Wie belebt man einen Ortskern? Mit einem Wochenmarkt. Damit versuchen es zumindest die Bad Kohlgruber auf den Flächen am Maibau.
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Wie belebt man einen Ortskern? Mit einem Wochenmarkt. Damit versuchen es zumindest die Bad Kohlgruber auf den Flächen am Maibau.

Angebot soll Ortskern beleben

Erster Wochenmarkt in Bad Kohlgrub am 24. März - Geschäfte befürchten Umsatzeinbußen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Mit einem Wochenmarkt will bad Kohlgrub Leben ins Zentrum bringen. Jeden Mittwoch zwischen 15 und 18 Uhr sollen die Händler ab dem 24. März ihre Waren anbieten. Doch es gibt auch Bedenken.

Bad Kohlgrub – Der schleichenden Tod der Innenstädte beschäftigt die Politik. Im Jahr 2021 noch mehr, da Sensenmann Corona umgeht und dem Einzelhandel die Geschäfte nimmt. Wie aber verhindert man das Aussterben der Ortszentren? Wie bringt man etwas mehr Leben hinein? Unter anderem mit einem Wochenmarkt. Das empfehlen Städteplaner wie Fachzeitungen, die Franz Degele als Bürgermeister zugeschickt bekommt.

Die Gemeinde Bad Kohlgrub probiert das jetzt aus. Sie führt zum 24. März einen Wochenmarkt ein, wie es ihn etwa schon in Murnau und Garmisch-Partenkirchen gibt.

Örtliche Einzelhändler befürchten Umsatzeinbußen: Konkurrenz vor die Schaufenster gesetzt

Von den Vorbildern haben sich die Ammertaler auch die Satzung geholt und angepasst. Immer mittwochs zwischen 15 und 18 Uhr stehen die fahrenden Händler auf den Flächen am Maibaum und neben dem Rathaus. Ein Mitarbeiter der Kommune koordiniert. Zu kaufen soll es Handwerksware, Fisch, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel geben. Was im Dorf allerdings schon im Vorfeld für Misstöne sorgt. Martina Höck (Landwirtschaft) hat sie aufgenommen und im Gemeinderat weitergegeben. Sie betont: „Gegen Obst und Gartenbau bin ich strikt.“ Sie und ihr CSU-Kollege Georg Doll vertraten die skeptische Fraktion der örtlichen Einzelhändler. Sie fürchten Umsatzeinbußen. „Ich finde das nicht fair“, sagt Georg Doll. Die Geschäfte des Ortes hätten sechs Tage die Woche offen, nun bekommen sie Konkurrenz vor die Schaufenster gesetzt.

Andreas Wojciak (Neue Liste), der bekanntlich über ein temperamentvolles Gemüt verfügt, unterbrach die Diskussion mit Vehemenz: „Was jetzt gerade passiert, ist meines Erachtens ein Witz. Ich frage mich, warum wir den Markt infrage stellen.“ Denn der Gemeinderat hat sich bereits für einen Wochenmarkt ausgesprochen, in der Sitzung ging es nur um die Satzung, somit um die Details. Das sahen die meisten Kollegen ähnlich und spulten im Kurzdurchlauf nochmals alle Argumente pro Markt ab.

Erfahrungen und Studien zeigen: Märkte wirken sich nicht negativ auf Einzelhandel aus

„Ich denke nicht, dass die Geschäfte weniger Umsatz machen“, sagte Mona Reindl (Freie Wähler) mit Blick auf die neuen Kunden, die so ein wöchentliches Angebot anzieht. Das Format zielt vor allem auf die umliegenden Gemeinden ab. „Drei Stunden die Woche tun eher gut, als dass sie schaden“, befand Simon Eickholt (Neue Liste). Er verwies auf die Erfahrungen in Murnau sowie einige Studien, die zeigten: Keiner der Märkte wirke sich negativ auf den Einzelhandel vor Ort aus. „Es geht darum, den Ort attraktiver zu machen“, stellte Eickholt klar. Andrea Fend (Landwirtschaft) bat dennoch, die Geschäfte mitzunehmen. „Am Anfang wird Angst da sein“, glaubt sie. Die müsse man den Händlern nehmen, mit ihnen reden. „Wir wollen niemandem schaden“, sagte Fend. Gemeinderatskollegin Kathrin Kleiner konterte: In den vergangenen drei Wochen habe sich kein Geschäftsmann aus dem Ort mehr zu dem Thema gemeldet. „Ich kann nicht jede Woche hingehen und fragen: ,Geht’s euch gut kann man das machen?‘“

Letztlich stimmten nur Höck und Doll gegen die Marktsatzung. Damit können sich ab sofort Interessenten bei der Gemeinde um einen Stellplatz bewerben. Die Fläche kostet drei Euro pro angefallenen Frontmeter. Josef Fischer junior (Landwirtschaft) erkundigte sich nach dem Auswahlverfahren. „Wer schneller dran ist, kriegt zuerst“, sagte Bürgermeister Degele. Doch will die Gemeinde auf Diversität achten. Macht ja keinen Sinn, fünf Fischhändler unterzubringen.

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