Eine Investition von 315 000 Euro hat ein Kohlgruber Steuerbüro errechnet, wenn die Hörnle-Schwebebahn saniert werden soll.

Neue Liste setzt sich mit ihren Antrag durch

Hörnlebahn: Gemeinderäte nehmen Bürgermeister in die Pflicht

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Sanierung, Abbau, Neubau - wie geht es mit der Hörnle-Schwebebahn in Bad Kohlgrub weiter? Der Gemeinderat lieferte sich jetzt darüber eine engagierte Debatte.

Bad Kohlgrub – Keine Frage: Das Thema elektrisiert in Bad Kohlgrub. Was soll mit der guten alten Hörnle-Schwebebahn werden? Kann man sie noch soweit ertüchtigen, dass sie eine Zukunft hat oder muss doch ein Neubau her? Nachdem die Angelegenheit bereits in der Bürgerversammlung, wo das Konzept einer neuen Kabinenbahn erstmals öffentlich vorgestellt wurde, sehr emotional diskutiert worden war, sorgte nun ein Antrag der Fraktion Neue Liste (NL) im Gemeinderat erneut für hohe Aufmerksamkeit. Knapp 50 (!) Zuhörer füllten am Dienstagabend den Sitzungssaal im Haus des Gastes.

Nach einer intensiven, engagierten und sehr sachlichen Debatte – ein Schulbeispiel für kommunalpolitische Meinungsbildung – musste Erster Bürgermeister Franz Degele, der zweimal gegen den vorliegenden Antrag gestimmt hatte, eine Niederlage einstecken. Die Neue Liste setzte sich mit ihrem Vorstoß durch. Mit 12:2-Stimmen wurde beschlossen, dass die Hörnle-Schwebebahn mit Hilfe des Ersten Bürgermeisters ein Grobkonzept für die Sanierung der Bahn erarbeiten möge, das alle Schwachstellen beinhaltet, die das Steuerbüro Wörmann in der Bürgerversammlung aufgelistet hat. Dazu zählen laut Antrag die technische Ertüchtigung und Sicherstellung der TÜV-Zertifizierung, Sitz-, Einstiegs- und Fahrkomfort, Sicherheits- und Parkplatzkonzept sowie Vermarktung.

Wesentlich knapper ging das Abstimmungsergebnis für den zweiten Teil des Antrags der Neuen Liste aus – nämlich 8:6. Auch hier wird die Geschäftsführung der Hörnlebahn beauftragt, mit Hilfe des Ersten Bürgermeisters die vom Ingenieurbüro Klenkhart vorgeschlagene Lösung „anzupassen“. Im Einzelnen sollen dabei folgende Baubereiche reduziert und verkleinert werden: Berg- und Talstation, Bergrestaurant, Parkplätze im Tal, Skilifte und Wegenetz. Die Antragsteller fordern außerdem in ihrer Eingabe, dass das Investitionsvolumen um mindestens 30 Prozent reduziert werden soll.

Mit diesem Votum spielen die Gemeinderäte den Ball eindeutig an Bürgermeister Franz Degele weiter, und fordern ihn auf, sich aktiv in der Sache einzubringen. Auf einen Nenner brachte es Gilbert Ullmann: „Ich erwarte von Dir, dass Du als Erster Bürgermeister hier vorangehst und die Sache antreibst.“ Im ursprünglichen Wortlaut des Antrags hatte die NL noch von der Gemeindeverwaltung gesprochen, die hier die Hörnlebahn unterstützen solle. Dies wurde dann jedoch abgeändert und dem Bürgermeister übertragen. Gestrichen wurden von den Antragstellern die Fristen 1. August und 1. Oktober, bis dahin die Konzepte dem Gemeinderat vorgelegt werden müssen. Degele selbst hatte betont, dass die Verwaltung diese Zusatzaufgabe bei den laufenden, anstehenden Projekten nicht mehr stemmen könne: „Wenn der Gemeinderat dies wünscht, dann müssen eben andere Themen nach hinten geschoben werden. Wir haben keine freien Kapazitäten mehr, können aber auch kein neues Personal einstellen.“

Thorsten-Simon Eickholt erklärte vor der Diskussion, dass die Hörnlebahn allein nicht in der Lage sei, ein Projekt von dieser Größe zu stemmen: „Da müssen Verwaltung und Bürgermeister mithelfen. Eine Arbeitsgruppe ist zum momentanen Zeitpunkt nicht zielführend, da die Rechtler bereits eindeutig ihr Nein zu den Bauplänen einer neuen Bahn zum Ausdruck gebracht haben.“ Auch NL-Listen-Kollege Martin Niklas sprach sich für diesen Weg aus: „Die Bahn gehört zu 95 Prozent der Gemeinde, hier muss die Verwaltung mithelfen. Die Hörnlebahn ist Allgemeingut. Man muss mit dem Planer Klenkhart sprechen, wie man ihre Version abspecken kann. Ich habe lieber keine Bahn mehr als diese vorgeschlagene Version mit einer Zehn-Personen-Kabine.“ Georg Doll (CSU) wertete den Ansatz mit der Arbeitsgruppe als „gute Idee“. Bürger und Liftausschuss müssten gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen. Nikolaus Onnich („Für Landwirtschaft, Natur und Erholung“) warf ein, dass sich zwar die Rechtler mit Mehrheit gegen die Neubau-Pläne ausgesprochen hätten, doch diese seien nur ein Teil aller Grundbesitzer. Als „inhaltlich in Ordnung, aber provokant aufgemacht“ bewertete Albert Stichaner (Freie Wähler) den NL-Antrag.

Das Schlusswort vor der Abstimmung gebührte Bürgermeister Franz Degele: Wenn er zusammen mit der Hörnlebahn die Forderungen aus dem Antrag angehen müsse, dann werde er auf keinen Fall die Arbeitsgruppe parallel weiterlaufen lassen.

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