+
Große Tierliebe: Max Kissinger hegt und pflegt seine Thüringer Waldziegen.

Er melkt, mistet aus, geht mit den Tieren spazieren

Ziegenzüchter mit zwölf: Dieser Bub hat ein tierisch-wichtiges Hobby

Andere in seinem Alter haben Meerschweinchen, Katzen oder Hunde als Haustiere. Der zwölfjährige Max Kissinger aus Bad Kohlgrub kümmert sich lieber um seine Ziegen. Der Gymnasiast investiert viel Zeit in die anstrengende Arbeit – und das mit Herzblut.

Bad Kohlgrub – Minus 26 Grad zeigte das Thermometer. Es war der kältestete Tag dieses Jahres, als Max Kissinger das erste Mal eine Ziegengeburt hautnah miterlebte. So kalt, dass die Mutterziege vom Fruchtwasser „eingeeist“ war. Also setzte sich der damals Elfjährige mit dem Zicklein an den Kamin und gab ihm die Flasche. Fast sechs Monate ist das nun her. Mittlerweile ist Max stolzer Besitzer von elf Thüringer Waldziegen.

Die Rasse steht auf der Roten Liste, ist vom Aussterben bedroht. Den Bestand von solchen Tieren zu retten, ist Max wichtig. Schon früh entdeckte der heute Zwölfjährige seine Liebe zu Ziegen. Deshalb drängte er seine Eltern dazu, von der Innenstadt Augsburgs aufs Land zu ziehen. „Ich mag die Luft, die Berge und die Landschaft hier generell“, erzählt der redegewandte Bub, der gerne Ski fährt, wandert und klettert. Als kleines Kind litt er an Asthma und bekam vom Lungenfacharzt starke Medikamente verschrieben. „Immer, wenn es ihm schlecht ging, fuhren wir mit ihm für ein paar Stunden nach Kohlgrub“, erinnert sich seine Mama Pamela. Der Aufenthalt half.

Im Dezember 2016 zog die Familie schließlich in den Ort. Statt anderen Haustieren wurden die beiden ersten Ziegen angeschafft. „Sie sind nicht nur pfiffig und intelligent, sondern auch sehr emphatisch“, sagt Max wie aus der Pistole geschossen. Außerdem würden sie viel Ruhe ausstrahlen, weil sie sogar häufig im Stehen schlafen. „Wenn ich zu meinen Tieren gehe, bin ich sofort entspannt – es sei denn, sie hauen ab“, erzählt Max und lacht.

Eine aufregende Geschichte hat er damit schon einmal erlebt: Seine Eltern und er holten einen fast 60 Kilogramm schweren Bock aus Thüringen. Nach siebenstündiger Autofahrt büxte dieser erstmals aus, „weil er wohl seine Herde suchte“. Der Bock überquerte viel befahrene Straßen, übernachtete draußen und war einen ganzen Tag unterwegs, ehe ihn die Kissingers gemeinsam mit hilfsbereiten Nachbarn wieder einfangen konnten.

Junger Bad Kohlgruber eignet sich Wissen mit Fachliteratur an 

Die Herde ist stetig gewachsen, zwei Tiere rettete Max vor dem Schlachter, andere gingen aus seiner Zucht hervor. Aktuell nennt er drei ganz junge Ziegen sein Eigentum und sucht für die Anfang April geborenen Zwillinge Friedrich und Karl nach einem guten Platz, „um Inzucht zu vermeiden“.

Der Bub melkt seine Ziegen täglich, mistet die Tiere aus, geht mit ihnen spazieren und kümmert sich um die Zäune. „Niemand ahnt, wie viel Arbeit dahinter steckt, wenn er die Ziegen auf der Weide stehen sieht“, sagt Vater Ralf überzeugt. Die Familie ist deshalb sehr froh über die Unterstützung von Nachbarn und Gemeinde, weil sie die Vierbeiner auf ihren Grundstücken grasen lassen. So mähten sie auch schon den ehemaligen Minigolf-Platz und die Wiesen rund ums „SeinZ“. Probleme bleiben dabei nicht aus: „Einige Passanten meinen es gut und füttern die Tiere“, sagt Max. Doch die vertragen das Meiste nicht und bekommen Schwierigkeiten mit der Verdauung.

Der junge Ziegenexperte, der sich mit Hilfe von Fachliteratur jahrelang Wissen über seine Lieblinge angeeignet hat, kommt nach den Ferien in die siebte Klasse des Benediktinergymnasiums Ettal. Seine Freunde finden die Tiere zwar „süß und toll, um die Arbeit beneiden sie ihren Klassenkameraden aber nicht. Die ist nämlich nicht nur extrem zeitaufwendig, sondern bei Zeiten auch anstrengend: „Wenn die Tiere im Winter ihren Kot im Stall feststampfen, entstehen richtig schwere Platten, die gelockert und entfernt werden müssen“, erklärt der Papa. Auch das Beschaffen des Berg-Heus bei Mittenwald habe es in sich.

Eines steht für Max trotz des Aufwands unumstößlich fest: „Meine Haupttiere Rosa, Emma, Pia, Mia und Sam dürfen bei mir alt werden. Die werden nicht geschlachtet.“ Beruflich will der junge Ziegenexperte aber mal etwas völlig Anderes machen – als Zahnarzt arbeiten.

Wer Interesse

an den jungen Böcken Friedrich und Max hat, kann sich unter Telefon 01 76/55 10 07 45 melden.

Michaela Feldmann-Kirschner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sturm wütet im Landkreis: Ein Mann wird verletzt
Zum Teil heftig hat es in der Nacht auf Montag gestürmt. Nicht ohne Folgen. Vor allem im nördlichen Landkreis hinterließ Sturmtief Fabienne Spuren.
Sturm wütet im Landkreis: Ein Mann wird verletzt
Bergwacht findet Leiche in Ammergauer Alpen: Identität des Toten ist jetzt klar
Eine grausige Entdeckung machten Einsatzkräfte vergangene Woche bei einer Suchaktion in den Ammergauer Bergen.
Bergwacht findet Leiche in Ammergauer Alpen: Identität des Toten ist jetzt klar
Widerliche Grüße aus der Kanalisation: Sogar Fäkalien spült‘s in Großweil in die Gärten
Überlastete Kanalisation: Anwohner der Mühlstraße werfen der Gemeinde Versäumnisse vor. Seit Jahren kämpfen sie dafür, dass die Gullis geräumt werden.
Widerliche Grüße aus der Kanalisation: Sogar Fäkalien spült‘s in Großweil in die Gärten
KJE schafft 24 neue Wohnplätze für Behinderte
24 Wohnplätze für Behinderte sind im Haus „Dompfaff“ entstanden. Das Gebäude ist ein weiterer Meilenstein für die der Kinder-Jugend- und Erwachsenhilfe. Auch die …
KJE schafft 24 neue Wohnplätze für Behinderte

Kommentare