BMX-Fahrers springen über Hindernisse.
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Einen Parcours für Profis gibt’s in Peißenberg. Die Größe der Anlagen kann variieren – und somit die Kosten.

Suche nach geeignetem Standort läuft

Ein Spielplatz für Mountainbiker: Hindernisparcours in Bad Kohlgrub bewilligt

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Diese Anlagen scheinen im Trend zu sein. Jetzt hat sich auch der Gemeinderat Bad Kohlgrub mit einem Pumptrack auseinandergesetzt. Und ein solches Angebot für gut befunden.

Bad Kohlgrub – Tobias Holland-Moritz rollte an, wie sich das für einen Vorkämpfer gehört: auf einem Scooter. Damit die Herren und Damen im Gemeinderat gleich sehen, was auf sie zukommt. Holland-Moritz wünscht sich einen Pumptrack in Bad Kohlgrub. Das ist zwar nichts anderes als ein Hindernisparcours, aber in einer Trendsportart wie dem Mountainbiken muss es eben Englisch sein. Obwohl sich die Kinder auf der neuen Anlage im Ort nicht nur auf Fahrrädern austoben sollen, sondern auch auf Skateboards, Rollschuhen oder eben Scootern, auf allem, was Rollen hat. Der Sozialausschuss hat das Projekt Ende Oktober schon für gut befunden. Nun passiert der Vorschlag die nächste Schranke. Der Gemeinderat stimmte für eine Ortsbegehung mit Experten der österreichischen Firma Allegra-Tourismus, die solche Anlagen konzipiert. Nur zwei – Andrea Fend (Landwirtschaft) und Georg Doll (CSU) – votierten dagegen.

Allegra – mit Betonung auf dem e – bedeutet heiter oder in der Grußform auch so etwas wie „Freue dich“. Womit dann das Bestreben der Räte ganz gut abgedeckt ist. Es geht ihnen um heitere Kinder, vor allem um die älteren, für die es im Ort „so gut wie nichts gibt“, wie Mona Reindl (Freie Wähler) feststellt. Außer halt Fußball. Aber das ist dann nicht mehr genug in Zeiten, in denen das Smartphone doch bei einigen mehr Reiz ausstrahlt als ein Ball. Um sich einen Überblick zu verschaffen, was da auf die Gemeinde zukommt, schalteten sie Dominik Bösch aus Innsbruck zu, sozusagen der Heiterkeitsbeauftragte.

Studie zeigt: Anlage bringt Wertschöpfung

Bösch entwickelt „Tourismusprodukte“, wie er sagt. Aber weil das ein sperriger Begriff ist, zeigte er dann lieber Bilder und Videos von Parks im Engadin und in der Lenzerheide mit Kindern, Buckelpisten, Skateboards und vielen bergigen Hindernissen. Der Bikeboom habe 2020 noch einmal zugelegt. Bösch ruft das Mountainbiken direkt zum „Breitensport“ aus. Man muss nicht gleich der Megalomanie verfallen, aber mehr Radfahrer auf den Straßen und den Bergen sind es schon geworden.

So ein Mountainbike-Spielplatz, wie die Experten sagen, „ist der Einstieg“ für Kinder aber auch die Gemeinden, erklärt Bösch. Ein Park, den sie in diesem Jahr eröffnet haben, zählte an stark frequentierten Wochenenden bereits 1900 Fahrten pro Tag. Eine Studie aus den Dolomiten zeigt zudem, dass eine vergleichbare Anlage am Tag an die 200 Euro Wertschöpfung für den Ort bringt, weil Fahrer und Eltern etwa noch Einkaufen oder Essen gehen. Sie befördert den Tagestourismus. Plätze gibt’s in allen Größen und Varianten.

Fördermittel in Aussicht gestellt

Zwei, die kleine für 11 000 Euro, die größere für 37 000, präsentierte er den Räten, damit sie grob wissen, in welcher Liga sie spielen. Allerdings sagen die Kosten wenig aus. Holland-Moritz berichtet von der Anlage in Füssen. Die Stadt hat dort für eine voluminösere Version so viel Fördermittel erhalten, dass ihr die Mini-Anlage teurer gekommen wäre. Sie baute natürlich groß. Sebastian Kramer, der Wirtschaftsförderer im Kreis, stellt eine Beteiligung am EU-Leader-Projekt in Aussicht, weil es ja so etwas im Landkreis noch nicht gibt. Ein pikanter Punkt: Auch Uffing, der Nachbar, denkt über einen Skaterpark nach. Ob da nicht ein Wettlauf um die Fördertöpfe entsteht?

Die Kohlgruber sind ein paar Meter voraus. Sie haben den Ortstermin anberaumt, drei Standorte haben sie auch vorgeschlagen. Bürgermeister Franz Degele möchte Kurgarten und das Areal neben dem Spielplatz begutachten. Doll brachte auch das Tannenbankerl ins Spiel, das gleichzeitig ein anderes Problem lösen könnte: Simon Eickholt (Neue Liste) hat auf seinen Hörnle-Touren versteckte Trails entdeckt, die manche selbst angelegt haben und mit ihren Rädern befahren. Den Trend gebe es seit zwei, drei Jahren. „Man sieht den Bedarf“, sagt Eickholt. Eine offizielle Strecke verhindere, „dass so ein Wildwuchs entsteht“.

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