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Doppelt hält besser: Das neu entstandene Münchner Streichquartett WeberWell tritt an zwei Abenden bei den Klassiktagen auf.

Weder steif noch spießig

Klassiktage in Bad Kohlgrub beginnen - „Tatort“-Ermittler sorgt für exklusiven Abend

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Bad Kohlgrub und Klassik - passt das zusammen? Die Antwort wollen Beate und Josef Gilgenreiner heuer zum fünften Mal liefern. Schon jetzt sind sie überzeugt. Ja, es passt. Weil das Programm für Jedermann ist.  

Bad Kohlgrub – Sie ist zurück im Programm. Bei den Klassiktagen Ammergauer Alpen gibt es wieder eine Ausstellung. „2018 war das nicht möglich“, sagt Organisatorin Beate Gilgenreiner. Die Wandelhalle diente als Ausweichort für den Kindergarten, der modernisiert wurde. Auch heuer verzichtet man auf sie – und zieht um. In die ehemalige Tenne des Lampl-Anwesens. Zum ersten Mal seit der noch laufenden Sanierung ist der „wunderschöne Raum“, wie in Gilgenreiner nennt, für die Öffentlichkeit zugänglich. Nicht die einzige Premiere bei der fünften Auflage der Klassiktage in Bad Kohlgrub.

Die Ausstellung und Vernissage der Oberammergauerin Michaela Gräper trägt mit „Zwischenzeit“ den passenden Titel zum diesjährigen Programm, das sich um die 1920er-Jahre dreht (siehe unten). Ihre Installationen und Grafiken beschäftigen sich mit dem Heldentod und Kadavergehorsam zwischen den Weltkriegen. „Es ist eine assoziative Ausstellung mit rhythmisch angeordneten Grafiken“, sagt Gilgenreiner, die mit ihrem Ehemann Josef die Klassiktage ausrichtet. Vieles sei in Grau- und Schwarztönen gehalten.

Wachtveitl wird von WeberWell begleitet

Das Motto findet die gebürtige Bad Kohlgruberin mehr als vielfältig. Die Chansons auf der musikalischen Seite, Räterepublik, Revolution in Bayern, Befreiung der Frau auf der politischen. „Es ist total spannend, was auf dem Land passiert ist“, sagt sie. Einiges davon bekommen die Besucher am 21. September zu hören. Vorgetragen von Udo Wachtveitl. „Das wird ein persönlicher Abend der Literatur“, prophezeit Gilgenreiner. Bekannte von ihr, Afra und Hans Kriss aus Schrobenhausen, haben mit dem „Tatort“-Ermittler das Textbuch geschrieben. Zugeschnitten auf das Ammergau. Exklusiv für Bad Kohlgrub und die Klassiktage.

Tatort Bad Kohlgrub: Udo Wachtveitl kommt in den Kursaal.

Begleitet wird Wachtveitl von WeberWell. Bereits im vergangenen Jahr trat das Duo twoWell auf. Dann entstand das Münchner Streichquartett. „Wie praktisch“, sagt Gilgenreiner. Gleich zweimal steht es in Bad Kohlgrub auf der Bühne. Und das nicht ohne Grund. „Das sind einfach saugute Musiker.“

Sogar in Hamburg wird über die Klassiktage berichtet

Eine Premiere reiht sich an die nächste. Die Gilgenreiners kooperieren nicht nur zum ersten Mal mit dem Garmisch-Partenkirchner Richard-Strauss-Institut in Bezug auf die Hermann-Levi-Tage, zum Programm gehört dieses Mal auch ein Dinnerkonzert – samt dem Bläserensemble ARUNDOSquintett und einem Vier-Gänge-Menü im Hotel Schillingshof. Welche Speisen die Zuhörer erwartet – das bleibt noch geheim.
Ebenfalls neu ist die Warteliste beim Kinderworkshop, der in dieser Woche stattfindet. Die Nachfrage ist groß. 16 Buben und Mädchen studieren mit Musikpädagogen das Musiktheater „Von wilden Welten und bezaubernden Klängen“ ein. Viele davon sind Wiederholungstäter. Sie kommen aus dem ganzen Landkreis, aus Peiting und Rottenbuch. Die Arbeit mit den Kleinen kommt an, soll deshalb Bestandteil bei den Klassiktagen bleiben.

Die ganze Veranstaltung hat sich herumgesprochen. Sogar in Hamburg wurde über sie berichtet, erzählt Gilgenreiner. Der Zuspruch –auch von der staatlichen Hand – bestärkt sie und ihren Ehemann in ihrem Tun. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Aber nur durch die „ungemeine Hilfe“ des Freundeskreises, der Gemeinde und der Partner, die finanziell unter die Arme greifen.

Das Konzept funktioniert, Klassik in Bad Kohlgrub funktioniert. Das Erfolgsrezept: „Wir versuchen, was zu machen, was ankommt“, betont die Organisatorin. Ohne steif und spießig zu sein. Ganz im Gegenteil. „Wir finden es super, wenn die Leute in der Jeans kommen.“ Denn nur so passen die Klassiktage zu der Idee, die die Gilgenreiners verfolgen: Bad Kohlgrub soll ein Dorf sein, in dem im Herbst bodenständig Kunst und Kultur geboten wird.

Das Programm im Überblick: 

Freitag, 6. September: „Von wilden Welten und bezaubernden Klängen“ – Familienkonzert der Kinder des Musik- und Theaterworkshops, 16.30 Uhr, Haus des Gastes. Samstag, 7. September: Vernissage der Ausstellung „Zwischenzeit“ – Installationen und Grafiken von Michaela Gräper, 19.30 Uhr, Lampl-Anwesen. Mittwoch, 18. September: Musenkuss Kabinett – eine humoristisch-frivole Liederrevue aus den 1920er-Jahren, 19.30 Uhr, Vortragssaal Haus des Gastes, Eintritt: Erwachsene 24 Euro, Studierende 17 Euro, Freundeskreis-Mitglieder 21 Euro. Donnerstag, 19. September: Highlight Kammermusik – Klarinettenvirtuose trifft auf junge Stars mit Fabio Di Càsola und dem Ensemble WeberWell, begleitet von Josef Gilgenreiner, 19.30 Uhr, Haus des Gastes, Eintritt: Erwachsene 24 Euro, Studierende 17 Euro. Freitag, 20. September: Dinnerkonzert – ein Abend für die Sinne, mit Bläserensemble ARUNDOSquintett und einem Vier-Gänge-Menü, 18.30 Uhr, Hotel Schillingshof, Preis: 78,40 Euro (nur im Vorverkauf erhältlich). Samstag, 21. September: Zeitenwandel – Bayern um 1920, ein musikalisch-literarisches Panoptikum mit Udo Wachtveitl und WeberWell, 19.30 Uhr, Kursaal, Eintritt: Erwachsene 28 Euro, Studierende 21 Euro.

Weitere Informationen

zu den Klassiktagen Ammergauer Alpen gibt’s im Internet unter www.klassiktage.com. Karten sind im Vorverkauf bei der Tourist-Info Bad Kohlgrub, bei den Ammergauer Alpen oder bei München-Ticket erhältlich.

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