemeinde. Genauer gesagt in Echelsbach. In eine dortige Landwirtschaft hatte die gebürtige Schongauerin 1953 eingeheiratet. Ende der 1960er Jahre fing Reichsiegel mit dem Malen an. Die Bäuerin verwendete vor allem Dispersionsfarben auf Leinwand oder für Hinterglasbilder. Die Künstlerin, eine Autodidaktin, hielt mit ihrer naiven Technik religiöse Motive wie Prozessionen, Trachtenfeste und landwirtschaftliche Motive fest. Ihren ersten Erfolg hatte sie mit dem Bild „Ostermorgensegen“, schreiben Helmut Zedelmaier und Guido Marc Pruys in ihrem Buch über die kreative Bäuerin, das 1995 erschienen ist. Reichsiegel gewann 1978 den ersten Preis beim bayerischen Landwirtschaftsfest. Es folgte gleich eine Ausstellung in Schweden, vermittelt durch einen Feriengast auf ihrem Hof. Die Echelsbacherin stellte in der Folge in Schongau, Weilheim, Oberammergau und natürlich in Bayersoien aus. Bilder von ihr hingen sogar auf Hawaii und in Alaska. Adelheid Reichsiegel starb heuer und wurde am 23. März auf dem Soier Kirchenfriedhof beigesetzt.

Mittlerweile sind die 22 Bilder im Museum eingetroffen und lagern im Depot. Museumsleiter Franz Maier findet den Ankauf großartig. „Das ist wirklich eine Bereicherung“, sagt er. „Eine Kulturgeschichte unseres Ortes.“ Aus dem Grund will das Museumsteam die farbenfrohen Schätze nicht auf dem Speicher verstecken: Am dritten Adventssonntag soll eine Sonderausstellung öffnen, bis zum Jahreswechsel werden die Bilder gezeigt. Zwei Werke besaß die Gemeinde bereits, eines hängt im Sitzungssaal des Rathauses. Die Hausherrin hatte sich schon immer für diese Malkunst begeistert. „Es sind diese ganzen Feinheiten. Es gibt so viel zu sehen auf den Bildern“, schwärmt Kieweg.

Zwei Bilder hängenin der Holzer-Schau

Zwei Hinterglasbilder sind derzeit im Museum in der Holzer-Ausstellung zu bewundern. Zur Landesausstellung in Ettal wurde eine Schau mit Geräten und vor allem den beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen des bekannten Hamburger Fotografen Hanns-Jörg Anders aufgebaut – dieser hatte im Winter 1977/78 für eine Stern-Reportage drei Holzer aus Altenau im Ammergebirge begleitet. „Wir sind zufrieden“, sagt Kieweg zur Resonanz. „Es könnte aber mehr sein.“ Die Soier tun sich mit ihrem Begleitprogramm schwer, aus dem Schatten von „Mythos Bayern“ in Ettal herauszutreten.

Geöffnet

ist das Museum Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr sowie und Samstag und Sonntag, 17 bis 19 Uhr. Kontakt unter Telefon 0 88 45/7 03 06 20 oder 0 88 45/7 03 06 10.

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