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Rotes Absperrband an der Einfahrt: Das Jägerhaus ist geschlossen. 

Pächter sagen Servus

Ärger ums Jägerhaus: Eigentümer schaltet Anwalt ein

Corona - so lautet die offizielle Begründung für den Rückzug des Pächterpaars. Nun sucht der Eigentümer des Jägerhauses neue Wirtsleute.

Bad Kohlgrub – Den Zutritt zum Grundstück versperrt rot-weißes Trassierband. Die Erklärung dafür gibt es im Internet. Da heißt es ein wenig versteckt auf der Homepage des Jägerhauses: „Liebe treue Gäste, auf Grund der Auswirkungen dieser schrecklichen Pandemie wird das Jägerhaus unter unserer Leitung nicht mehr öffnen. Wir bedanken uns für Ihre Treue und die wundervolle Zeit mit Ihnen. Ihr Jägerhausteam.“ Worte von Ulrich Paul und Pia Seifert, die nach nur eineinhalb Jahren in Bad Kohlgrub das Handtuch geworfen haben. Friedrich Pauli, der Inhaber des Gasthauses, muss sich nun nach neuen Pächtern umschauen. Zumindest in dieser Hinsicht ist er aber guter Dinge. „Wir möchten im Herbst wieder eröffnen – dann mit unserer Meinung sehr guten Leuten.“

Kurzes Kapitel

Das Kapitel Paul/Seifert war ein kurzes im Jägerhaus. Dabei hatten sich die beiden auf der Homepage in höchsten Tönen angepriesen, verwiesen auf gastronomische Erfahrungen aus der Schweiz, er sogar als Küchenchef. Sie galt als Garantin für Kuchen und Torten und dafür, dass alles „unaufgeregt auf den Tisch kommt – mit viel Liebe, Herzlichkeit und bayerischem Charme“.

Pauli schmunzelt. So wie es sich liest, soll es in der Praxis schon vor Corona nicht zugegangen sein. Das behauptet der Inhaber des Jägerhauses, der in Garmisch-Partenkirchen ein Immobilien-Büro betreibt. Er räumt ein, dass Ulrich Paul ein guter Koch gewesen sei, ansonsten aber habe das Konzept des Gastronomen-Paares von Anbeginn „nicht gestimmt“. Er stößt sich an der Personalpolitik. „Drei Angestellte sind einfach zu viel, man muss in dem Lokal mit Aushilfskräften arbeiten, weil es immer wieder ruhige Zeiten gibt und es dann zu heftigen Stoßzeiten kommt.“ Er vermutet daher, dass Corona nur als Vorwand herhalten muss. Wirtschaftliche Probleme hätten die Pächter schon zuvor gehabt. „Die Geschäftspolitik war einfach nicht die richtige“, urteilt der Eigentümer der Immobilie. Denn zuvor habe das Ausflugslokal fünf Jahre lang floriert. „Die Vorgänger hatten damals fünf, sechs Aushilfen, die auf Abruf bereitstanden, wenn es bei gutem Wetter und am Wochenende mal wieder hoch her ging.“

Wohnung steht leer

Für Pauli entwickelt sich die Angelegenheit nun noch zu einer unschönen Sache. Weil Außenstände da sind, musste er einen Anwalt einschalten. Die Pächter sind jedenfalls verschwunden, waren auch für das Tagblatt nicht zu sprechen. Die Wohnung der Wirtsleute neben dem Jägerhaus steht leer. Pauli hat erfahren, dass Paul und Seifert nach Pfronten ins Allgäu umgesiedelt sind und dort in einem Landhotel das Restaurant betreiben sollen – nur eine Vermutung. Auch mit Lieferanten soll es noch Ärger geben.

Auf die Frage, ob es nicht im Vorfeld schon Hinweise darauf gegeben habe, dass die Pächter nicht geeignet gewesen sein könnten, zuckt Pauli nur mit den Schultern: „Sie haben Jahrzehnte in der Schweiz verbracht, da ist es mit Schufa-Einträgen nicht so einfach. Und sie hatten sich als Koch und Servicekraft beworben, als Paar, das ist eigentlich eine ideale Konstellation in solch einem Geschäft.“

Die Suche nach neuen Gastronomen für das Jägerhaus mit seinen etwa 50 Innen- und 120 Außenplätzen läuft. Bevor er neue Leute ranlassen kann, muss sich der Eigentümer erst einmal um das rund 1200 Quadratmeter große Gelände kümmern. „Da schaut’s aus wie in der Wildnis.“ Eines ist dem Besitzer jedenfalls ziemlich klar: „Diese Saison ist wohl gegessen…“

Barbara Falkenberg

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