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Die Ullmanns – ihr Geschäft in Bad Kohlgrub war eine Institution: Erika und Rudi (rechts) sowie Caroline und Gilbert mit der zweijährigen Tochter Leni. 

TV-Spaß in schwarz-weiß

Nach 45 Jahren ist Fernseh Ullmann Geschichte

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Dieser Schritt fiel nicht leicht: Die Inhaber von „Fernseh Ullmann“ ziehen einen Schlussstrich. Das Geschäft in Bad Kohlgrub führt nun ein Unterammergauer weiter. 

Bad Kohlgrub – Als Rudi Ullmann den 18 x 10 Meter großen Speicher ausräumte, blutete ihm schon etwas das Herz: 45 Jahre, verpackt in Kartons, Truhen und Schränken. Allein 150 Ordner mit Schaltplänen galt es zu entsorgen. Dazu eine Unmenge alter Radios, die schönsten Empfänger hat er behalten. „Man kann so was doch nicht einfach wegschmeißen . . .“

Fast ein halbes Jahrhundert „Fernseh Ullmann“ – eine Institution in Bad Kohlgrub – ging am Wochenende zu Ende. Obwohl diesen Schritt viele Kunden bedauern, gibt’s auch eine gute Nachricht: Mit dem Laden in der Hauptstraße geht es weiter. Zum 2. November übernimmt Florian Gansler, bereits Inhaber von EP Ott in Oberammergau, das Traditionsgeschäft. Der Unterammergauer hat den Familienbetrieb von Rudi Ullmanns Sohn Gilbert, der nach 22 Jahren eine neue berufliche Herausforderung sucht, gekauft.

Als Dankeschön ein Marmeladenglas

Als das digitale Zeitalter noch ferne Zukunftsmusik war, wagte Ullmann den Start in die Selbstständigkeit. Mit Schwarz-Weiß-Fernsehern, für rund 1000 D-Mark das Gerät, und aus heutiger Sicht überdimensionalen Radio-Empfängern. Nach seiner Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker bei Radio Kurz in Oberammergau von 1957 bis 1961, dem Wehrdienst, einigen Jahren in München mit der Meisterschule als Abschluss betrieb Rudi Ullmann zunächst ab 1972 in einem Keller in der Kohlgruber Badstraße ein kleines Geschäft, ehe er zwei Jahre später in die Hauptstraße übersiedelte. Heute, ein halbes Menschenleben später, zieht der Kohlgruber sein ganz persönliches Fazit: „Du kannst so etwas nur dann so lange machen, wenn du es gerne tust und mit den Leuten gut auskommst.“ Elf Lehrlinge hat er ausgebildet, und zu fast allen hat er noch Kontakt. Was der 74-Jährige besonders schätzt, war all die Jahre der gute Draht zu den Kunden: „Es ist immer mal wieder vorgekommen, dass zum Beispiel Bäuerinnen, wenn sie eine Rechnung für einen Fernseher oder eine Waschmaschine bezahlt haben, noch ein Stück Butter, Kuchen oder ein Glas Marmelade aus eigener Herstellung dazu gegeben haben. So was gibt es halt nur bei uns auf dem Land.“

Im Jahr 2005 hat Sohn Gilbert das Geschäft übernommen, der es in einem stets fordernden Beruf mit rasanter Weiterentwicklung der Technik („Da musst du immer am Ball bleiben“) schaffte, sich gegen das Internet und große Elektronikmärkte zu behaupten: „Unsere Stärken waren die persönliche Beratung, das Fachwissen, der Komplett-Service und die Erreichbarkeit fast rund um die Uhr.“ Rund 3500 Personen stark ist sein Kundenstamm.

Kontakt zu den Leuten wird fehlen

Gilbert Ullmann und seine Frau Caroline, wie zuvor Rudi mit seiner Erika, standen gern im Laden: „Manche Leute sind auch einfach nur zum Ratschen reingekommen und haben uns ihr Herz ausgeschüttet“, erzählt Caroline. Nach 22 Jahren das Geschäft zu verkaufen, ist den Beiden nicht leicht gefallen: „Ich wollte einfach noch mal was Neues wagen und in diesem Alter kann ich das noch“, betont der 39-Jährige, der ab November bei der Firma Kern Microtechnik in Eschenlohe eine Leitungsposition übernimmt. Seine Frau ergänzt: „Das Entscheidende ist doch, dass es weitergeht. Wir haben es jedenfalls bis zum Schluss sehr gerne gemacht. Der Kontakt zu den Leuten wird uns schon ein bisserl fehlen.“ In Florian Gansler glauben die Ullmanns „den richtigen Nachfolger“ gefunden zu haben. „Er übernimmt auch unseren Angestellten und den Lehrling, das freut uns natürlich“, sagt Gilbert. Da lässt sich der Umstand, dass der Name Ullmann verschwindet, leichter verschmerzen.

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