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Wer zieht ein ins Rathaus? Drei Kandidaten stehen zur Auswahl.

Am Sonntag fällt die Entscheidung - oder auch nicht

Bürgermeister-Wahl in Bad Kohlgrub: Reichert rechnet mit „heißem Rennen“

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Ein Orakel wie bei der Fußball-WM gibt es in Bad Kohlgrub nicht. Wer künftig auf dem Chefsessel der Gemeinde sitzt, haben nur die stimmberechtigten Bürger in der Hand. Für die Kandidaten beginnen derweil die Stunden der Wahrheit.

Bad Kohlgrub – Er wird das Smartphone am Sonntagabend immer mal wieder zücken. Nachschauen, ob es Neuigkeiten aus Bad Kohlgrub gibt. Vielleicht sogar mal jemanden anrufen, wie es steht bei der Bürgermeister-Wahl, wer ihn im Amt beerbt. Karl-Heinz Reichert (parteifrei) sagt: „Das war’s dann aber auch schon.“

Karl-Heinz Reichert verfolgt die Wahl aus der Ferne.

Die Aussage meint der einstige Rathauschef, der im März krankheitsbedingt vom Amtsarzt dienstunfähig erklärt und dann vom Gemeinderat in den Ruhestand geschickt wurde, gar nicht böse. Er bleibt nur seinem Credo treu. Reichert hat den Ort in den vergangenen Monaten bewusst gemieden. „Ich musste loslassen“, sagt er. Es ist ihm gelungen, wenn auch nur schwer. Auch wollte er nicht im Wahlkampf in Erscheinung treten, zog sich zurück. Der gebürtige Pfälzer, der in Schongau lebt, findet: „So ist das richtig.“

Reichert damals ohne Gegenkandidat

Das Interesse an der Gemeinde legte Reichert deshalb nicht ad acta. Er las Nachrichten, verfolgte, wer in seine Fußstapfen treten möchte. „Ich sehe es mit Spannung, wer das Ruder in die Hand nimmt.“ Zwei der drei Kandidaten kennt er gut. Franz Degele (Freie Wählergemeinschaft), seinen Vize, und Andreas Wojciak, Gemeinderat der Neuen Liste. Bei ihnen kann er sich vorstellen, „in welche Richtung das Schiff fährt“. Christian Bierling ist Polit-Neuling, ohne Liste und Partei, und für Reichert daher nicht einzuschätzen. Mit einer Prognose hält er sich zurück, glaubt aber an ein „heißes Rennen“.

Wie sich Wahlkampf mit Konkurrenz anfühlt, kann Reichert nicht wissen. Er war 2014 der einzige Kandidat, holte 85,60 Prozent der Stimmen und wechselte vom Stuhl des Kämmerers auf den des Chefs.

So leicht wird es für die aktuellen Bewerber nicht werden. Eine zweite Runde, also eine Stichwahl schließt niemand aus. Zu der kommt’s, wenn im ersten Durchgang keiner die absolute Mehrheit, also mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen, erhält. In diesem Fall müssten die Bürger am Sonntag, 5. August, noch einmal ein Kreuz setzen.

So verbringen die Kandidaten das Wochenende vor der Entscheidung

Das Ergebnis der Auszählung im Kursaal wird es zeigen. Sie beginnt um 18 Uhr, wenn das Wahllokal schließt. Alle drei Kandidaten wollen dort bis etwa 19 Uhr aufschlagen. Davor lautet ihr Motto: Kopf frei bekommen.

Bierling arbeitet am Samstag, am Sonntag unternimmt er etwas mit seinen Kindern. Um ein „bisschen abzuschalten“. Nervös ist der 35-Jährige aber nicht – und das als Polit-Neuling. Oder gerade deshalb. Er sagt: „Ich hab’ nix zu verlieren.“

Ruhe strahlt derzeit auch Wojciak aus. „Ich brauche keine Ablenkung“, macht der 38-Jährige deutlich. Sein Wochenend-Programm wäre auch ohne Wahl ausgefallen wie jetzt: Samstag Kindergartenfest, Sonntagfrüh geht’s an die Urne, den Rest des Tages verbringt er mit seiner Familie, mit seiner Tochter. „Sie hat Namenstag“, erzählt er. Degele zieht’s in den Garten. „Da muss ich mal wieder was machen.“ Der 54-Jährige glaubt aber, dass es während dieser Arbeit langsam zum Kribbeln anfangen wird. Deshalb gibt’s am Sonntag – falls das Wetter mitspielt – nach dem Urnengang und dem Kirchenbesuch Beschäftigungstherapie auf zwei Rädern. Motorradfahren mit noch unbekanntem Ziel. Vor diesem stehen alle Kandidaten, bis das Ergebnis feststeht. Bis ein Nachfolger für Reichert gefunden ist.

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