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Die große Frage: Was passiert mit dem Kurhaus in Bad Bayersoien? 

Grundstückswert liegt bei 1,8 Millionen Euro

Sieben Angebote für das Soier Kurhaus

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Die Ausschreibungsfrist ist abgelaufen: Jetzt muss sich der Gemeinderat mit den verschiedenen eingegangenen Konzepten befassen. Die Entscheidung soll zeitnah fallen.

Bad Bayersoien – „Das Interesse am Kauf unseres Kurhauses bewegt sich in einem überschaubaren Rahmen“ – dieses Fazit zieht Bad Bayersoiens Bürgermeisterin Gisela Kieweg nach Ablauf der Frist für die Ausschreibung der gemeindeeigenen Immobilie. Die Kommune hatte das Objekt in unmittelbarer Seenähe bundesweit über Presse, Makler und Internetdienste feilgeboten.

Dazu hatte sich der Gemeinderat im Mai entschlossen, nachdem ein Bürgerbegehren zu dem Thema eingereicht worden war. Die Initiatoren hatten kritisiert, dass die Gemeinde hinter verschlossener Tür das Kurhaus veräußern wolle. Franziska Fehle-Friedel, Sebastian Maier und Sigrid Echtler, die das Begehren eingereicht hatten, forderten stattdessen einen Bieterwettbewerb. Die Gemeinde kam den Kritikern entgegen und bot das Kurhausareal nochmals zum Kauf an. Die Größe des Grundstücks, auf dem sich das inzwischen leerstehende Gebäude und ein Blockhaus befinden, wurde mit rund 8600 Quadratmetern angegeben. Geworben wurde mit dem „unverbaubaren Blick auf den Bayersoier See und die Alpenkette“.

Die Gemeinde forderte von den Interessenten ein „in sich schlüssiges, nachhaltiges sowie einen Mehrwert für den Ort versprechendes Konzept“. Aber auch die Architektur eines Neu- oder Umbaus „mit einer guten Einbettung in die Umgebung“ spielt eine wichtige Rolle. Und dann wäre da noch der Kaufpreis: Die Gemeinde muss gemäß Gemeindeordnung das Grundstück zum vollen Wert veräußern. Laut einem heuer eingeholten Verkehrswertgutachten beläuft sich der Quadratmeterpreis für das unbebaute Grundstück auf 212 Euro. Das wären demnach gut 1,8 Millionen Euro.

Zum Ablauf der Eingabefrist lagen laut Bürgermeisterin Kieweg sieben konkrete Kaufangebote inklusive Konzept für die Kurhaus-Nutzung vor. Eingegangen waren auch lose Anfragen, allein über „Immoscout“ gingen zwölf Mails ein. Details, auch zu den auf den Tisch liegenden Summen, nennt Kieweg auf Nachfrage nicht. Nur so viel: Die Interessenten seien „sowohl als auch“ lokaler und überregionaler Herkunft. Nach Durchsicht der einzelnen Angebote ist der Gemeinderat gefragt. „Nach der Sitzungspause wird bestimmt, wie es weitergeht.“ Nächster Sitzungstermin ist am 12. September. Kieweg hofft: „Wünschenswert wäre es, wenn der Gemeinderat zeitnah eine Entscheidung treffen könnte.“

Die Zukunft des Kurhauses hat sich zu einer unendlichen Geschichte entwickelt. Seit 2011 zahlt die Kommune wegen der hohen Ausgaben beim Kurhaus jährlich drauf. Mieten und Pachten wurden immer weniger. Gutachten und Konzepte verschwanden wieder in der Schublade. Im März 2010 hatte der Gemeinderat die Sanierung des 1971 errichteten Anwesens auf Eis gelegt – die Kosten drohten mit geschätzten 3,5 Millionen Euro aus dem Ruder zu laufen. Der Rat beschloss, die Immobilie zu verkaufen. Doch dagegen liefen viele Bürger mit einer Unterschriftenkampagne Sturm. Später machte sich, ausgestattet mit einem gut dotierten Beratervertrag, eine Agentur für Tourismusprojekte auf die Suche nach Betreibern für eine Gesundheits-Akademie. Angesichts 30 000 Euro Beraterhonorar und diverser Absagen entschloss sich der Gemeinderat 2015, auf die Dienste des Büros zu verzichten. Doch auch in Eigenregie ging bei der Suche nichts weiter. Hotel- und Klinikbetreiber sprangen nach anfänglichem Interesse wieder ab. Bis die Bürgermeisterin im November 2016 in der Bürgerversammlung stolz das Ehepaar Lage-Roy aus dem Riegseer Ortsteil Hagen als mögliche Käufer und Betreiber einer Homöopathie-Akademie mit Bio-Restaurant präsentierte. Doch dann kam das Bürgerbegehren – und die Suche ging wieder los.

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