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Quer- statt Hochformat: Der Baum gegenüber dem Soier „Lötschmüllerhof“ wurde wegen Fäulnis gefällt. 

Ersatzbepflanzung schon beschlossen

Todesurteil für sechs Bäume: Bürger beklagt sich über Fällungen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Er kann es nicht verstehen, warum sie weichen mussten: Sechs Bäume wurden in Bad Bayersoien gefällt - ganz zum Unmut des Bürgers. Die Rathauschefin bezieht Stellung. 

Bad Bayersoien – Sie sind weg, fielen der Kettensäge zum Opfer. Vier Bäume der Allee an der alten Straße nach Saulgrub und ein Exemplar im Spielplatz-Bereich am Soier See gehören der Vergangenheit an. Zum Unverständnis von Karl Heinz Stoll. Er spricht mittlerweile von einem „mysteriösem Baumschwund“ und einem „falsch verstandenen Sicherheitsdiktat“.

Der Einheimische verweist auf andere Orte, in denen ähnliche Naturschönheiten mit viel Aufwand gepflegt, sorgfältig saniert oder gar als Naturdenkmal unter Schutz gestellt werden. „Doch in der Naturpark-Gemeinde bedeutet ein abgestorbener Ast das Todesurteil für 100-jährige Bäume.“ Zuletzt verschwand der Riese gegenüber dem abgebrannten „Lötschmüllerhof“ aus dem Ortsbild. Nur der Stumpf mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter existiert noch. „Die Oberfläche ließ eindeutig erkennen, dass dieser vernichtete Baum im Kern völlig gesund war“, klagt Stoll. Eine Aussage, der Gisela Kieweg widerspricht. Der Bergahorn „war innen total verfault“, betont Bad Bayersoiens Bürgermeisterin. Er sei beim Fällen schon fast auseinandergefallen.

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„Ich war sprachlos“

Die Gemeinde muss stets der Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Im Zuge dessen prüft eine Fachfirma Bäume auf ihren Zustand. In diesem Fall mit deutlichem Ergebnis: Dem Baum „ging es richtig, richtig, richtig schlecht“, sagt Kieweg. Eile war geboten. Für einen Rundbrief an die Bevölkerung blieb keine Zeit mehr. Der Bergahorn an der Dorfstraße musste so schnell wie möglich weichen. Nach der Aktion erhielt die Rathauschefin einen Anruf von der Firma, sie sollte sich ein Bild vor Ort machen, von der Fäulnis. „Ich war sprachlos“, erzählt sie. „Man möge sich nur mal vorstellen, beim Sturm fällt ein Ast runter.“ Kieweg führt den Gedanken nicht aus, weil man sich das Szenario, dass sich ein Passant schwer verletzt, gar nicht vorstellen will. Den Baum nicht zu kappen, wäre für Kieweg deshalb unverantwortlich gewesen. Das habe ihr sogar ein Nachbar bestätigt, der im Vorfeld die Aktion angemahnt hatte.

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Keine besseren Resultat erhielt die Bürgermeisterin für die fünf anderen Exemplare. Der Baum am See zum Beispiel litt ihr zufolge am Eschentriebsterben. „Wenn er nicht mehr zu halten ist“, sagt Kieweg, „dann bleibt einem doch gar nichts anderes übrig, als ihn zu fällen.“ Zumal die Gemeinde haftet, wenn etwas passieren sollte.

Aktion von Unterer Naturschutzbehörde genehmigt

Dass solche Aktionen von Bürgern mit kritischem Blick beobachtet werden, weiß die Rathauschefin. Es ist ein sensibles Thema – und auch für sie weder Spaß noch Vergnügen. Ganz im Gegenteil. „Ich liebe alles, was alt ist.“ Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sie sich die Fällungen von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen genehmigen lassen. Unter anderem wegen der Vogelbrutzeit. „Alles ist erlaubt, alles regelkonform“, betont sie.

In der nächsten Bürgerzeitung wird sie voraussichtlich über den Stand der Dinge informieren. Doch schon jetzt stellt Kieweg klar: „Es wird nachgepflanzt.“ Das sei bereits entschieden. Im Herbst soll’s dazu kommen. Nur die Frage nach der Baumart gilt es bis dahin noch zu klären.

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