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Ein Paar mit Power: Michaela und Nikolaus Degenhard sind die neuen Geschäftsführer des Johannesbads. 

Haus mit gutem Ruf übernommen

Bad Kohlgrub: Johannesbad in neuer Hand

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Sie haben Ziele: Die zwei neuen Geschäftsführer des Kursanatoriums Johannesbad in Bad Kohlgrub wollen das medizinische Angebot erweitern. Und noch mehr.

Bad Kohlgrub – Nikolaus Degenhard lehnt sich in seinem Rattan-Sessel zurück, schlägt sein rechtes Bein übers linke. Vor drei Wochen war das noch nicht möglich. „Ich konnte kaum hatschen“, sagt er. Das Knie zickt. Jetzt schlägt die Moorkur an. Wie für seine Ehefrau Michaela die erste. „Wir verkaufen das Thema“, sagt sie. „Da müssen wir auch wissen, wie’s geht.“

Das Paar hat Ende März dieses Jahres das Johannesbad in Bad Kohlgrub übernommen. In einer schwierigen Phase. Das Vitalrefugium für Gesundheit, Prävention und Regeneration musste wegen der Corona-Pandemie bis 10. Juni geschlossen bleiben. Erst am 22. Juni durfte der Wellness-Bereich öffnen. Ein Anfang mit vielen Stornierungen „Wir haben gelitten unter dem Söder-Copy-Paste“, sagt der Geschäftsführer. Mittlerweile trudeln die Buchungen wieder ein, die Gäste kommen. Samt ersten positiven Rückmeldungen und „rührenden E-Mails“ über das Kursanatorium und dessen neue Chefs.

Erst nicht fündig geworden

Erst 2017 lernten sich die Tirolerin aus der Kühtaier Gegend und der gebürtige Oberammergauer kennen. Ein Jahr späterer heirateten die beiden. 2019 suchten sie ein passendes Objekt. „Wir wollten eigentlich ein Haus in Österreich kaufen“, erzählt der gelernte Tourismusfachmann, der nach Stationen in München, Düsseldorf und Seefeld zuletzt einen 30-Betten-Betrieb in der Leutasch führte. Doch es fand sich nichts, das ihren Vorstellungen entsprach. Über die Bank erfuhren sie vom Johannesbad. Ein Volltreffer.

Vergangenen Juli nahm das Ehepaar Kontakt mit den Vorgängern Gabriele und Stephan Schober auf. Den damaligen Chef kannte Degenhard von früher. „Wir sind in Ettal zusammen in die Schule gegangen.“ Alle fünf bis zehn Jahre liefen sie sich zufällig über den Weg, zum Beispiel auf der ITB, der Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft in Berlin. „Es war immer ein nettes Wiedersehen.“

Keine Kündigungen

Nach einigen Gesprächen wurden sich die zwei Parteien einig. Unter anderem legten die Schobers wert darauf, dass das Personal übernommen wird. Ein paar der 29 Mitarbeiter sind schon etwa 40 Jahre im 70-Betten-Haus. Keiner musste gehen. Selbst in der Corona-Zwangspause wurde niemand gekündigt. Allerdings ging’s nicht, ohne Kurzarbeit anzumelden.

Die anfängliche Skepsis des Teams ist mittlerweile verflogen. „Es weiß, dass wir auch nicht anders sind als die Schobers“, sagt Nikolaus Degenhard. Trotzdem bezeichnet seine Frau die neue Aufgabe als Herausforderung. Immerhin führten die Vorgänger rund 30 Jahre das alteingesessene Familienunternehmen, zu dem ein 6000 Quadratmeter großer Naturstich des wertvollen Bergkiefernhochmoores gehört.

Fast schon schicksalhaft stießen die Familien in der Vergangenheit aufeinander. Schobers Verwandtschaft zählte schon zu den Kunden von Michaela Degenhard, die gelernte Holzsägetechnikerin, der bis heute ein Apartmenthaus in den Bergen gehört. Dieses wird von ihrer Tochter geführt. Ihr Vater pflegte sogar eine Jagdfreundschaft mit der Familie. „Es ist wie eine Fügung, dass das alles so gekommen ist“, meint die Tirolerin.

Medizinisches Angebot erweitern

Die beiden 60-Jährigen haben ein Haus mit gutem Ruf gekauft. Und eines ohne Renovierungsstau, sagt Degenhard, dessen Cousin Rudi Zwink bei den Passionsspielen den Jesus spielte. Der Geschäftsführer konzentriert sich derzeit auf einen Kriterienkatalog. Das Ehepaar möchte mit dem Johannesbad in eine höhere Liga aufsteigen – von einem Vier-Sterne- zu einer Vier-Sterne-Superior-Refugium. „Wir sind kein Hotel“, betont der gebürtige Oberammergauer, „aber betreiben das Kursanatorium wie eins.“ Samt „guter Küche“ und Wohlfühlflair.

An Arbeit mangelt’s nicht. Die neue Spitze beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Moor und will die jüngere Generation von dessen Wirkung begeistern. „Wenn du bis 60 keine Kur beantragt hast, dann kriegst du danach keine mehr“, erklärt Nikolaus Degenhard. Auch ein erweitertes medizinisches Angebot strebt das Duo an. Etwa durch einen Osteopathen, mit Yoga und einem Friseur, der nach den Moorbädern die zerzauste Mähne bändigt.

Auf ihre Leidenschaft, das Golfen, müssen sie derzeit verzichten. Freizeit ist Mangelware. Selbst während Corona. Die Krise legte zwar den Tourismus lahm, aber nicht den Betrieb im Haus. Kontrollen der Technik oder der Lüftungen standen auf dem Programm. Der Garten wurde zum Verweilen hergerichtet. „Wir sind gerannt wie der Hirsch“, sagt der Chef. Trotz seiner Knieschmerzen.

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