Bad Kohlgrubs Ortszentrum mit Lampl-Anwesen, Rathaus und Dorfbrunnen
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Das Herzstück des Ortes: Das neue „Haus der Vereine“ (l.) fügt sich in das Ensemble mit Rathaus und Dorfbrunnen ein. Dahinter liegen Kurpark und Haus des Gastes. 

Viele Probleme während der Umbauphase

Nach sechs Jahren: Saniertes „Lampl“-Anwesen feierlich eröffnet

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Lange musste die Gemeinde auf diesen Tag warten: Jetzt durfte sie endlich die Eröffnungsgäste in dem kernsanierten, historischen Anwesen in Empfang nehmen. Darunter Staatsministerin Schreyer.

Bad Kohlgrub – Einen gab es noch unter den etwa 50 Gästen, der das Ehepaar Schauer, die letzten Kohlgruber Besitzer des Lampl-Anwesens, persönlich gekannt hat. Martin Doll saß am Tisch ganz hinten. Seine Brüder hat die alte Frau Schauer öfters in die Stube gebeten. Zum Karteln. Martin Doll, der Bub vom benachbarten Hof, durfte nicht mit. Zu klein, sagte sie. Doll kennt auch die Erzählung, wie das „Lampl“ zu seinem Hausnamen kam. Lampl sagten die Kohlgruber zu einem „bissl langsamen“ Menschen, wie Doll es freundlich formuliert. So einer soll Michl Utzschneider gewesen sein, dem der Hof im frühen 18. Jahrhundert gehört hat.

Ein „bissl langsamer“ ist gleichzeitig eine schöne Umschreibung für alles, was im Zuge der Sanierung passiert ist. 2014 fingen sie mit dem Eingriff im Ortskern gleich neben dem Rathaus an. Am Donnerstag feierten die Macher endlich. Ach, was waren sie optimistisch, glaubten ernsthaft, in drei Jahren fertig zu sein. Bezeichnend dafür die Worte von Michael Laubender, dem Architekten, der über den ersten Tag auf der Baustelle sagt: „Zum Glück weiß man nicht, was auf einen zukommt, sonst hätte man deutlich mehr Respekt.“ Franz Degele, der Bürgermeister in Bad Kohlgrub, sparte sich die Details. Seine Rede sollte nicht den Abend füllen, wo die Arbeiten doch schon sechs Jahre und 50 Seiten einer erstklassigen Sonderbroschüre einnahmen, das Lampl-Kompendium, das alle Gäste erhielten. Degele beließ es bei der süffisanten wie treffenden Bemerkung, es habe Probleme „von den Fundamenten bis unters Dach gegeben“. Praktisch überall. Was auf keinen Fall übertrieben ist. Faules Holz, Mauern, die das Dach nicht halten, ein „furchtbarer Zustand“, sagt Doll. Das überrascht längst keinen mehr. Hier lagerten in den vergangenen 50 Jahren Baumaschinen, Obdachlose waren untergebracht, und davor dachte natürlich niemand ernsthaft über eine Kernsanierung nach. Woher hätten die Schauers auch das Geld nehmen sollen?

Projekt kostet knapp 3 Millionen Euro

Im Dorf schimpften sie schon, man hätte die alte Hütte doch abreißen sollen und das Geld besser angelegt. Zwei Millionen, achthundertsiebenundsechzig tausend Euro – die Zahl liest sich in Worten nochmals eindrucksvoller – kostete der Umbau. Trotzdem sticht das Argument nicht, weil den Großteil andere gezahlt haben: 1,6 Millionen Euro der Staat über seine Städtebau-Förderung, 580 000 Euro der Landkreis.

Was Preis wie Zeitplan beträchtlich beeinflussten: Die Denkmalpfleger haben ständig Einspruch eingelegt. Gegen dies und das. Als sie ziemlich bald Holz aus dem Jahr 1627 fanden, das verbaut worden war, sahen sie sich im Plan bestätigt, das Anwesen und seinen Charakter vollständig zu erhalten. Die Kosten einmal ausgeblendet. „Dass es so alt ist, hat niemand gewusst“, sagt der Architekt. In den sechs Jahren betreute er selbstverständlich viele andere Projekte nebenher. Teilweise 20 gleichzeitig. Aber bei keinem anderen hat er „eine Operation am offenen Herzen“ überstehen müssen, wie er das bezogen auf die neue Massivholzdecke sagt, die die Handwerker im Wohnhaus eingezogen haben. Anders ausgedrückt: Es war wirklich kompliziert.

Besser spät als nie: Nach der corona-bedingten Verschiebung feiert die Gemeinde Bad Kohlgrub um Bürgermeister Franz Degele (r. ) mit rund 50 geladenen Gästen die Eröffnung des neuen Schmuckstücks im Zentrum des Ortes. 

Gebäude fungiert künftig als „Haus der Vereine“

Zur Eröffnung am Donnerstag kam Staatsministerin Kerstin Schreyer, CSU, natürlich in Limousine. Damit zeigte die Politik, dass dieses Projekt zwar ein bissl langsamer gediehen sein mag, aber auch, dass es ein bissl besonderer und ein bissl prächtiger daherkommt als viele andere. „Vorbild für andere Gemeinden“, nannte es Degele. Schreyer verwies auf das Vereinswesen, das künftig im Lampl-Anwesen einzieht. Im Stall platteln die Trachtler. Im alten Wohnbereich kleiden sich die Sportler vom SC um. Musikschüler proben in den Räumen. Die Tenne – so etwas wie der Spiegelsaal ohne Spiegel, also das Prunkzimmer – darf jeder der 30 Vereine mieten. „Ich bin begeistert, was man daraus gemacht hat“, sagt Doll. Er begleitete die Politik-Promis mit Architekt Laubender und Denkmalpfleger Dr. Nikolaus Könner durch das neue Lampl, das „Alt und Neu, Tradition und Moderne“ so gut ergänzt, wie der Bürgermeister sagt.

Applaus, Applaus: Staatsministerin Kerstin Schreyer zeigt sich begeistert vom Endergebnis der Kernsanierung.

Jeder Raum, so formuliert es der Architekt, „hat seine Besonderheiten, bei jedem war was dabei, das einen gefuchst hat“. Mal der Boden, mal die Wand, mal die Farben (bunt!). Im Erdgeschoss zum Beispiel wurde ein Wanddurchbruch original belassen, nur eine Glasscheibe davor gepackt. Zu sehen sind Bruch- und Flusssteine. So hat man damals gebaut – mit allem, was da war.

Ein Lieblingszimmer habe er nicht, betont Laubender. „Es ist wie bei Kindern – da sagt man auch nicht, das habe ich lieber.“ Wohl aber einen Vorschlag unterbreitete er Doll, dem Nachbarn: Warum nicht die neue Stube mit einem Kartenspiel einweihen. In Erinnerung an das gute alte Lampl, das nun „Haus der Vereine“ heißt und am Anfang der Dorferneuerung steht. Bürgermeister Degele warnte Landrat Anton Speer schon einmal vor. „Wenn wir die nächste Finanzspritze brauchen, werde ich wieder auf Dich zukommen.“

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