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Hat im Ammertal noch wenige Mitglieder: die Partei Bündnis 90/ Die Grünen. (symbolbild)

Ortsverband Ammertal/Bad Kohlgrub wieder aufgelöst

Grün im Geheimen: Wenige Mitglieder im Ammertal - Hoffnungen ruhen auf Bundestagswahl

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Die Grünen haben im Ammertal nicht den einfachsten Stand: Die Mitglieder-Zahlen sind überschaubar. Der Aufschwung nach dem Wahlerfolg von 2018 blieb aus.

Ammertal – Schon oft hat sie Einladungen für Veranstaltungen ausgesprochen. An Bekannte, „die grüner leben als ich“, sagt Astrid Poppenwimmer. Immer kassierte sie eine Abfuhr. „Die würden sich nie zeigen.“ Nie in der Öffentlichkeit die politische Gesinnung offenbaren. Um nicht Gefahr zu laufen, stigmatisiert zu werden. Gerade in kleinen Ortschaften ist das nicht selten der Fall, behauptet die Schatzmeisterin des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen. „Da wird man schon mal aus der Freundesliste gestrichen, wenn man dazu steht.“ Die Gemeinden im Ammertal – nicht gerade das grünste Pflaster der Region – würden da keine Ausnahmen sein.

Poppenwimmer, die ursprünglich aus dem Dachauer Landkreis stammt und nun in Altenau lebt, engagiert sich für die Öko-Partei, organisierte zum Beispiel Flüchtlingsfeste in Saulgrub und Bad Kohlgrub mit. Ihr Fazit: Sie waren gut besucht. Außer, „wenn sie unter grün gelaufen sind“. Dabei hatte man nach dem historischen Erfolg bei den Landtagswahlen 2018 in Bayern – die Grünen gewannen sechs Direktmandate und wurden mit 17,5 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CSU – auf einen Wachstumsschub gehofft. Grundsätzlich überall, aber auch zwischen Bad Kohlgrub und Ettal. Im Oktober des gleichen Jahres wurde der Ortsverband Ammertal/Bad Kohlgrub ins Leben gerufen, um schließlich doch wieder im Nirwana zu verschwinden. Was nicht an die große Glocke gehängt wurde – heimlich, still und leise ging er vor eineinhalb Jahren unter.

Von Wählerschaft überrascht

Schon die Gründung im Kurpark-Restaurant in Bad Kohlgrub war eine zähe Partie. Vor allem ein Führungsteam zu bilden, gestaltete sich als schwierig, gelang aber schließlich. Doch Sprecherin Doro Sührig verabschiedete sich bald wieder von ihrem Posten. Sie zog um, gehört mittlerweile dem Kreisverband Weilheim-Schongau an. „Ich bin im Ammertal nicht mehr aktiv“, sagt sie. Ihr Kollege Kai Schwarze, beruflich stark eingebunden, organisierte Aktionen und Stammtische, resignierte aber irgendwann. Die Resonanz – „fast null“. Zu den sieben Mitgliedern, mit denen man gestartet war, gesellte sich niemand hinzu. „Es war einfach viel zu wenig Zuspruch im Ammertal da“, bilanziert Schwarze, der mittlerweile als Mitglied bei den Grünen ausgetreten ist. Poppenwimmer, die sich als Schriftführerin zur Verfügung gestellt hatte, wollte der Mission Ortsverband damals zwar eine Chance geben, versprach sich aber nicht zu viel davon. Während die Pendants in Murnau und Garmisch-Partenkirchen ihr zufolge wachsen, konnte man mit den paar wenigen Mitstreitern keinen Blumentopf gewinnen.

Nach wie vor halten sich die Mitgliederzahlen der Grünen im Ammertal in Grenzen. „Es ist schwach belegt“, sagt Poppenwimmer. Lediglich ein paar Einzelkämpfer gebe es in den sechs Gemeinden. Darunter bekannte Vertreter wie die Kreisräte Georg Buchwieser (Unterammergau) und Christel Freier (Oberammergau). Was aber nicht heißt, dass die Politik der Partei keinen Anklang findet. „Von der Wählerschaft sind wir immer wieder positiv überrascht“, betont die Kreisschatzmeisterin. Bei der Bundestagswahl 2017 lagen die Ergebnisse der Grünen in allen sechs Orten bei Erst- und Zweitstimmen bei über fünf Prozent. In Oberammergau sogar bei über zehn Prozent. „Nur outen sich die Wähler ungern.“

Auf die Grünen im Geheimen vertraut Poppenwimmer und der Kreisverband auch heuer. Das Ammertal wurde trotz der geringen Mitgliederzahlen nicht im besonderem Maß bespielt. Der Wahlkampf beschränkte sich auf zwei Infostände in Oberammergau. Von einer solchen Anlaufstelle in Bad Kohlgrub ließ die Partei ab. Sie wollte an einem Markttag, also mittwochs, die Werbetrommel rühren, was die Gemeinde grundsätzlich nicht erlaubt. Die Hoffnung auf einen Aufschwung in diesem Teil des Landkreises hat Poppenwimmer noch nicht begraben. Logischerweise hofft sie, dass die Grünen in die Regierungsverantwortung kommen. „Dann ändert sich das vielleicht.“

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