Sind stolz auf das Ergebnis: (v.l.) Martin Doll, Franz Degele und Stefan König.
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Sind stolz auf das Ergebnis: (v.l.) Martin Doll, Franz Degele und Stefan König.

Auflage von 1000 Stück

150 Jahre Moorheilbad: Neue Chronik nimmt Leser mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte Bad Kohlgrubs

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Erst das Bier, dann die Schokolade und jetzt ein besonderes Buch: Anlässlich des großen Jubiläums gibt es eine neue Chronik für Bad Kohlgrub. Mit spannenden Fakten und Bildern.

Bad Kohlgrub – Christine Degele blättert durch. Bis sie hängen bleibt. Auf Seite 77. Mehrere Aufnahmen des Hotel Post sieht sie. Von dem großen, schmucken Haus mitten im Ort. Genau dort, wo heute das Gebäude steht, in dem bis vor kurzem die Sparkasse untergebracht war. Die jungen Leut’ kennen die alte Immobilie nicht mehr. Wie so vieles. Die frühere Hörnle-Hütte zum Beispiel. „Sie war mondän“, sagt Martin Doll. Nicht so urig wie jetzt. Oder das Obere Kurhaus, das an die Blütezeiten Bad Kohlgrubs erinnert und seit ein paar Jahren als SeinZ-Zentrum firmiert. In dem Ammertaler Dorf wimmelt es nur so vor Geschichte. Jetzt wurde sie auf 124 Seiten zusammengefasst – interessant verpackt für jedes Alter.

Genau das wollten die Verantwortlichen erreichen – die Gemeinde als Auftraggeber, Doll als Fotograf und wandelndes Archiv sowie der freie Autor Stefan König: Die Chronik, die anlässlich des großen Jubiläums 150 Jahre Moorheilbad entstanden ist, soll alle Generationen ansprechen. Der Test glückte bereits. Die 25-jährige Tochter von Bürgermeister Franz Degele durfte vorab einen Blick in das Buch werfen. Es ließ sie nicht mehr so schnell los.

Ohne wissenschaftlichen Firlefanz

Erst im Januar dieses Jahres hatte der Gemeinderat beschlossen, die Ortsgeschichte auf Papier zu verewigen. Ohne wissenschaftlichen Firlefanz. Spannend und unterhaltsam sollte die Chronik sein, „redaktionell hochwertig“, sagt der Rathauschef. „Das ist hervorragend gelungen.“ Ein Lesestoff, der süchtig macht.

Aus Königs Feder stammt bereits die Broschüre zum Lampl-Anwesen. Deshalb fiel die Wahl wieder auf ihn. Die Schaffensphase verging wie im Flug. Nicht etwa, weil der Auftrag erst spät kam. „Es hat unheimlich viel Spaß gemacht“, sagt der Autor, dessen Tochter Kathrin König die Chronik mit dem moorbraunen Hardcover gestaltete. Die Freude an der Arbeit wirkte wie ein Beschleuniger.

Warum Bad Kohlgrub als deutsches St. Moritz bezeichnet wurde

Ohne seinen Partner Doll wäre das aber alles nicht möglich gewesen. Der Bad Kohlgruber, der Ortsführungen anbietet, kennt seine Heimat wie kaum ein anderer. Er verfügt über eine Schatzkiste mit Hunderten Fotos, Postkarten und anderen historischen Zeugnissen. „Seine Sammlung war die Basis“, betont König. Ebenso seine Vorarbeit. Schon seit geraumer Zeit beschäftigte er sich mit den einzelnen Themen, stellte sie in Programmen wie Excel und Word zusammen. „Ich hab’ ja gewusst, dass die 150 Jahre kommen“, sagt Doll. Seine Bilder erhält die Gemeinde noch in digitaler Form. Auch eine Ausstellung in der Wandelhalle plant er, sobald keine Kontaktdatenerfassung mehr nötig ist.

Oft trafen sich die beiden Männer. Komponierten Bilder und Texte zu einem ästhetischen Gesamtwerk. Die Fotos, Werbeplakate, Postkarten und Grafiken passen zu den Berichten. Wer die Chronik liest, geht auf eine Zeitreise. Erfährt, wie der Ortsteil Gagers zum Kurort wurde, warum das Dorf als deutsches St. Moritz galt oder wie das Kurwesen unter der Gesundheitsreform litt. Freilich dreht sich einiges um den braunen Heil-Brei, das Bergkiefern-Hochmoor, welches der Kommune Bekanntheit und Wohlstand bescherte.

1000 Exemplare gibt es. „Sammlerstücke“, betont König angesichts der Auflage. Während Festzug und Festakt sowie Theaterstück wegen Corona auf 2022 verlegt werden mussten, ist die Chronik – wie die Jubiläums-Schokolade und das -Bier – ab sofort erhältlich (siehe Infobox). Degele kann sie nur wärmstens empfehlen. Er selbst kennt sie schon fast auswendig. Viermal hat der Bürgermeister sie gelesen – auf der Suche nach Fehlern. Die Füße sind ihm dabei nie eingeschlafen. König formuliert es so: Er sei „gescheiter rausgegangen“ aus dem Projekt als rein.

Weitere Informationen

Die Chronik „150 Jahre Kurbetrieb in Bad Kohlgrub“ ist für 29,50 Euro bei Schreibwaren Schlichting, bei Mode Kraus, in der „nah & gut“-Filiale, bei der Tourist-Info und im Online-Shop der Ammergauer Alpen GmbH erhältlich.

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