Der größte Erfolg von Andreas Geipl im Trikot des SSV Jahn Regensburg: Der Bad Kohlgruber (links) feiert mit Teamkollegen 2017 den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. 
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Der größte Erfolg von Andreas Geipl im Trikot des SSV Jahn Regensburg: Der Bad Kohlgruber (l.) feiert mit Teamkollegen 2017 den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. 

Abschied aus Regensburg nach sechs Jahren

Der Traum von der Bundesliga: Ex-Löwe Andreas Geipl im Interview

Ex-Löwe Andreas Geipl verabschiedet sich nach sechs Jahren vom SSV Jahn Regensburg. In der kommenden Saison läuft er für den 1. FC Heidenheim auf. 

Bad Kohlgrub/Regensburg –Nach Regensburg gekommen ist Andreas Geipl 2014 als 22-Jähriger ohne die Erfahrung eines einzigen Profi-Spiels. An diesem Sonntag verlässt er den SSV Jahn Regensburg nach sechs Jahren als gestandener Zweitligaprofi in Richtung Heidenheim. 77 Einsätze hat der Bad Kohlgruber mittlerweile in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands absolviert. Mit etwas Glück kommen ab der nächsten Saison sogar noch ein paar Erstliga-Spiele dazu. Im ausführlichen Tagblatt-Interview spricht der 28-jährige Mittelfeldspieler über den Abschied aus der oberpfälzischen Domstadt, Pläne nach dem Karriereende und sein neues Abenteuer beim FC Heidenheim.

Fußball ohne Fans. Haben Sie sich schon daran gewöhnt? 

Es ist schon sehr seltsam, in einem leeren Stadion zu spielen. Zwar wird dadurch die Kommunikation auf dem Platz deutlich einfacher, trotzdem fehlt etwas. Die Anfeuerung durch unsere Fans pusht natürlich jeden Spieler in der Mannschaft noch einmal mehr. 

Die Profivereine handeln seit einigen Wochen nach einem strengen Hygienekonzept der DFL. Wie sieht Ihre Arbeitswoche aktuell aus? 

Wir werden zweimal wöchentlich auf das Virus getestet. Ich bin eigentlich nur zu Hause oder mit der Mannschaft zusammen. Es gibt viele Dinge, die wir nicht machen dürfen. Mal rausgehen in ein Restaurant oder Biergarten, ist nicht drin. 

Froh, wenn sich das wieder ändert? 

Grundsätzlich sind wir glücklich darüber, dass wir überhaupt wieder spielen können. Es geht momentan einfach nicht anders. Ein paar Tage können wir das schon noch durchziehen. Trotzdem freue ich mich, wenn ich auch mal wieder andere Sachen machen kann. 

Wie kann man sich denn die Sommerpause eines Profifußballers in Corona-Zeiten vorstellen? 

Die Planung ist heuer natürlich schwierig, da niemand genau weiß, wann die neue Saison startet. Ich denke mal, dass ich mindestens drei Wochen frei haben werde. Meine Frau und ich werden die neue Bleibe in Heidenheim fertig einrichten und natürlich auch Zeit in der Heimat verbringen. 

Am Sonntag bestreiten Sie nach sechs Jahren bei Jahn Regensburg Ihre letzte Partie, bevor sie sich dem FC Heidenheim anschließen. Ein Abschied, der schwerfällt? 

Natürlich. Ich hätte mich gerne vor einem vollen Stadion verabschiedet. Diese ganze letzte Woche war schon traurig. Ich habe beim Jahn viel erlebt, unter anderem den Aufstieg in die 2. Bundesliga. 

Ihr größter Moment? 

Mit Sicherheit einer der größten. Auch der Aufstieg in die 3. Liga war etwas besonderes. Im Relegationsrückspiel gegen Wolfsburg II habe ich auch noch getroffen (lacht). Allgemein Zweite Bundesliga spielen zu dürfen, war einfach Wahnsinn für mich. Insbesondere die ersten Spiele waren sehr speziell. 

Ist der Wechsel nach Heidenheim der nächste logische Schritt in Ihrer Entwicklung? 

Die Qualität im Kader ist sicherlich noch einmal einen Tick höher als hier in Regensburg. Ich freue mich auf ein spannendes Projekt. Es ist einfach noch einmal eine komplett neue Herausforderung, ein anderes Umfeld. 

Durch den Last-Minute-Sieg gegen den HSV vergangenes Wochenende kann Ihr zukünftiger Verein am Sonntag gegen Bielefeld aus eigener Kraft die Aufstiegs-Relegation zur Bundesliga erreichen. Wie haben Sie den Treffer in der 95. Minute miterlebt? 

Wir hatten ja selber am Millerntor gespielt. Nach dem Abpfiff habe ich die letzten Minuten auf dem Handy eines St.Pauli-Betreuers verfolgt und mich sehr gefreut. Aber bis zur Bundesliga ist es noch ein weiter Weg. 

Werden Sie am Sonntag mit einem Auge auf das Geschehen in Bielefeld achten? 

Nein. Ich muss ja selber noch spielen und will mich darauf konzentrieren. Nach der Partie werde ich mich dann erkundigen, ob es geklappt hat mit der Relegation. 

Mit 28 Jahren könnten Sie tatsächlich noch Bundesligaspieler werden. Hätten Sie damit noch gerechnet? 

Natürlich habe ich immer davon geträumt. Hätte mir jemand aber vor vier Jahren erzählt, dass ich Zweite Bundesliga spielen werde, hätte ich ihm wahrscheinlich schon nicht geglaubt. Sollte Heidenheim in die Relegation kommen, wird es dennoch brutal schwer. Jeder weiß, wie hart diese Spiele sind. 

Wird es bei einem Aufstieg schwerer, sich in Heidenheim dauerhaft durchzusetzen? 

Der Konkurrenzkampf im Kader ist brutal groß, unabhängig davon, ob die Mannschaft aufsteigt oder nicht. Ich werde alles dafür geben, mich durchzusetzen. 

Aktuell bauen Sie ein Haus in Bad Kohlgrub. Nach Ihrer Karriere zieht es sie also wieder in die Heimat? 

Ja, definitiv. Ich habe das mit meiner Frau besprochen. Wir sind beide der Meinung, dass nach meinem Karriereende unser Lebensmittelpunkt wieder in Bad Kohlgrub liegen wird. 

Wann wird das sein? 

Da will ich mich nicht festlegen. Sollte der Körper irgendwann nicht mehr mitspielen, höre ich auf. Ich lasse das einfach auf mich zukommen. 

Verfolgen Sie noch die Geschehnisse rund um Ihren Heimatverein, den FC Bad Kohlgrub? 

Diese Saison habe ich leider noch kein Spiel vor Ort sehen können. Wenn wir mal einen freien Tag haben, verbringen meine Frau und ich diesen meist mit unserem zweijährigen Sohn in Regensburg. Aber ich verfolge natürlich die Ergebnisse und habe auch Kontakt zu mehreren Leuten aus dem Verein.

Interview: Marco Blanco Ucles

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