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Stein des Anstoßes: die geplante Fassade vom Haus des Gastes in Bad Kohlgrub.

Eine Frage des Geschmacks

Haus des Gastes in Bad Kohlgrub: Bürgerbegehren gegen Fassade initiiert

Ein Bürgerbegehren ist im Ammertal nichts Außergewöhnliches. Wenn es nicht in Oberammergau stattfindet, aber schon. In Bad Kohlgrub werden derzeit Unterschriften gesammelt. Es geht um eine reine Geschmacksfrage.

Bad Kohlgrub – Vertikal stehende Holzleisten im Eingangsbereich und über weite Flächen Holzschindeln: So soll künftig das modernisierte um zum Verwaltungssitz umfunktionierte Haus des Gastes in Bad Kohlgrub aussehen. Soll. Ob es bei dieser Planung bleibt, ist inzwischen fraglich. Denn bei vielen Bürgern hat der Entwurf des einheimischen Architekten Clemens Böhmer für Gesprächsstoff gesorgt. Gar nicht damit leben wollen Andreas Lindauer und Josef Niklas. Die beiden haben ein Bürgerbegehren gegen die Fassadengestaltung initiiert.

220 gültige Unterschriften sind nötig

„Sie passt nicht ins Ortsbild“, macht Lindauer den Standpunkt der beiden klar. Viel mehr wollen die Einheimischen, die im Dorf- und Vereinsleben verwurzelt sind, gar nicht zu ihrem Anliegen sagen. Für das machen sie auch keine Werbung, etwa bei Facebook. Die Unterschriftenliste liegen aus und füllen sich sehr schnell. Mindestens 150 Bürger haben sich bereits eingetragen. Notwendig sind, damit es einen Bürgerentscheid gibt, 220 gültige Unterschriften.

Das erklärte Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (parteifrei) in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Dabei gab er sich unaufgeregt. Eine solche Initiative ist in einer Demokratie möglich. Sollte es wirklich zu einer Abstimmung und letztlich zu einem Beschluss gegen die Fassadenplanung kommen, „sehe ich das nicht als Gängelung, sondern als Korrektur“.

Bürgerbegehren sind Neuland für die Gemeinde

Grundsätzlich ist ein Bürgerbegehren „Neuland“ für Bad Kohlgrub. Deshalb stand im Gemeinderat der Erlass einer entsprechenden Satzung zum verwaltungstechnischen Prozedere auf der Tagesordnung. Tipps dafür gab es von der Marktgemeinde Mittenwald, in der es erst kürzlich einen Bürgerentscheid zu einem Hallenbad-Neubau gegeben hatte. „Ich habe es vermieden, mir in Oberammergau Rat zu holen“, konnte sich Reichert einen Seitenhieb in Richtung Nachbargemeinde nicht verkneifen. Dort wurden bereits zehn Abstimmungen initiiert, bei denen der Gemeinderat und Bürgermeister Arno Nunn zuletzt immer das Nachsehen hatten. 1997 ging es bei einem Bürgerentscheid übrigens auch um eine Fassade: die des Passionstheaters.

Die Entscheidung für den umstrittenen Böhmer-Entwurf in Bad Kohlgrub haben die Lokalpolitiker vor einem Monat gefällt. Nicht ohne drei Gegenstimmen und nicht ohne Diskussionen. So befürchtete zum Beispiel Georg Doll (CSU), dass man irgendwann nur noch auf angegraute Schindeln schaut. Er sieht die Initiative jetzt als „Anlass, sich Gedanken zu machen“. Mit dieser Meinung stand er aber allein da.

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