Ein Plan B liegt nicht in der Schublade

So geht‘s nach dem Bad Kohlgruber Bürgerentscheid weiter

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Der Bürgerentscheid in Bad Kohlgrub hat ein deutliches Ergebnis gebracht. Doch wie geht es nun weiter? Darüber muss sich der Gemeinderat Gedanken machen.

Bad Kohlgrub – Schon oft war die Rede vom Ausbluten des Ortes. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Kur boomte. In denen Bad Kohlgrub florierte. Und in denen Urlauber in Scharen in die Ammertaler Gemeinde reisten. Von ihren Moorbädern kann die Kommune nicht abbeißen. Sie muss an ihrer Attraktivität arbeiten. Gerade um für Familien als Lebensmittelpunkt in Frage zu kommen. Das haben die Verantwortlichen erkannt. Der Gemeinderat auch. Er befürwortete für die Fassade des Haus des Gastes, dem künftigen Rathaus, eine moderne, nachhaltige und ökologische Variante. Für viele zu modern. Die dafür vorgesehenen Schindeln aus Holz fielen aber bei den Bad Kohlgrubern durch. Beim Bürgerentscheid in Bad Kohlgrub am Sonntag haben sich die Stimmberechtigten deutlich dagegen ausgesprochen. „Der Sprung war zu groß“, vermutet Vize-Bürgermeister Franz Degele. Die Initiatoren des Begehrens widersprechen dem nicht.

Gegen Schindeln aus Holz an sich hätten sie nichts einzuwenden. Nur gegen die, die das einheimischen Büro Böhmer-Laubender vorgesehen hatte. Die Planung sei „so modern“, dass sie nicht mehr zum Baustil im Ort passt, sagte Josef Niklas zu den Beweggründen der Initiatoren. Mit ihrer Meinung standen sie offensichtlich nicht alleine da.

Während Niklas und seine Mitstreiter ihr Ziel erreicht haben, fängt für den Gemeinderat die Arbeit in dieser Sache erst wieder richtig an. Es geht drum, eine neue Fassadenplanung in Auftrag zu geben. Dass sich das Gremium gegen das bisherige Büro entscheidet, kann sich Degele nicht vorstellen, zumal dieses unter anderem mit dem Umbau des Lampl-Anwesens nebenan betraut ist. „Wir werden drüber reden“, sagt der Vize-Rathauschef. „Ich gehe aber davon aus, dass alles beim Alten bleibt.“

Mehr Bürgerbeteiligung erwünscht

Ebenso muss sich das Gremium mit anderen Varianten für die Gestaltung befassen. Ein Plan B liegt nicht in der Schublade, sagt Degele. Für Architekt Clemens Böhmer und sein Team heißt es jetzt, erst einmal abzuwarten, wie sich die Volksvertreter entscheiden. „Um anschließend weiterhin konstruktiv und zielführend an der Erneuerung des Ortszentrums zu arbeiten“, wie er mitteilt. Über eine Sache ist sich Böhmer schon im Klaren: „Die Schindel als Baustoff für die nachhaltige Sanierung des Haus des Gastes ist wohl aus dem Rennen.“ Und was würden sich die Initiatoren wünschen? Konkrete Vorstellungen haben sie nicht. „Wir sind ja keine Architekten“, sagt Andreas Lindauer. Vielmehr plädieren sie dafür, dass verschiedene Varianten erstellt werden und man dann den Bürger am Entscheidungsprozess beteiligt.

Das dauert nun. Wenngleich sich durch das Resultat des Entscheids keine dramatischen Verzögerungen ergeben. „Das würfelt den Zeitplan nicht durcheinander“, betont der Zweite Bürgermeister. Erst wird ohnehin der Innenausbau in Angriff genommen. „Die Hülle ist das letzte.“ Spricht er über das Prozedere, wirkt Degele ein bisschen angefressen. Der Grund: Der Bauplan liegt seit April im Landratsamt. Eine Genehmigung fehlt bislang. Gleiches gilt für den Umbau des Kindergartens. „Der brennt uns unter den Nägeln, weil er aus allen Nähten platzt.“

Die Großprojekte hängen zusammen. Denn während der Arbeiten an der Betreuungseinrichtung, zieht diese in die Wandelhalle. Große Schritte am künftigen Rathaus sind deshalb in dieser Phase nicht machbar. Heißt für den zeitlichen Ablauf: Erst Kindergarten, dann Haus des Gastes. Den Startschuss kann Degele nicht prognostizieren. Dafür muss erst Post aus Garmisch-Partenkirchen in Bad Kohlgrub eintreffen.

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