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Blumen und ein Präsent gibt es von Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (r.) für Ruth und Richard Obermeier.

Gemeinde hatte ein schlechtes Gewissen

Bad Kohlgrub: Vom Ratskeller in den Heimgarten

Bad Kohlgrub - Sie bleiben Bad Kohlgrub erhalten: Richard und Ruth Obermeier wechseln allerdings das Lokal. Die Pächter des Ratskellers übernehmen den Gasthof Heimgarten. 

Im August vergangenen Jahres konnte Richard Obermeier auf ein besonderes Datum blicken. An dem Tag war er seit 45 Jahren Koch. „Mindestens zwei Jahre zu wenig – um in den Ruhestand zu gehen.“ Deshalb hat er sich entschlossen, noch ein bisschen weiterzumachen. Voraussichtlich am 1. April eröffnet er zusammen mit seiner Frau Ruth den Gasthof Heimgarten neu. Vor kurzem haben sie ihre bisherige Wirkungsstätte in Bad Kohlgrub verlassen und den Ratskeller zum letzten Mal abgesperrt. Wegen der anstehenden Umbau-Arbeiten am Haus des Gastes haben sich die beiden entschlossen, den Pachtvertrag mit der Gemeinde zu kündigen.

Mit der Übernahme des Heimgartens ist sichergestellt, dass es auch künftig im Ortszentrum gutbürgerliche, heimische Küche für Einheimische und Gäste geben wird. „Da der Heimgarten ein Gasthof ist, werden wir auch ein paar typisch bayerische Gerichte – wie zum Beispiel Schweinebraten und Haxen in die Karte aufnehmen“, versichert Obermaier. Im Ratskeller war seine Küche vor allem „international mit mediterranem Touch“. Die beiden selbst ernannten „Workaholics“ freuen sich sehr darüber, im Dorf bleiben zu können. Weil sie dort auch gerne im Ruhestand wohnen möchten.

Und noch einer ist begeistert über diese Lösung: Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (parteifrei). Bei der offiziellen Verabschiedung überreichte er Blumen und einen edlen Tropfen. „Die Gemeinde hatte schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil wir Euch mit unseren Baumaßnahmen sozusagen vertrieben haben. Darum bin ich jetzt froh, dass Ihr uns mit Eurer Küche erhalten bleibt und gleichzeitig ein Nachfolger für den Heimgarten gefunden ist.“

Verstärkung gesucht

Als die Kommune 2016 am Maibaum die Fernwärmeleitung verlegt hat, mussten die Obermeiers starke Umsatzeinbußen hinnehmen: Die Gäste konnten nicht mehr vor dem Ratskeller parken, aber auch zu Fuß war er nur schwer erreichbar. Wenn bald dann die Umbauarbeiten am Haus des Gastes beginnen, wären die Beeinträchtigungen noch schwerwiegender gewesen: Baulärm und vor allem der anfallende „Staub verträgt sich nicht mit frisch zubereiteten Lebensmitteln“, wirft Ruth Obermeier ein.

Da der Gasthof Heimgarten etwas größer ist als der Ratskeller, brauchen die beiden sowohl Verstärkung in der Küche als auch im Service. Unbedingte Voraussetzung sei allerdings, dass die neuen Mitarbeiter „der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sind“. Andernfalls könnten sie ja keine Empfehlungen aussprechen oder auf Fragen der Gäste adäquat eingehen.

Bevor der Auszug aus dem Ratskeller und der Umzug in den Heimgarten ansteht, werden die Obermeiers noch ein bisschen Urlaub machen. Von Seiten der Gemeinde haben sie keinerlei Druck oder ein Datum bekommen, an dem ihre Sachen aus dem Ratskeller entfernt sein müssen. „Wir werden den keinesfalls erneut verpachten, weil sich zwei kommunale Gaststätten in der heutigen Zeit monetär nicht mehr rentieren“, erklärt der Rathauschef. Also belässt man die Räume zunächst wie sie sind. Schließlich brauche die Gemeinde für die Pächter des Kurpark-Restaurants eine Ausweichmöglichkeit für die Zeit, wenn auch dieses Haus umgebaut und saniert wird. 

Michaela Feldmann-Kirschner

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