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Comeback in bekanntem Ausflugslokal: Münchner Gastro-Brüder wollen verwaiste Wirtschaft wiederbeleben

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Von: Andreas Mayr

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Derzeit am Umbauen: (v.l.) Micha Kaller, Julian Hahn und Sandro Di Girolamo. Das Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub soll im Sommer 2021 wieder eröffnet werden.
Derzeit am Umbauen: (v.l.) Micha Kaller, Julian Hahn und Sandro Di Girolamo. Das Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub soll im Sommer 2021 wieder eröffnet werden. © Mayr

Den besten Kuchen in Bad Kohlgrub gab es im Café Waldschlucht. So sagen es die Leut’. Doch seit der Schließung verfällt das Ausflugslokal zusehends. Zwei Brüder aus München wollen es aufpäppeln und wieder öffnen – mit Freilufttheater, Konzerten und Schwimmbetrieb am Weiher.

Bad Kohlgrub – Mein Gott, was haben sie für bezaubernde Geschichten über diesen Ort gehört. Von der Rosa Strauß und ihren fantastischen Kuchen. Von den Karpfen und Forellen. Vom ersten Kuss bis zur Hochzeit war alles dabei. Sie können’s kaum fassen, die Hahn-Brüder aus München, dass wirklich jeder eine Anekdote zum Café Waldschlucht vorzutragen hat, der vorbeiwandert.

Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub: Münchner Gastro-Brüder wollen Ausflugslokal wiederbeleben

Nur liegen diese alltäglichen Abenteuer im Bad Kohlgruber Forst, 15 Minuten vom Erle-Sportplatz entfernt, ein Stückchen zurück. Wir sprechen hier von Jahrzehnten, nicht bloß von Jahren. So wie das Ausflugslokal derzeit aussieht, muss man festhalten: Die Magie von damals ist geflohen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat in dieser Ruine.

Als die Hahn-Brüder Daniel und Julian und ihre große Helferschar Mitte Januar anrückten, erlebten sie so manchen Schock. Holzbalken, die wegfaulen. Kabel und Rohre, die mehr Freiraum haben, als jedem Installateur lieb ist. Eine Toilette, die beim Spülen den Flur flutet. Wer diese Bruchbude inspiziert, kann nicht glauben, dass die neuen Pächter das wirklich ernst meinen: Im frühen Sommer wollen sie eröffnen. Aber ja doch, genauso meinen sie’s.

Neue Besitzer beim Café Waldschlucht: Gastro-Brüder aus München haben schon aus Schiff „Alte Utting“ ein Lokal gemacht

Es wäre auch eine Nummer kleiner gegangen. Mit ein paar Kniffen könnten sie schnell wieder aufmachen, nennt sich Bestandsschutz. Aber sie wollen neuen Glanz im alten Haus. Wenn das jemand in drei, vier Monaten hinbekommt, dann die Gastro-Tüftler aus München mit ihrem großen Netz aus Bekannten, Freunden, Unterstützern. Daniel Hahn hat die Alte Utting, ein Schiff, das früher über den Ammersee tuckerte, nach München schleppen lassen und ein Lokal daraus gemacht.

Sein Bruder Julian hat mit einer Pommes-Bude vor dem „Pathos Transporter Theater“ angefangen und Fritten verkauft, die er am Nachmittag davor vom Erdinger Bauern geholt hatte. Mittlerweile betreibt er unter anderem das „Hexenhäusel“ am Kolumbusplatz. Bevor die Frage kommt: Ja, sieht wirklich wie ein Hexenhaus aus. Tatsächlich wird das Café Waldschlucht ein wenig daran angelehnt, mit viel Holz. Liegt nahe bei einem Haus im Wald, das die Hälfte das Jahres verzweifelt auf Sonnenlicht wartet.

Café Waldschlucht wird wiederbelebt: Neue Betreiber restaurieren das meiste selbst

Das meiste, betont Julian Hahn, „machen wir selbst“. Sonst könnten sie sich das alles nicht leisten. Das wäre fast zynisch, bloß von Sanierung zu sprechen. Die Hahns, Florian Jund, Philipp Behringer und einige weitere Spezln transplantieren hier sieben Tage die Woche, solch ein großer Eingriff ist das. Begonnen haben sie mit dem hinteren Teil des Hauses, dem Betreiberbereich.

Von dort aus arbeiten sie sich nach vorne. Gewissermaßen hilft ihnen der Lockdown, weil sie pausenlos in Kohlgrub arbeiten können. Sogar die Freundinnen sind in die Waldschlucht gezogen, mit hinauf in den ersten Stock. Corona sei „einmal Chance, einmal Fluch“, sagt Julian Hahn.

Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub: Preise, die sich jeder leisten kann

De facto hat der Staat ihnen vor gut vier Monaten Berufsverbot erteilt. Da darf man das schon mutig nennen, eine neue Wirtschaft aufzubauen, während die Haupteinnahmen fehlen. Das geht eben nur mit ihrem Hintergrund. Die Einrichtung ihrer Wirtschaften ist gebraucht, oft alte Dinger mit großer Seele.

Ein großer Teil schnarcht in einem Lager vor sich hin, mehrere hundert Quadratmeter mit Interieur aller Art, von Stühlen und Tischen bis Kerzenhaltern und Klavieren. Sie haben da einen Bekannten, der oft aufgelöste Wohnungen leerräumt. Noch können die Hahns nicht genau sagen, wie die Waldschlucht künftig daherkommt. Die Auswahl ist riesig.

Ein paar Eckpunkte gibt es bereits. Zwei Bekannte übernehmen das Geschäft. Mit einer davon, Charlotte Holzig, etwa ging Julian Hahn zur Schule. Als sie sich kürzlich mal wieder trafen, sagte die Gastronomin, sie wolle etwas Neues machen, am liebsten mit Kultur. „Ich dachte mir so: perfekt“, sagt Hahn.

Denn im Ausflugslokal soll es künftig auch wieder Freilufttheater, kleine Konzerte und Feste geben. Ihre Speisekarte planen die Wirte „klein, einfach und lecker“. In München kostet die Portion Pommes bei ihnen 3,80 Euro, die dürfte in Kohlgrub kaum teurer sein. „Preise, die sich jeder leisten kann“, möchte Julian Hahn.

Café Waldschlucht: Gastro-Brüder aus München planen Freilufttheater und kleine Konzerte in Ausflugslokal

Der Weiher vor dem Haus – etwa 20 Meter breit und 50 Meter lang – erhält eine zentrale Rolle im Konzept, mit Pflanzen, Schilf, et cetera. Gerne würden sie den Schwimmbetrieb wiederbeleben. „Mich hat Wasser immer begeistert. Ich wollte schon immer mal etwas damit machen“, betont Julian Hahn.

Nur deshalb hat er sich im entscheidenden Moment umstimmen lassen. Als Bruder Daniel ihm 2019 das heruntergekommene Café in Kohlgrub im Internet zeigte, soll er gesagt haben: „Bleib’ mir bloß weg.“ Sie fuhren dennoch einmal in die Waldschlucht. „Dann war’s vorbei.“

Da hat‘s gekracht: Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch musste im Gemeinderat deftige Kritik einstecken. Der gescheiterte Bürgermeisterkandidat Dr. Stephan Thiel und ihr Dauerrivale Martin Sielmann prügelten verbal auf sie ein. Und Vogel „Hansi“ lebte fünf Jahre bei Familie Nebel in Mittenwald. Doch jetzt ist der seltene Albino-Pfau aus seinem Käfig verschwunden. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

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