Ein befallener Baum: Wenn Fraßspuren der Larven zu sehen sind, muss der Stamm schnellstens aufgearbeitet werden.

Warum Waldbesitzer schon jetzt und nicht erst im Sommer ganz genau hinschauen müssen - Experten warnen 

Der Borkenkäfer - kleiner Schädling mit großer Wirkung 

Wenn das Bohrmehl zu rieseln beginnt, ist dies ein Alarmsignal für Waldbesitzer. Schnelles Handeln ist dann geboten. 

Bad Kohlgrub – Heimlich und im Verborgenen lebt der Buchdrucker – ein winziges Insekt, das in unseren Wäldern vorkommt und großen Schaden anrichten kann. Wie man den Schädling aufspürt und warum dies jetzt geschehen sollte, das erklärten bei einer Begehung mit Waldbesitzern und Interessierten in Bad Kohlgrub Friedrich Maier vom Forstbetrieb sowie Thomas Grebenstein von der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach. Der Appell der beiden Experten: Waldbesitzer – im Landkreis gibt es rund 3000 – sollen befallene Stämme jetzt aufarbeiten und aus dem Wald bringen (lassen), um größeren Schaden an den Fichtenwäldern abzuwenden.

Zuerst muss man jene typische Stellen suchen, an denen der Buchdrucker sein zerstörerisches Werk tut. Das sind Käfernester des vergangenen Herbstes oder Winters. Oft haben die Käfer in der Rinde befallener Bäume oder im Boden überwintert und beginnen jetzt mit dem Befall gesunder Fichten. Aber auch Schadholz wie vom Sturm oder vom Schnee des vergangenen Winters gebrochene oder entwurzelte Fichten, sind laut Grebenstein „ein Schlaraffenland für die Käfer“, und locken die Tierchen über mehrere hundert Meter Entfernung regelrecht an. Das Problem: Kommen die Käfer am geschädigten Baum an und ist dieser bereits voll besiedelt, dann suchen sich die übrigen Käfer in den nächsten Umgebung weitere Opfer. Die Folge: Gesunde Fichten werden befallen.

Bei den „Käfernestern“ muss genau hingeschaut werden, um das orange- bis dunkelbraune Bohrmehl entdecken zu können. Es wird von den Elterntieren bei der Anlage der Brut ausgeworfen und findet sich am Stammfuß befallener Bäume, hinter der Rinde oder am Boden. An der Sonne-zugewandten Seite werden die Waldbesitzer fündig. Winzig klein sind die Löcher, die der Käfer hinterlässt und aus denen das Bohrmehl rieselt. Friedrich Maier greift zum Schepseisen, schält einen Streifen Rinde ab: Deutlich sind die Muttergänge, die abgelegten Eier und bereits die Anfänge der Fraßspuren der Larven zu erkennen.

„Um den 24. Mai herum haben diese Käfer eingebohrt“, kann Maier aus dem Fortschritt der Brut und den Wetterdaten schließen: „Wenn der Baum bis unten hin voller Käfer ist, muss ich weiter suchen, denn es werden noch mehr Bäume befallen sein.“ Stämme, denen eindeutig Bohrmehl zu finden ist, sind nicht mehr zu retten. Obwohl sie optisch noch „pumperlgsund“ ausschauen.

Waldbesitzer müssen danach entscheiden: Arbeite ich das Holz selber auf oder brauche ich Hilfe? Verkaufe ich das Holz oder kann ich es selbst verwenden? Hilfestellung leistet hier die Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach. Dazu Thomas Grebenstein: „Um den Käfer zu bekämpfen, müssen die Bäume gefällt und aus dem Wald gebracht werden.“ Der Fachmann verdeutlicht, warum die frühe Käfersuche so wichtig ist: „In einem abgeschälten Rindenstreifen finden sich rund 20 Käfer. Wenn die erfolgreich brüten, werden daraus in vier bis acht Wochen etwa 400 Käfer. Hochgerechnet auf den ganzen Baum sind das mehrere Tausend. Bleibt man untätig, gibt’s im August ein Käfernest mit 100 Festmetern.“ Eindringlich appellieren die beiden Förster an die Waldbesitzer: „Entweder sie investiert jetzt einige Stunden, um den Schaden möglichst gering zu halten. Wenn sie aber erst im Hochsommer nach Fichten mit roten Kronen suchen, ist die Käferbrut schon ausgeflogen und es sind zehn- bis 20-mal so viele Bäume befallen.“ Der kluge Waldbesitzer lässt befallene Bäume umgehend aufarbeiten und aus dem Wald fahren, um einem großen Schaden vorzubeugen.

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