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Die Projektgruppe: (v.l.) Clemens Böhmer, Max Geisenhof, Lucia Rauch, Mona Reindl, Anja Lory, Bärbel Fischer und Georg („Jacky“) Wojciak. Auf dem Bild fehlt Hannes Wojciak. 

500.000 Euro müssen zusammenkommen

Jetzt zählt’s: Supermarkt-Rettung läuft - weitere Unterstützung ist aber dringend nötig

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Die Bevölkerung ist gefragt: Von ihr hängt ab, ob der Supermarkt in Bad Kohlgrub am Leben erhalten bleiben kann. Noch fehlt‘s an Geld. 

Bad Kohlgrub – „Helfen Sie mit“ – auf knallrotem Hintergrund prangt dieser Aufruf auf der Homepage. Darüber sticht eine sechsstellige Summe ins Auge. Der aktuelle Stand von „Markt im Dorf“. Unverbindliche Absichtserklärungen mit einem Gesamtbetrag von 156 000 Euro sind bislang bei der Projektgruppe, die sich für den Erhalt des Bad Kohlgruber Lebensmittelgeschäftes einsetzt, eingegangen. Ein großer Erfolg. Erst am Freitagabend bei einer Info-Veranstaltung im Kursaal wurden die entsprechenden Zettel verteilt. Und trotzdem reicht das Geld längst nicht aus.

Die Initiatoren der Rettungsaktion benötigen 500 000 Euro an Eigenkapital. Wird dieser Betrag nicht erreicht, stirbt das Vorhaben. Ziel ist, den Laden in der Ortsmitte von seinem Besitzer Hans Reiner zu erwerben, zu sanieren und subventioniert an einen Betreiber zu übergeben. „Wir wollen die monatliche Belastung, also die Miete, für ihn gering halten“, sagt Hannes Wojciak vor rund 300 Anwesenden. Am Samstag, 19. Oktober, um 13 Uhr sperrt der jetzige Eigentümer nach 21 Jahren zu. Genau zu diesem Zeitpunkt läuft die Frist ab, die Absichtsbekundungen einzureichen.

Das Gelingen hängt in erster Linie von der Bereitschaft der Bevölkerung ab. „Heute ist der Tag, an dem die Projektgruppe unsere Unterstützung braucht“, betont Bürgermeister Franz Degele beim Info-Abend. Die Gemeinde leistet ihren Teil, nimmt Abstand von einem Bebauungsplan für einen Supermarkt im Außenbereich des rund 3000-Seelen-Ortes. Weil das Zentrum des Dorfes nicht ausbluten und die Nahversorgung – gerade für Senioren, Gäste, aber auch Handwerker und Kinder, weiterhin gewährleistet werden soll.

Genossenschaftsmodell vorgesehen

Als Unternehmensform ist eine Genossenschaft vorgesehen. „Die steht für Transparenz, Fairness, Regionalität und Zukunftsfähigkeit“, verdeutlicht der Rathauschef, der vor seinem Amtsantritt bei der VR-Bank Werdenfels arbeitete. Für 500 Euro gibt’s einen Anteilsschein und somit ein Stimmrecht (maximal drei möglich). Geplant ist das Ganze ohne Nachschusspflicht und Haltefrist, aber mit einer Dividende. Einer „nicht sehr hohen“, stellt Wojciak klar. Mit dem Anteil, der weiterverkauft, verschenkt oder vererbt werden kann, ist es aber nicht getan. „Man muss dort auch einkaufen“, ergänzt Anja Lory.

Der konkrete Kaufpreis für den Markt ist bislang offen. Mit den kalkulierten Sanierungskosten hält sich Clemens Böhmer deshalb noch zurück. Nur soviel verrät er: „Wir haben einen Betrag X vorgesehen, mehr wird nicht ausgegeben.“ Der Markt befindet sich in einem recht guten Zustand. Böhmer, der als Architekt auch am Projekt „Ein Dorf wird Wirt“ in Altenau beteiligt war, listet die nötigen Maßnahmen auf: neuer Boden, neue Deckenabhängungen, neues Licht, streichen. „Man wird sich nicht verkünsteln.“ Es geht lediglich darum, eine „vernünftige Bestandsimmobilie“ zu übergeben. Für den Rest ist der Betreiber verantwortlich. Zwei bis drei Interessenten haben sich bereits gemeldet. Solange der Mietpreis nicht festgezurrt ist, gibt’s aber logischerweise auch keine endgültige Zusage.

Vollsortimenter mit regionaler Ware

Einziehen soll wieder ein Vollsortimenter. „Wir wollen Wurst und Fleisch sowie Backwaren offen anbieten“, schildert Bärbel Fischer, die 21 Jahre lang als Verkäuferin bei Aldi tätig war. Eventuell auch frische Milch. Auf alle Fälle regionale und Bio-Ware. In der Umgebung „haben wir gute Anbieter“.

Jetzt beginnt die heiße Phase. Das gespannte Warten auf weitere Absichtserklärungen. Läuft alles nach Plan, kommt es im nächsten Schritt zur Gründung der Gesellschaft mit konstituierender Sitzung. Anschließend werden Vorverträge mit einem Betreiberinteressent und Reiner abgeschlossen, ehe Tinte auf die endgültigen Schriftstücke kommt. Erst dann startet die Sanierung. Wann der Lebensmittelmarkt wiederöffnet? Noch unklar. Lorys Traum wäre Anfang 2020. Das ist aber unrealistisch. „Ich hoffe, allerspätestens am 1. März.“

Weitere Infos

Die unverbindlichen Absichtserklärungen liegen im Ort aus oder sind auf der Homepage www.marktimdorf.de herunterzuladen. Sie können bei den Mitgliedern der Projektgruppe, die auch für Fragen zur Verfügung stehen, abgegeben oder in den Briefkasten des Büros „Böhmer Laubender“ am Jager-Jörgl-Anwesen eingeworfen werden.

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