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Bauland gesucht: Auch in den nächsten Jahren soll es Einheimischenmodelle geben. 

Einwohnerzahlen deutlich angestiegen

Boom in Bad Kohlgrub: Neues Leben für ein Dorf

Bad Kohlgrub - Steigende Einwohnerzahlen, höhere Steuern, mehr Leben im Dorf: Bad Kohlgrub erfährt in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom. Sehr zur Freude des Bürgermeisters.

Monat für Monat prägen sie die Tagesordnung, wenn der Bad Kohlgruber Gemeinderat zusammenkommt: Anträge für den Bau von Einfamilienhäusern. Mehrfach ging es auch schon um eine Nutzungsänderung für ehemalige Hotels. Im Dorf entsteht neuer Wohnraum. Und es gibt weiteren Bedarf, wie Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (parteifrei) erklärt.

In der ersten Gemeinderatssitzung des Jahres stand ausnahmsweise mal kein Bauantrag zur Abstimmung. Dafür nutze Reichert die Runde für eine Art Neujahrsansprache. In der wurde deutlich, dass ihm sein Job richtig Freude bereitet. Denn Bad Kohlgrub boomt. „In den vergangenen sechs Jahren ist die Einwohnerzahl von 2300 auf 2800 gestiegen.“ Zu den neuen Bürgern gehören gut situierte Ehepaare genauso wie junge Familien. „Das sehen wir zum Beispiel bei den Belegungszahlen im Kindergarten und in der Schule“, sagt Reichert zu letzterem. Neues Leben für ein Dorf, das gleich mehrfach profitiert. Denn in den Gemeindefinanzen schlägt sich der Zuzug ebenfalls nieder: Im Jahr 2011 lag der Anteil an der Einkommenssteuer noch bei 697 000 Euro, für heuer werden Einnahmen von 1,07 Millionen Euro erwartet. Auch der Trend bei der Gewerbesteuer ist positiv. Wobei Reichert nicht davon ausgeht, dass besonders viele Neubürger auch ein Gewerbe – etwa eine Art Homeoffice – anmelden. Vielmehr sei den Menschen wichtig, in Bad Kohlgrub zu leben. „Wir sind zu einem Schlafort geworden.“ Gründe dafür, warum das Ammertal-Dorf ausgewählt wird, sieht der Bürgermeister mehrere.

Viele Menschen, die zum Beispiel in München oder bei Roche in Penzberg arbeiten, suchen sich am Staffelsee ein neues Zuhause. Der Zuzugsdruck hat jedoch die Preise in Murnau, Seehausen oder Uffing verändert. „Viele können es sich nicht mehr leisten, dort zu leben.“ Anders ist es (noch) in Bad Kohlgrub. Auch wenn Reichert in seiner Gemeinde wahrnimmt, dass die Preise ansteigen.

Für die fünf Plätze, die es im bislang letzten Einheimischenmodell Gaggers gab, haben sich zwölf Bewerber gemeldet. Deshalb wird die Bereitstellung von weiterem Bauland auch in Zukunft Thema im Rathaus sein. „Es gibt aber keine gemeindeeigenen Flächen mehr“, verdeutlicht Reichert. Man sei also darauf angewiesen, dass von Privat verkauft wird.

Die steigenden Einwohnerzahlen haben aber noch weitere Auswirkungen. So griff der Bürgermeister schon den Haushaltsberatungen vorweg. In denen werde es auch, ließ er im Gemeinderat durchblicken, um Personalveränderungen im Rathaus gehen. Das heißt: Es werden wohl neue Stellen geschaffen.

Und sollte die Einwohnerzahl bis zur nächsten Kommunalwahl im Mai 2020 die Marke von 3000 überschreiten, werde der Gemeinderat von derzeit 16 um 2 neue Mitglieder erweitert.

Unterm Strich kann Reichert zufrieden sein. „Das ist eine schöne, erfreuliche Situation.“ Zumal seine Aufgabe mit vielen großen Projekten verbunden ist. Bad Kohlgrub wird sich immer mehr verändern: In diesem Jahr steht die Fertigstellung des Lampl-Gebäudes an. Außerdem soll das Haus des Gastes komplett verändert werden. Und auch das Kurpark-Gebäude rückt in den Fokus der Verantwortlichen. Eigentlich sollte schon jetzt im Gemeinderat eine Nutzungsanalyse vorgestellt werden. Dieser Tagesordnungspunkt wurde jedoch auf den nächten Termin verschoben. Wegen personeller Probleme beim beauftragten Ingenieurbüro.

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