Gasthof Heimgarten in Bad Kohlgrub
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Liegt im Zentrum Bad Kohlgrubs: der Gasthof Heimgarten

Wirtschaft soll erhalten bleiben

Mitten im Lockdown: Kampf um die „letzte bayerische Bastion“ - Pächter für Traditions-Gasthof gesucht

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Die Gastronomie steht leer. Für den Gasthof Heimgarten läuft die Suche nach einem neuen Pächter. Die Eigentümer wünschen sich jemanden, der die bayerische Wirtschaft erhält.

Bad Kohlgrub – Einer der ersten Anrufe kam aus Dubai. Auch wenn das für Niko Pflüger im ersten Moment kaum zu begreifen war, aber der Mann interessierte sich tatsächlich für den Gasthof Heimgarten, den er erst 48 Stunden zuvor via Internetannonce ausgeschrieben hatte. Wie sich herausstellte, hat der höfliche Mann aus dem Emirat Verwandte in Garmisch-Partenkirchen und wäre wirklich bereit, vom Sand in den Schnee zu ziehen, nach Bad Kohlgrub. Dürfte ein Kulturschock werden, schätzt Pflüger.

Bad Kohlgrub: Traditions-Gasthof Heimgarten sucht neuen Pächter - Wirtschaft soll erhalten bleiben

Mit Frau und Tochter hat sich der Mann die Immobilie sogar angeschaut. Aber zum Abschluss kamen sie nicht, weil die Brüder Niko und Stephan Pflüger doch eine andere Nutzung wünschen. Der Dubaier würde das Haus, erbaut 1890, gerne in Ferienwohnungen umwandeln, die er dann auf der Plattform Airbnb anbietet.

Die Pflügers aus Murnau möchten aber die Gastronomie im Ort unbedingt erhalten, die „letzte bayerische Bastion“ wahren, wie Niko Pflüger scherzt. So hat er’s auch mit Bürgermeister Franz Degele abgesprochen, der ebenfalls an der bayerischen Wirtschaft in Kohlgrubs Zentrum festhalten will.

Gastronomie im Lockdown: Eigentümer betont - nur bedingtes Risiko für Wirtshaus-Pächter

Aber wie soll man in Corona-Zeiten, in denen die Gastro-Branche leidet, einen Wirt mit bayerischer Küche finden? Gewiss, als die Pflügers Anfang Dezember den Gasthof mitten im Ortszentrum online offerierten, meldeten sich einige Interessenten. Ein bekannter türkischer Investor aus der Region, ein Italiener, ein Chinese, auch ein junges deutsches Paar.

Es war wirklich angetan, schaute sich mehrmals das Haus an. Sogar das Gewerbeaufsichtsamt rief man schon dazu. „Wir hatten ein gutes Gefühl“, sagt Pflüger, 57 Jahre alt. Dann sagten die beiden doch ab. Das Projekt war ihnen zu groß. Jetzt suchen die Brüder wieder.

Glaubt man Niko Pflüger, gehen die künftigen Pächter nur ein bedingtes Risiko ein. Die Vorgänger, das Ehepaar Obermeier, das im August in Rente ging, habe die Gaststätte „auf einem faszinierenden Niveau“ geführt. Der Ruf ist gut, viel Konkurrenz gibt’s auch nicht in der Gegend. Haxen und Braten kocht heutzutage kaum noch jemand. Zudem könnten die Neuen ins Catering-Geschäft einsteigen.

Gasthof Heimgarten in Bad Kohlgrub: Eigentümer rät Interessenten im Sommer einzusteigen

Die Obermeiers belieferten nebenher zwei Hotels im Ort. Zusammengefasst bedeutet das: Wer mit dem Gasthof Heimgarten Geld verdienen will, muss fleißig sein, auch einmal für einen Leichenschmaus am Nachmittag aufsperren. Dann aber klappt’s. „Die Zahlen sprechen für sich“, sagt Niko Pflüger, der Interessenten rät, bereits im Sommer einzusteigen.

Schließlich gehört zum Gasthaus neben 90 Plätzen (auf 160 Quadratmetern) im Innenbereich ein Biergarten mit bis zu 40 Stühlen. Gefragt ist „ein bisschen Mut, ein bisschen Vorstellungskraft“. Denn ja, in den Heimgarten gehört investiert.

Zur Not führen die Eigentümer im Sommer den Biergarten

Pflügers Großvater hat das Haus 1912 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Alte Verträge aus den 1920ern, in denen die Summen noch in Reichsmark aufgeführt sind, hat Niko Pflüger kürzlich zum ersten Mal gesehen. Die Kopien ließ ihm das Amtsgericht zukommen. Zum Gebäude gehören außerdem drei Mietwohnungen, die größte im Dachgeschoss (160 Quadratmeter) samt Balkon könnten sich die Pächter prächtig ausbauen.

Pächter für Traditionsgasthof in Bayern gesucht: Zur Not führen Eigentümer im Sommer Biergarten

Finden die Brüder auf die Schnelle keinen neuen Wirt, halten sie einen „Plan B, C oder D“ oder wie auch immer man den nennen mag bereit: „Es klingt albern: Aber wir überlegen, ob wir im Sommer den Biergarten führen.“ Eine kleines Angebot, Brotzeiten und Getränke. „Damit die Gastronomie ein bisschen am Laufen bleibt.“

Und was, wenn sich wirklich niemand des Projektes annimmt? Dann haben die Pflügers ja immer noch einige Interessenten in der Hinterhand, die die Wirtschaft gerne anderweitig nutzen würden. Der Mann aus Dubai hat Anfang Februar schon wieder angerufen.

Ein lebensgefährlicher Freizeitspaß war am Wochenende auf dem Eibsee zu beobachten: Ausflügler spazieren über den zugefrorenen See - die Polizei warnt vor einer „Trügerische Sicherheit“. Und um ein Parkchaos in den Bergen zu verhindern, will der Alpenverein Münchner mit „Bergbus“ zum corona-konformen Wandern fahren - dafür plant er besondere Ziele. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

(Von Andreas Mayr)

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