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„Ein Wahnsinn“: Telefónica plant 40-Meter-Funkmasten in Bad Kohlgrub - Die Gemeinde kann (fast) nichts tun

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Von: Manuela Schauer

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Auf halber Strecke zwischen Kläranlage und Jägerhaus in etwa (rote Markierung) soll die Sendeanlage errichtet werden.
Auf halber Strecke zwischen Kläranlage und Jägerhaus in etwa (rote Markierung) soll die Sendeanlage errichtet werden. © mas/bayernatlas

Er wird ein ungebetener Dauergast von Bad Kohlgrub: Die Telefónica Deutschland plant eine Sendeanlage in der Nähe des Jägerhauses. Vielmehr als am Standort stören sich die Ortspolitiker an der Höhe des Funkmasten. Vor allem, weil die Gemeinde nicht mitreden kann.

Bad Kohlgrub – Die Bundesregierung will es. Die Landesregierung ebenso. Der Mobilfunk soll fleckendeckend ausgebaut werden – und zwar mit der 5G-Technologie. In Ballungsgebieten wie im ländlichen Raum. Dafür fließen Milliardenbeträge. Jetzt flatterte im Bad Kohlgruber Rathaus ein Schreiben von Telefónica Deutschland ein. das Unternehmen möchte im Bereich der Staatsstraße Richtung Murnau, nahe der Auffahrt zum Jägerhaus, eine Sende- und Empfangsanlage für GSM, LTE und 5G errichten. Keine in Zwergengröße: 40 Meter soll der Funkmast in die Höhe ragen.

Bürgermeister Franz Degele (Freie Wähler) setzte nun seinen Gemeinderat über das Vorhaben in Kenntnis. Schließlich steht die Kommune einen ungeprüften und ungehinderten 5G-Ausbau kritisch gegenüber, da die Auswirkung auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Folgen für die Umwelt noch nicht ausreichend erforscht seien. Daher haben die Ortspolitiker im Januar 2020 sogar als Beschluss festgezurrt, dass die Gemeinde jedes Ansinnen eines Anbieters im Gremium zu beraten, sofern dies nicht zwingende Gründe verhindern. Also landete auch diese Information auf der Tagesordnung. Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten.

Keine Genehmigung nötig

Simon Eickholt (Neue Liste) konnte es gar nicht so recht fassen: „40 Meter ist ein Wahnsinn“, sagte er. Ebenso, dass die Gemeinde bei so einem Ausmaß nicht zustimmen muss. Denn der Mobilfunkriese, der vor allem die Kernmarke O2 vertreibt, braucht keine Genehmigung für den Bau der Anlage. So lautet die Gesetzeslage, die in der Vergangenheit schon in einigen Orten auf massives Unverständnis gestoßen ist. Man nehme Ohlstadt oder Graswang, die ein Lied von Funkmasten an unerwünschten Standorten singen können.

Die Gemeinde ist am Ende des Tages nahezu handlungsunfähig. „Eine unerfreuliche Geschichte“, betonte der Rathauschef. „Unsere Möglichkeiten liegen bei Null.“ Beim Landratsamt hat sich der Bürgermeister bereits erkundigt, weil es sich um den Außenbereich handelt. Resultat: keine Chance. Um den Funkmasten an dieser Stelle zu verhindern, stünde nur ein Weg zur Verfügung. Die Gemeinde müsste in ein Dialogverfahren einsteigen und eine Alternativ-Fläche anbieten. „Aus dem Stegreif“, sagte Degele, „ist mir keine eingefallen.“ Und auch Markus Ehegartner, der Kämmerer, der sich derzeit mit Degele auch um Aufgaben eines Geschäftsleiters kümmert, bis der neue Mann 2022 seinen Dienst antritt, hält den aktuellen Platz für den Funkmasten noch halbwegs erträglich. „Lieber da draußen als im Zentrum, wo er die Sicht beschränkt.“ Die Verwaltung werde Telefónica aber noch darauf hinweisen, dass in Murnau-Westried ein Standort geplant sei, sodass die Bad Kohlgruber Anlage vielleicht nicht nötig wäre.

Zeitpunkt für Bau noch unklar

Das Unternehmen möchte eine bessere, nahtlose Netzversorgung zwischen Bad Kohlgrub und Murnau schaffen. Und hält an der Größe der Anlage fest. „Mobilfunkstandorte benötigen grundsätzlich eine gewisse Höhe, um genug Reichweite zu haben und die Umgebung möglichst optimal mit Mobilfunk versorgen zu können“, teilt ein Sprecher auf Tagblatt-Nachfrage mit. Wann sie errichtet und in Betrieb geht, steht noch nicht fest. Der genaue Zeitpunkt sei von verschiedenen externen Faktoren abhängig wie Genehmigungen und die Stromanbindung.

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