Nur eine junge Frau engagiert sich bisher

(K)ein Herz für Bad Kohlgruber Kinder

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Der Übergang an der Kur-Apotheke in Bad Kohlgrub ist eine Gefahrenstelle für Schüler. Deshalb wurden Verkehrshelfer gesucht. Aber nur eine Freiwillige gefunden.

Bad Kohlgrub – Diese Stelle in Bad Kohlgrubs Ortszentrum hat’s in sich. Sie ist eine Gefahr für Leib und Leben, vor allem für Kinder. Oft schießen am Dorfbrunnen in der Früh Autos um die Kurve und missachten die Ampel an der Kur-Apotheke. Zu einer Zeit, in der Buben und Mädchen die Straße queren, um zur Schule zu gehen. Die Bürgermeister-Hans-Reiner-Volksschule und der Elternbeirat wollten den Zustand nicht länger untätig hinnehmen und reagierten. Sie versuchten, Verkehrshelfer zu finden. Allerdings nicht mit dem erhofften Erfolg.

Im Frühjahr entwarfen die Initiatorinnen eine Art Flyer, der als Beilage im Gemeindeboten an die Haushalte verteilt wurde. Doch nur eine Rückmeldung kam. Von Katrin Martin. Ausgerechnet von einer jungen, kinderlosen, berufstätigen Frau. Keine Mutter, kein Vater erklärte sich bereit, eine knappe halbe Stunde zu opfern und dieses Ehrenamt zum Schutz der Kleinen zu übernehmen.

Für die bescheidene Resonanz hat Petra Igler wenig Verständnis. Die Verkehrserzieherin der Polizeiinspektion Murnau findet’s schade – und schwach. „Die Mütter schreien immer, man solle was für die Sicherheit tun“, sagt sie, „aber wenn sie dann selber gefordert sind, geht das nicht.“ Dabei weiß sie aus eigener Erfahrung, wie schön die Aufgabe sein kann. Igler gehört in Uffing zum Team, das die Kinder sicher über die Straße geleitet.

Uffing geht als Vorbild voran

Die Gemeinde ist sozusagen der Musterschüler. Dort „machen eigentlich alle mit, deren Kinder in die Grundschule gehen“, sagt Igler. Um die 25 sind es. Angesichts der großen Beteiligung braucht jeder Helfer im Schnitt nur zweimal im Jahr für eine Woche in der Früh an der Straße zu stehen. Schwieriger war es dagegen im vergangenen Jahr in Murnau, Freiwillige zu mobilisieren. Aber das passt ins Schema. „In kleinen Gemeinden läuft’s besser“, stellt die Polizistin klar. Mit Ausnahme von Bad Kohlgrub.

Dort ist die 29-jährige Martin seit Ende der Osterferien nach wie vor die Einzelkämpferin für die Sicherheit der jungen Schüler. Die Erste in der Ammertaler Gemeinde überhaupt. Einmal wöchentlich zwischen 7.30 und 7.50 Uhr positioniert sie sich an der Ampel. „Ich finde es toll, dass es jemand macht, der keine Kinder hat“, betont Lehrerin Christine Schwertfeger, die die Verkehrserziehung koordiniert.

Aufwand hält sich in Grenzen

Trotzdem hätte sie sich gewünscht, dass sich mehr Freiwillige melden – zumal sich der Aufwand für die Aufgabe in Grenzen hält. Die potenziellen Verkehrshelfer müssen im Vorfeld ihrer Tätigkeit nur eine kleine Schulung absolvieren. Wegen der Unfallversicherung. Die laufe während des Dienstes über die Gemeinde, erklärt Igler. Zwölf Unterrichtseinheiten stehen auf dem Programm. Klingt nach Paukerei, ist es aber nicht. Die Anwärter bekommen Informationen zu ihren Rechten sowie Pflichten und erhalten die Kelle und die gelbe Weste. „Ich erzähle einmal, sie üben einmal“, schildert die Verkehrserzieherin das Prozedere. Das war’s. Die Dauer hängt von der Teilnehmerzahl ab. In der Regel maximal eine Stunde. „Das darf wirklich keinen abschrecken.“

Noch will Schwertfeger die Hoffnung nicht begraben, dass sich weitere Verkehrshelfer finden. Vier bis fünf Ehrenamtliche – das würde schon reichen. Dann könnte man zum Beispiel Pläne erstellen und die Zeiteinteilung entsprechend gestalten. Gleichzeitig ist sie aber froh, dass sich überhaupt jemand bereit erklärt hat. „Ein Anfang ist gemacht.“ Sie will nicht ausschließen, das Thema erneut im Elternbeirat anzusprechen und noch einmal einen Flyer dem Gemeindeboten beizulegen. Eventuell zum Schuljahresanfang. Vielleicht melden sich dann mehr Freiwillige wie Katrin Martin, die sich vor ihrer eigentlichen Arbeit – in Weilheim – um den Schutz der Buben und Mädchen kümmert.

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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