Sind enttäuscht: Tamara Scheck (sitzend) und Charlotte Justke mit ihren beiden Hunden.
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Sind enttäuscht: Tamara Scheck (sitzend) und Charlotte Justke mit ihren beiden Hunden.

Neues aus der Gastro-Szene

Unerwartetes Ende im Jägerhaus: Den Pächtern wurde gekündigt

Den Pächtern der Bad Kohlgruber Gaststätte Jägerhaus ist gekündigt worden. Angeblich gab es mehrere Streitthemen.

  • Es gibt erneut Querelen um die Bad Kohlgruber Gaststätte Jägerhaus.
  • Den neuen Pächtern ist gekündigt worden.
  • Angeblich soll es viele Unstimmigkeiten gegeben haben.

Bad Kohlgrub – Es sah alles so gut aus für das Jägerhaus in Bad Kohlgrub. Nach langem Leerstand hatte sich Familie Justke als Pächter eingefunden, und die Zeichen standen – so schien es jedenfalls – auf Grün. Mit dem Besitzer Friedrich Pauli verstand man sich gut, er hatte der Familie einige Zugeständnisse auch hinsichtlich der Pachtsumme – nicht zuletzt wegen der schwierigen Umstände durch Corona – gemacht.

Doch das, was nach einer gelungenen und dauerhaften Lösung für das idyllisch gelegene Gasthaus aussah, hat plötzlich sein unerwartetes Ende. „Wir haben spätestens zu Ende Februar 2022 von Herrn Pauli per Anwalt ohne Begründung die Kündigung erhalten“, erklärt Charlotte Justke. Auf Nachfrage verweist die 32-jährige Pächterin auf viele Unstimmigkeiten, im Gespräch wurde dann aber deutlich, dass diese vor allem auch mit ihrer Lebensgefährtin Tamara Scheck (36) zu tun haben. „Wir haben versucht, mit Herrn Pauli zu reden, aber es wurde immer klarer, dass die Meinungsverschiedenheiten so groß wurden, dass wir uns einfach nicht mehr verstanden haben.“

Erhebliche Debatten

Scheck, examinierte Altenpflegerin, war im Januar 2021 mitsamt dem zehnjährigen Golden Retriever Leander zur Familie in das erste Obergeschoss über der Gaststube gezogen. „Wir haben darüber mit Herrn Pauli gesprochen und er hat sich damit einverstanden erklärt“, berichtet Justke. Wenig später habe dann der Ärger begonnen. „Ich hatte Frühschicht und war um halb fünf Uhr morgens im Bad, Herrn Pauli hat gestört, dass ich dusche, dabei stimmt das gar nicht, das Wasser war um die Zeit ja gar nicht warm genug“, erinnert sich Scheck an die ersten Vorwürfe. Weitere seien hinzugekommen, sie spreche zu laut, sei dominant. Im Mai gab Scheck ihren früheren Beruf auf, um als Servicekraft im Jägerhaus mitzuarbeiten.

„Herr Pauli meinte wohl, dass Tamara bei uns der Boss ist, ein weiblicher Macho, die ganze Sache hat sich dann ziemlich schnell zugespitzt“, ergänzt Justke. Auch die Tiere – Charlotte Justke hatte drei Katzen beim Einzug ins Jägerhaus vor zwei Jahren mitgebracht – wurden zum Streitthema. „Anfangs war es kein Problem, dass sie draußen herumliefen, plötzlich sollten sie in der Wohnung bleiben, aber das waren die Tiere ja gar nicht gewohnt.“ Mitte August kam dann noch ein Bernhardiner-Welpe in den Hausstand. „Daraufhin erhielten wir ein zweites Schreiben vom Anwalt.“

„Nicht unter diesen Bedingungen“

Überaus schade findet Justke das alles, vor allem auch, weil das Geschäft, anfänglich durch Corona ausgebremst, inzwischen sehr gut läuft. „Die Bad Kohlgruber kommen gern zu uns, wir haben inzwischen viele Stammkunden, und die Stube ist regelmäßig voll, die Leute geben sich die Klinke in die Hand“, erzählt die Pächterin, die gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin, ihren Eltern und den zwei Kindern (12 und 4 Jahre alt) im Jägerhaus lebt. Gern hätte sie noch 30 Jahre weitergemacht. Aber nicht unter diesen Bedingungen. Jetzt sucht sie in Richtung Niederbayern nicht nur eine neue Bleibe, sondern auch eine neue berufliche Herausforderung.

„Wir sind schockiert über die Entwicklung hier, wollten immer nur Frieden“, sagt sie. „Weil sich am Ende die Situation immer mehr zuspitzte, kam seit Ende Juli auch kein gemeinsames Gespräch mit Herrn Pauli mehr zustande.“ Als sie dann auch noch regelmäßig befüllte Hundetüten vor der Gaststätte und der Haustür vorgefunden hätten, eskalierte die ganze Sache vollends. „Das alles war und ist ungeheuer belastend, und unter diesen Voraussetzungen können wir nicht weitermachen“, betont Justke. Sie spricht von einem zerrütteten Verhältnis, in dem es keinerlei Vertrauen mehr gebe und äußert die Vermutung, dass hinter all dem eventuell auch gewisse Vorbehalte Paulis gegenüber ihrer Beziehung zu einer Frau stecken könnten.

Friedrich Pauli selbst wollte zu den einzelnen Vorwürfen keine Stellung nehmen, erklärte lediglich: „Ich habe den Pächtern wegen schwerer Beleidigung gekündigt. Die Kündigung erfolgte vertragsgemäß.“ Näheres ließ er sich mit Hinweis auf das schwebende Verfahren nicht entlocken.

Barbara Falkenberg

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