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Freuen sich über die große Bereitschaft: (v.l.) Stefanie Schöttl, Franz Degele, Kathrin Kleiner, Petra Igler und Eduard Mentler.

Von 0 auf 33

Zum Schutz der Kinder: Nach langer Suche gibt‘s in Bad Kohlgrub nun Schulweghelfer

Das war eine schwere Geburt: Jahrelang wurde vergeblich nach Freiwilligen gesucht, die sich als Schulweghelfer engagieren. Durch den Einsatz von zwei Frauen gibt es nun gleich zahlreiche.

Bad Kohlgrub – Immer wieder wurde der Wunsch nach Schulweghelfern laut. Und doch verpuffte er stets. Es fanden sich keine Freiwilligen, die die Aufgabe übernehmen wollten. „So lange haben wir uns gefragt, warum klappt das denn ausgerechnet in Bad Kohlgrub nicht“, sagt Polizeihauptmeisterin Petra Igler. „In einem Ort, in dem es so viel Verkehr gibt.“ Jetzt hat es doch noch geklappt, weil Stefanie Schöttl, Mitglied des Elternbeirats, und Kathrin Kleiner, eine engagierte Mutter, den Zustand nicht länger akzeptieren wollten – und selbst aktiv geworden sind. Mit Beharrlichkeit und persönlichem Einsatz ist es ihnen gelungen, 33 Schulweghelfer zu mobilisieren.

Beim ersten Treffen am Freitagabend fällt eines sofort auf: Außer Bürgermeister Franz Degele und Schulleiter Eduard Mentler sind ausschließlich Frauen versammelt. Da die Zahl der Alleinerziehenden in dem Ort unmöglich bei 100 Prozent liegen kann, heißt das, die Themen rund ums Kind sind immer noch reine Müttersache. Nicht ganz: Für das Ehrenamt haben sich auch drei Männer zur Verfügung gestellt, sagt Schöttl. „Aber das kann man so nicht stehen lassen, weil bei vielen ausgemacht ist, dass der Vater den Dienst übernimmt, falls die Mutter mal nicht kann.“

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Für den Rathauschef ist die große Bereitschaft eine frohe Kunde. Degele würdigt das Engagement mit einem Pralinen-Präsent. „Das freut mich narrisch“, sagt er. „Von 0 auf 33, das ist Wahnsinn – und kann sich im ganzen Landkreis sehen lassen.“ Dem kann sich Mentler nur anschließen und verteilt weitere Geschenke an die zwei Initiatorinnen.

Ein gewisses Verkehrsverständnis braucht‘s

Ziel der Helfer ist es, die Buben und Mädchen vor Unfällen zu bewahren. Zwar hat es an neuralgischen Stellen – zum Beispiel in der Kurve nahe des Dorfbrunnens – in den 60 Jahren, seit das Amt besteht, nie Schwerverletzte oder Tote gegeben, berichtet Igler. Dass dies nicht selbstverständlich sei, belegt sie mit dem Verweis auf einen Unfall in Oberbayern zum Jahresbeginn. Drei Kinder kamen dabei ums Leben. Damit so etwas in dem Dorf nicht passiert, dazu tragen die Helfer bei. „Das Amt ist sehr wichtig“, betont sie. Gleichzeitig mache es auch noch enormen Spaß.

Mehr Voraussetzungen als ein gewisses Verkehrsverständnis braucht es dafür nicht. Um Ersteres ein wenig zu testen, teilt die Polizistin einen Fragebogen aus, den sie gemeinsam mit den Frauen durchgeht. Bei den Suggestivfragen liegt die richtige Antwort meist auf der Hand; die offensichtlich falschen Antworten („Sie schreiten beherzt in den laufenden Verkehr ein und bringen diesen zum Stillstand“) erregen Heiterkeit. Der Bogen wirft weitergehende Fragen auf, die im Austausch mit Igler geklärt werden können. „Ihre Aufgabe ist es, den Kindern zu helfen, die Straße sicher zu überqueren. Aber Sie sollen ihnen nicht das Denken abnehmen“, macht sie deutlich. „Auf dem Rückweg müssen sie es ja auch alleine schaffen.“ Gleichzeitig sollen die Helfer keinesfalls „Polizei spielen“, dürfen Verkehrsteilnehmer aber durchaus auf etwaiges Fehlverhalten hinweisen. Wenn sich ein Autofahrer so verhalte, dass er andere gefährdet, sei es auch angezeigt, sich das Kennzeichen zu notieren. „Das geben Sie mir dann durch. Und meist genügt schon ein Anruf von uns, um solche Leute zur Besinnung zu bringen.“ In schlimmen Fällen wird Anzeige erstattet.

Zusatzdienste während Sperrung der B2

Ihre Erfahrungen seit Schulbeginn tauschen die Mütter aus: Alleine ihre Präsenz – samt Schutzweste und Kelle – mäßigte ihnen zufolge die Autofahrer. Es gab aber auch schon Vorfälle, die die Freiwilligen in ihrem Tun bestärkt: „Heute Morgen ist einer voll bei Rot über die Ampel gebrettert“, erzählt Kleiner. Bürgermeister Degele weist auf Autofahrer hin, die aus Richtung Murnau kommen und „leider immer wieder die Ampel in der Kurve zu spät bemerken“. Nicht ohne Grund rät die Polizistin den Anwesenden, sich mit der Warnweste am Straßenrand zu positionieren, damit sie gut wahrgenommen werden können.

Mit der Straßensperrung der B2 bei Oberau ab 8. Oktober beschäftigen sich die Frauen an diesem Abend ebenfalls. Sie beratschlagen sich, ob und wo Zusatzdienste in dieser Zeit eingerichtet werden sollten. Eine der beiden Umleitrouten führt durch Bad Kohlgrub, somit rollt auf den Ort zusätzlicher Verkehr zu. Als Kleiner nach Freiwilligen fragt, gehen etliche Finger in die Höhe. Ein Engagement, nachdem man sich jahrelang gesehnt hat.

Sabine Näher

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