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Unvergessen: Gisela Schlüter feierte mit ihrer Sendung „Zwischenmahlzeit“ über Jahrzehnte Erfolge im TV.

Ruhestätte soll aufgelassen werden

Rettung für das Schlüter-Grab? Saulgruberin macht Angebot

Es wäre eine Option: Tanja Emmerich aus Saulgrub würde sich gern um die Ruhestätte des Fernsehstars kümmern. Jetzt berät sich der Gemeinderat.

Bad Kohlgrub – Die deutsche Kabarettistin und Schauspielerin Gisela Schlüter liegt seit 23 Jahren in Bad Kohlgrub begraben. Nun stand im Raum, ihre letzte Ruhestätte aufzulassen. Das rief den Obst- und Gartenbauverein auf den Plan. Doch jetzt tut sich im Kampf um den Erhalt des Promi-Grabes noch eine weitere Variante auf.

Tanja Emmerich aus Saulgrub hat nämlich im Tagblatt gelesen, dass das Grab des Fernsehrstars Thema im Gemeinderat war. In der Sitzung erklärte Friedhofsreferentin Martina Höck (Liste Landwirtschaft): Bislang habe sich eine Angehörige um die Ruhestätte gekümmert. Doch diese sei nun selbst zu alt und könne die Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. In Folge ist das Grab zugewuchert, ein Baum wächst hinter dem Stein, und ein Busch überdeckt die Schrift. Ein Zustand, den Emmerich traurig findet.

Bietet ihre Hilfe an: Tanja Emmerich aus Saulgrub.

Sie fühlt sich mit der „Quasselstrippe der Nation“, wie Schlüter genannt wurde, verbunden. Mehr als 400 Silben pro Minute wie einst die Kabarettistin schafft sie zwar nicht. Aber Emmerich gibt mit einem Augenzwinkern zu, immer viel geredet zu haben. „Gisela halt endlich die Klappe“: Diesen Satz hat sie in ihrer Kindheit oft von ihrer Großmutter immer dann zu hören, wenn sie mal wieder nicht aufhören wollte zu „schnattern“. So wie Schlüter. „Ich bin selber mit der Fernsehquoten-Queen groß geworden“, berichtet Emmerich. „Früher saß ich zusammen mit meiner ganzen Familie vor dem Fernseher, und wir haben die Sendungen angeschaut.“ Sie hat den Eindruck, dass es solche Familien-Fernsehabende heute nicht mehr gibt, da sich jeder mit seinem Smartphone oder Laptop beschäftigt. Heute macht es die Saulgruberin, die früher immer liebevoll Gisela genannt wurde, ihrer Großmutter nach. Immer dann, wenn ihre Tochter nicht mehr aufhört zu reden. Nach Ansicht der 52-jährigen Betreuungsschwester sollten Ikonen wie Schlüter nicht in Vergessenheit geraten. „Ich finde, dass das Grab bedeutungsvoll für die Gemeinde ist.“

Eine Meinung, die der Bad Kohlgruber Gemeinderat teilt. Auch wenn sich die Kommune selbst nicht kümmern kann. Deshalb brachte sich der Obst- und Gartenbauverein ins Spiel. Vorsitzende Höck findet aber die Idee, dass sich Tanja Emmerich als Privatperson um das Grab kümmert, toll. Die Gemeinderätein hat sich bereits mit Rathaus-Geschäftsleiter Thomas Riesch besprochen und eine positive Rückmeldung bekommen.

Jetzt soll die Option, dass alles hergerichtet wird und Emmerich die Pflege übernimmt, mit dem Gemeinderat besprochen werden. Sollten die Lokalpolitiker zustimmen, würde Höck Emmerich gerne dabei helfen, die Ruhestätte wieder in einen guten Zustand zu bringen. Es ist zwar kein Ehrengrab, doch die „Quasselstrippe der Nation“ war einmal der Liebling vieler Fernsehzuschauer.

Schlüter wurde 1914 in Berlin geboren, lebte viele Jahre mit ihrem Lebensgefährten Hans Hubberten in Bad Kohlgrub und bis 1995 in Mittenwald – wohin sie genannte Kontakte hatte. Im Ammertaldorf wird sie nun weiterhin ihre letzte Ruhe finden. Wenn Tanja Emmerich ihren Teil dazu beitragen kann, wäre es ihr vor allem eines: eine große Freude.

Laura Masuhr

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