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Der Weg ist das Ziel: Suzanne „Sunny“ Ströer liebt die Berge – wie die Seiser Alm in den Dolomiten.

Suzanne „Sunny“ Ströer macht ihre Träume wahr 

Bad Kohlgruberin ist die Schnellste am Aconcagua 

Suzanne „Sunny“ Ströer aus Bad Kohlgrub stellt Geschwindigkeitsrekord in Südamerika auf – Am Hörnle holt sie sich ihre Basic-Fitness

Bad Kohlgrub – Drei bis vier Mal in der Woche auf’s Hörnle. Intervall-Training. Auch das war Teil der Vorbereitung von Suzanne „Sunny“ Ströer. Zudem trainierte sie in der Höhenkammer in München, um sich zu akklimatisieren. Und das alles für ihren großen Traum. Um den Geschwindigkeitsrekord der Frauen am Aconcagua (6962 Meter) zu brechen. Dieser ist der zweithöchste Berg der Seven Summits und damit der höchste Gipfel Südamerikas.

Das Wetter war gut an diesem Tag, dem 23. Januar 2017. „Gut, das heißt am Aconcagua rund Minus 25 Grad Celsius“, erklärt die Bad Kohlgruberin. Um 5 Uhr morgens verließ sie das Base-Camp. 9:16 Stunden galt es zu schlagen. Diese Bestzeit hatte eine argentinische Bergführerin im Jahr zuvor aufgestellt. Nach 8 Stunden und 47 Minuten stand Ströer am Gipfel. Rekord. „Ich hab mich den ganzen Aufstieg über stark gefühlt“, erinnert sich die 32-Jährige. Und das, obwohl sie zuvor vier Wochen lang von Reizhusten geplagt war. „Trotzdem habe ich mich weiter gepusht.“ Mit Erfolg.

Der Gipfel ist nicht das Ziel sondern nur die Zwischenstation 

An seine Grenzen kommen. Grenzen überwinden. Für Sportler eine Gratwanderung, mit der sie besonders bei Rekordversuchen konfrontiert sind. „Das ist eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“, betont Sunny Ströer, die ihren Spitznamen sowohl ihrem Optimismus, als auch der Tatsache, dass sie gerne Gelb trägt, zu verdanken hat. Wichtig ist es, in einem sicheren Umfeld zu üben und seine Erfahrungen dann in die höheren Gebirge mitzunehmen, weiß die Sportlerin. Auf dem Weg nach unten habe sie damals mit Atemproblemen zu kämpfen gehabt. „Der Abstieg war ein großes Fragezeichen. Man darf nie vergessen, dass der Gipfel nicht das Ziel, sondern nur die Zwischenstation ist.“

Während Sunny Ströer über den Verlauf ihres Rekordes am Aconcagua spricht, sitzt auch ihre Familie mit im Raum. Wie man als Mutter einer Extremsportlerin solche Momente erlebt? „Ganz schwierig“, antwortet Gudrun Ströer. „Sunny sagt dann immer, dass es im Straßenverkehr viel mehr Tote gibt“, erzählt die Ärztin aus Odernburg, die seit 2014 in Bad Kohlgrub lebt. Trotz der Sorgen möchte sie ihre Tochter aber auf keinen Fall blockieren. Im Gegenteil. Sie ist sichtlich stolz: „Ich freue mich darüber, dass sie einen anderen Weg geht. Und, dass sie den Mut hat, das, was ihr Spaß macht, zu ihrem Beruf zu machen!“, sagt Gudrun Ströer.

Im Unterricht damals war Sport das schlimmste Fach

Denn dass ihre Tochter Sunny Ströer einmal diese Richtung einschlagen wird, war nicht, wie bei vielen andern Profisportlern, bereits von Kindheit an klar. Pianistin oder Lehrerin. Das waren früher die Traumberufe der Rekordhalterin. Nachdem sie in der USA in Harvard den Master of Business Administration absolvierte, „rutschte“ sie erst mit 24, 25 Jahren in die Aktivitäten rein. „Als Kind war ich absolut keine Sportskanone“, erinnert sich Ströer und lacht. „Im Unterricht war Sport für mich das schlimmste Fach. Ich war eher ein Bücherwurm.“ Heute ist sie vollberufliche Sportlerin und Fotografin und ist Markenbotschafterin verschiedener Outdoor-Sportfirmen wie Adidas.

Es ist nie zu spät, seiner Leidenschaft zu folgen

Mit ihrer „späten“ Sportkarriere ist sie jedoch nicht allein. Am Rückweg vom Aconcagua lernte sie die Amerikanerin Sara Hastreiter aus Wyoming kennen. Die befand sich gerade beim Aufstieg und hatte sich erst drei Wochen zuvor die Ausrüstung zusammengesammelt. Obwohl sich die 32-Jährige erst seit kurzem mit dem Bergssteigen auseinandersetzte, war sie die einzige aus ihrer Gruppe, die den Gipfel des Aconcagua erreichte. Zuvor hatte sie ebenfalls als Anfängerin – und in der einzigen Frauenmannschaft des Wettbewerbs – am Volvo Ocean Race teilgenommen. Eine Segelregatta, die einmal rund um die ganze Welt verläuft.

Umso einiger sind sich die beiden Frauen, dass es nie zu spät ist, seiner Leidenschaft zu folgen und von der konventionellen Lebensplanung – mit Mann, Haus und Kind – abzuweichen. Vor allem letzterer Punkt ist bei den Profisportlerinnen ein wesentliches Thema. „Als Frau wird man das ständig gefragt, ob man nicht bald eine Familie gründen möchte. Zu meinem 24. Geburtstag hat mir mein Vater sogar schon eine Kinderwiege geschenkt“, erzählt Sara Hastreiter und lacht. „Deinem Instinkt zu folgen wird keine leichte Option sein. Aber sie wird dich glücklicher machen“, lautet ihr wohlgemeinter Rat.

Und auch Suzanne Ströer spricht aus Erfahrung: „Ich weiß noch, als es vor 10, 15 Jahren mit Facebook losging und ich mir Fotos von anderen ansah und oft dachte ,So ein Leben hätt ich auch gern.‘ Bis ich mir irgendwann dachte, ,Hey, mach doch einfach!‘“ So viele Abenteuerträume sind eigentlich erreichbar, sagt sie.

Anna Schärfl

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