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Hörnlebahn in Bad Kohlgrub: Sanierung startet im Spätherbst - Retro-Sessel bleiben erhalten

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Von: Manuela Schauer

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Für ihren Retro-Charme ist die Hörnle-Bahn bekannt.
Für ihren Retro-Charme ist die Hörnle-Bahn bekannt. © mm-archiv

Die Hörnle-Schwebebahn hat ihren ganz besonderen Charme. Der soll auch bei der Sanierung erhalten bleiben. Bei der Bürgerversammlung gab es nun viele Infos zu dem Großprojekt.

Bad Kohlgrub – Wie oft mag das Liftpersonal diese Szene wohl schon gesehen haben? Unzählige Male, ganz gewiss. Wer sich von der Hörnle-Schwebebahn befördern lässt, muss beim Aussteigen stehen bleiben. „Die Leut’ wollen aber immer vom Sessel weglaufen“, sagt Franz Degele (Freie Wähler). Dabei schwenkt er doch weg. Deshalb können sie inzwischen auf einem Monitor an der Talstation den Film „Wie man mit der Hörnlebahn fährt“ verfolgen. Eine digitale Anleitung also. „Damit die Menschen sehen und auch glauben, was auf den Schildern steht“, scherzt Bad Kohlgrubs Bürgermeister bei der Bürgerversammlung.

Gut 80 Interessierte, darunter nahezu alle Gemeinderäte, Landrat Anton Speer und Ammergauer-Alpen-Chef Frank Peters, kommen am Dienstagabend in den Kursaal – und damit mehr als oft bei den Pendant-Veranstaltung größerer Kommunen im Landkreis auftauchen. Den Rathauschef freut diese Präsenz „narrisch“, vor allem angesichts des warmen Wetters. So ganz überraschend ist es aber nicht, dass zahlreiche Einheimische erscheinen. Schließlich steht ein Bericht über das größte Projekt des knapp 3000-Seelen-Ortes auf der Tagesordnung: die Sanierung der Hörnlebahn.

Reibungspunkte mit Seilbahnaufsicht

Heuer im Spätherbst soll das Mammutvorhaben starten. Mit ersten kleineren Sanierungsaktionen. Im Rahmen der Bauwerksüberprüfung durch den TÜV wurden unter anderem die Stützen unter die Lupe genommen, in ein paar Monaten geht es dann beispielsweise darum, diese sandzustrahlen und neu zu beschichten. Vorausgesetzt die Gemeinde findet eine Firma mit Kapazitäten. Ein Großteil der Sanierungsarbeiten stehen dann 2023 auf der To-Do-Liste.

Als nächster Schritt ist eine Vor-Ort-Begutachtung mit möglichen Dienstleistern geplant, die einzelnen Maßnahmen werden konkretisiert, kündigt Degele – Geschäftsführer Herbert Pröll verweilt im Urlaub – an. Die Operation Hörnle-Bahn nimmt an Fahrt auf.

Im Gegensatz zu Anfang des Jahres hat sich bereits einiges zum Besseren gewandt. Es hatte Reibungspunkte mit der Seilbahnaufsicht gegeben. Der Rathauschef spricht vom „angespannten Verhältnis“. Schließlich ging es unter anderem um das Herzstück der Bahn, die Schwenksessel. Die Gemeinde wollte sie nachbauen lassen. Das Problem: Sie hätten gemäß europäischer Norm keine Zulassung mehr erhalten. Die Seilbahnaufsicht pochte auf Sportsessel, was die Bad Kohlgruber aber strikt ablehnten. „Wir wollen den Charakter der Bahn erhalten“, betont Degele auf Tagblatt-Nachfrage. „Mit Sportsessel wäre es eine 0815-Bahn.“ Nun bleibt’s bei den alten Modellen, die ertüchtigt werden.

Kosten bei voraussichtlich über 2 Millionen Euro

Dann ploppte da noch das Problem mit den Materialtransporten auf. Mit dem Lift befördert man Lasten wie Bierbanzen. „Das ist ergonomisch schwierig“, erklärt Degele die Einwände der Aufsichtsbehörde. Das Gewicht, circa 60 Kilogramm, für einen Mitarbeiter zu schwer zum Reinheben. Erlaubt seien bis zehn Kilo. Grundsätzlich aber ist der Transport von Tragerln et cetera nicht mehr erwünscht. Aktuell werden schwere Lasten über die Straße von A nach B verfrachtet. „Das kann aber kein Dauerzustand sein“, betont Degele. Bis zum Winter braucht es eine Lösung. „Wir sind am Tüfteln.“ Inzwischen bezeichnet der Bürgermeister die die Zusammenarbeit mit der Seilbahnaufsicht auch wieder als konstruktiv.

Die Kostenkalkulationen für das Großprojekt liegen bei rund zwei Millionen Euro. Degele schätzt er mit 2,5 Millionen – wegen der Preissteigerungen. Staatliche Investitionsförderungen von bis zu 35 Prozent seien möglich, auch gebe es informelle Kreditzusagen regionaler Banken. An dieser Stelle kommt die Hörnle-Schwebebahn GmbH & Co. Schlepplift KG ins Spiel. Sie soll ab 2023 die Parkraumbewirtschaftung übernehmen. Was die Kreditwürdigkeit sichert. „Das sind stabile Einnahmen.“

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