Jeder Handgriff muss sitzen: Hans-Joachim Seitfudem arbeitet hoch konzentriert an dem Großajatollah.
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Jeder Handgriff muss sitzen: Hans-Joachim Seitfudem arbeitet hoch konzentriert an dem Großajatollah.

Bemerkenswerter Auftrag

Großajatollah aus Holz: Bad Kohlgruber Bildhauer fertigt Schiitenführer

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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So einen Auftrag bekommt man als Bildhauermeister auch nicht alle Tage: Derjenige, den der Bad Kohlgruber Hans-Joachim Seitfudem erhielt, stammt von „hohen Leuten aus dem Irak“.

  • Der Bad Kohlgruber Bildhauermeister Hans-Joachim Seitfudem fertigt einen Schiitenführer aus Holz.
  • Der Kontakt zu den Auftraggebern kam aus Zufall zustande.
  • Die ersten Reaktionen der Kundschaft sind überaus positiv.

Bad Kohlgrub – Auf einem Bergkristall thront er, der Falke von Hans-Joachim Seitfudem. Bei einem Scheich in Abu Dhabi. Sein Riesen-Christus steht in Toronto. Auf der ganzen Welt – ob in den USA, in Australien oder Afrika – finden sich Werke des Bad Kohlgrubers. Selbst einige europäische Königshäuser gehören zu seinem Kundenstamm. Derzeit wartet in seiner Werkstatt eine seiner neuesten Skulpturen darauf, auf Reisen zu gehen: der 1999 ermordete Großajatollah Mohammad-Sadiq al-Sadr, ein schiitische Führer, der als einer der Nachfolger des islamischen Religionsstifters Mohammed galt.

Kontakt aus Zufall

Den Auftrag erhielt der Bildhauermeister von „hohen Leuten aus dem Irak“, sagt er. Der Kontakt war wieder eines dieser „Zufallsdinger“, die Seitfudem schon so oft passiert sind. Er stellte gerade in Starnberg aus, als sie am Strand spazieren gegangen sind und ihn entdeckten. Sie zeigten ihm ein Handybild des Großajatollahs und erkundigten sich, ob er denn diesen aus Holz fertigen könnte. Alles Weitere regelte sein Sohn – auf Englisch. „Ich red’ lieber Bairisch“, sagt der 76-Jährige und lacht.

Auch die Ohrwascheln müssen stimmen

Knappe sechs Wochen hat der gebürtige Breslauer, der seit 1945 in Bad Kohlgrub lebt, an seinem Werk gefeilt, das er aus einem 80 Zentimeter hohen Lindenstamm fertigte. Kleine Pausen legte er ein. Um Abstand zu nehmen. Schließlich geht’s um Kleinigkeiten, betont er. Der Blick soll originalgetreu sein, die Augenbrauen, der Bart, die Mütze und der Stecken in der Hand. Auch „die Ohrwascheln müssen stimmen“, sagt der Profi. Pure Feinarbeit, die große Konzentration erfordert.

Begeisterte Reaktion

Fotos von dem hölzernen Mohammad-Sadiq al-Sadr hat Seitfudem seinen Auftraggebern bereits geschickt. Die Reaktion – erfreulich für ihn. „Sie sind begeistert“, sagt er. Diese „hohen Leute aus dem Irak“ planen, die Skulptur bald abzuholen. Doch die Corona-Pandemie bereitet den künftigen Besitzern Probleme, ihre Bestellung von Bad Kohlgrub ins Ausland zu verfrachten. Solange bleibt sie in Seitfudems Obhut.

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