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Halten zusammen: der frischgebackene Ortsverbands-Vorstand um (v.l.) Astrid Poppenwimmer, Kai Schwarze, Doro Sührig sowie Landtagsabgeordneter Andreas Krahl.   

Das Ziel: Grüne Gemeinderäte

Wahlerfolg gibt Wachstumsschub: Grüne gründen Ortsverband im Ammertal

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Aus zwei mach‘ drei: Neben dem Ortsverband Garmisch-Partenkirchen sowie Murnau und Umgebung existiert im Landkreis nun auch einer im Ammertal. Er wird jetzt von Null aufgebaut.

Bad Kohlgrub – Schüsse, mitten in Bad Kohlgrub. Freitagabends gegen 20 Uhr. Im Kurpark-Restaurant „La Portavecchia“ zucken die Gäste zusammen. Auch Doro Sührig erschrickt. Sie weiß nicht, was es damit auf sich hat. Ein Grund, der ihr passen würde: „Das sind Salutschüsse zu unserer Gründung“, scherzt die Kreisverbands-Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen. Denn nur wenigen Minuten vorher wurde ein neuer Ortsverband aus der Taufe gehoben – der dritte nach Garmisch-Partenkirchen sowie Murnau und Umgebung.

Fast wäre das Vorhaben gescheitert, als es um die Wahl der künftigen Sprecherin ging. Die heiße Kandidatin auf den Posten: ganz klar Sührig. Doch die Bad Kohlgruber, die das Amt bisher im Murnauer Ortsverband ausübte und dieses im Vorfeld der Versammlung niederlegte, winkte ab. „Ich will mich nicht verstecken, aber das können gerne mal andere machen“, sagte sie. Den Posten bekam sie nach einem ersten ungültigen Wahlgang – ein Nichtmitglied hatte unerlaubterweise abgestimmt – trotzdem. Absprachen gab es nicht. Schließlich wollte keine der anwesenden Frauen in die Rolle schlüpfen. Also erklärte sich die bekennende Feministin doch bereit. „Ich würde eher kandidieren, bevor zwei Männer im Vorstand sind.“ Ganz getreu dem Frauenstatut der Grünen.

Erfolgswelle nicht abebben lassen

Der Spitze des neuen Ortsverbands gehören nun zwei Mitglieder weiblichen Geschlechts an. Astrid Poppenwimmer macht als Schriftführerin – neben Sührig und Sprecher Kai Schwarze – das Führungstrio komplett. Drei Grüne durch und durch, die für ihre Ideale mit lauter Stimme eintreten wollen.

Der Erfolg der Partei bei den Landtagswahlen in Bayern hat Sührig und Schwarze ermutigt, den Schritt mit einem dritten Ortsverband zu wagen. „Es ist an der Zeit, mehr in die ländlichen Gebiete reinzugehen“, sagte die Sprecherin. Das Ammertal schien perfekt für den Expansionskurs. Denn das Murnauer Pendant sei in den vergangenen zwei Jahren „irre gewachsen“. Die Mitglieder kommen unter anderem aus Altenau oder Oberammergau.

Beim Namen entschieden sich die Stimmberechtigten für „Ammertal/Bad Kohlgrub“. Klingt sperrig, hat aber Sührig zufolge einen Vorteil. „Wenn der Ort drinsteht, ist’s leichter auf die Gemeinderatsliste zu kommen.“ Ein, zwei Grüne ins Kohlgruber – im besten Fall auch in anderen Orten – Kommunalparlament zu bringen, so lautet das erklärte Ziel.

Themen, bei denen die Öko-Partei im Ammertal mitmischen könnte, fallen Sührig und Schwarze genügend ein. Speziell für ihre Heimat Bad Kohlgrub. Die dreifache Mutter engagiert sich für Frauenrechte. „Da sehe ich auch in Kohlgrub großen Bedarf“. Einsetzen will sie sich unter anderem auch für mehr Qualität bei der Offenen Ganztages-Schule, für den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und für eine optimierte Fahrradinfrastruktur. Die Liste ist lang. Schwarze ergänzte sie um die Bereiche Tourismus und Regionalvermarktung. Eine seiner Ideen: einen Wochenmarkt mit regionalen Produkten einmal im Monat auf die Beine stellen. „Wir würden Leute in den Ort locken und die regionale Wirtschaft stärken.“

Krahl: „Uns Grüne braucht‘s mehr denn je“

Was der Ortsverband nicht ausblenden möchte, sind die Flüchtlinge. Das Herzensthema von Poppenwimmer. In Bad Kohlgrub leben prozentual zur Einwohnerzahl die meisten Asylbewerber im Landkreis. Aber „der Urihof als Unterkunft ist grausam“, betonte sie. Kritik übte sie zudem am fehlenden Engagement der heimischen Menschen. „Hier gibt es keinen Helferkreis.“

Interessiert hörte Andreas Krahl den Ausführungen zu, tat seine Meinung kund, korrigierte aber auch Fehleinschätzungen der zwölf Erwachsenen am Tisch. Der Landtagsabgeordnete aus Seehausen, der auf Anhieb den Sprung ins Maximilianeum geschafft hat, ließ es sich nicht nehmen, bei der Gründung des Ortsverbands in einem CSU- und Freie Wähler- dominierten Landstrich dabei zu sein. „Es freut mich wahnsinnig, dass es geklappt hat“, sagte er. Denn aufgrund der aktuellen Probleme wie Pestizideinsätze, Flächenversiegelungen und der Alternative für Deutschland, kurz AfD, im Bundestag sowie allen Länderparlamenten, „braucht’s uns Grüne mehr denn je“.

Doch was kann ein kleiner Ortsverband bewegen? Geht es nach Krahl einiges. Er gab den Anwesenden Aufgaben mit auf den Weg: Sie sollen mit Menschen diskutieren, damit Politik wieder spannend werde. Bienen und Vögel retten, die Alpen und Ammer schützen, und dazu beitragen, dass „Stefanie das Gleiche verdient wie Stefan“. Krahl fasste zusammen: „Ihr müsst nichts Geringeres tun, als die Welt zu retten.“

Mit bisher sieben Mitgliedern heißt es jedoch zuallererst, weitere Gleichgesinnte zu gewinnen und den Ortsverband aufzubauen. „Das ist spannend und aufregend“, sagte Sührig nun doch glücklich über ihren Posten. „Jetzt legen wir los – damit, das Land zu be-Grünen.“

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